Alfons Koch hat in Bitz knapp 2000 Akten sortiert und ins Archiv eingepflegt. Foto: Buck

Alfons Koch vom Kreisarchiv ist jetzt fertig. Zumindest in Bitz – dort hat er nun das Archiv der Gemeinde auf Vordermann gebracht und einige historische Schätze gehoben.

Der ganze Tisch liegt voller Archivalien im Sitzungssaal des Bitzer Rathauses an diesem Morgen. Ein altes Güterbuch aus dem Jahr 1746, das erste Amtsblatt der Gemeinde aus dem Jahr 1955, Waldpläne aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges, die Entstehung des Stadtwappens, eine Untersuchung zu einer neuen Bahnstrecke – die Liste der besonderen Fundstücke im Bitzer Archiv ist beachtlich lang.

 

Und dabei musste er sich noch bremsen, scherzt der Diplom-Archivar, der vom Kreisarchiv in all jene Kommunen des Zollernalbkreises entsandt wird, die keinen eigenen Archivar angestellt haben. Das sind, bis auf die drei großen Städte Balingen, Albstadt und Hechingen, schlichtweg alle.

Jetzt hat Koch in mühevoller Kleinarbeit den zweiten Teil des Findbuchs für die Gemeinde Bitz erstellt, es reicht von 1807 bis heute. Der erste Teil wurde bereits im Jahr 2003 fertiggestellt und deckt die Zeit von 1462 bis 1998 ab. Die Überschneidung ergab sich aus Dingen, die im ersten Buch nicht erfasst worden waren. „Der Schwerpunkt des zweiten Teils liegt aber auf dem 20. Jahrhundert“, erklärt Koch.

Findbuch ist der „Schlüssel zur Schatzkammer“

Überhaupt, das Findbuch sei der „Schlüssel zur Schatzkammer“, wie der Archivar das Gemeindearchiv im Keller des Bitzer Rathauses bezeichnet. Prinzipiell ist jede Kommune per Gesetz dazu verpflichtet, ein Archiv einzurichten respektive zu führen.

Und um sich dort dann zurechtzufinden, braucht es das Findbuch, das – wie der Name schon sagt – dafür da ist, dass man auch wirklich findet, was man sucht. Oder eben weiß, was man aus den Archivregalen gezogen hat. Alfons Koch hat dafür sämtliche Archivalien gesichtet und sortiert. Teils auch aussortiert, alte Rechnungen aus der Kämmerei etwa.

Alte Belege gesichtet

Trotzdem sind am Ende 1877 Verzeichnungen und 57 laufende Meter zusammengekommen. Eingeteilt wird in drei Kategorien: Amtsblätter wie Gemeinderatsprotokolle oder Steuerunterlagen, Akten aller Art und Rechnungsbücher und Beilagen – hiervon sind allein gut 50 laufende Meter an alten Rechnungen vernichtet und nicht archiviert worden.

„Für jedes Dokument wird ein Index gebildet, dann in Kapiteln geordnet“, erklärt der seit dem Jahr 2000 in Archiven tätige Koch die Systematik. Sind alle Archivalien nummeriert, geht er mit einer neuen Nummerierung drüber, um das Findbuch mit dem tatsächlichen Standort der Akten im Archiv zu synchronisieren. Wer jetzt das Findbuch zur Hand nimmt, sieht direkt, um was es sich bei dem herausgepickten Zeitdokument handelt und wo es im Archiv zu finden ist. Vorbereitungen werden natürlich vor der Archivierung auch noch getroffen.

Nichts wird dem Zufall überlassen

Alles Metallische wie Büroklammern werden entfernt, die begünstigen nämlich Rostbildung, auch Plastik wird wegen der Weichmacher entsorgt. Säurefreie Papiertrenner sind in den feinsäuberlich beschrifteten Boxen verwendet, nichts wird dem Zufall überlassen. Auch nicht beim Raumklima: Eine extra Lüftungsanlage hält die Luftfeuchtigkeit bei 50 Prozent, die Luft bleibt zudem ständig in Bewegung. Alles, um die Archivware zu schützen. „Schimmel ist der Horror“, sagt Alfons Koch.

Das werde dann für Restaurierungen schnell teuer für eine Gemeinde, daher ist Vorsorge auf alle Fälle besser als Nachsorge. Die Arbeit von Alfons Koch ist oftmals mühsam, weil in vielen Kommunen – nicht in Bitz, wie er mehrfach betont – die Archivräume aussehen wir Kraut und Rüben. „Es gibt Zeiten, da bin ich von Akten umringt, da muss man mich suchen“, gibt er einen Einblick in die Sortierarbeit. Aber er habe nach wie vor, auch nach 26 Jahren noch Spaß dabei. Er bekomme regelrecht positive Gänsehaut „beim Eintauchen in die Geschichte“. Und es finden sich „in jedem Archiv solche Geschichten, die einen ergreifen“.

Besonderer Fund an Fotos

Ein besonderer Fund in Bitz ist Altbürgermeister Theodor Ambacher, der 30 Jahre lang die Geschicke der Kommune leitete und im Jahr 2012 im Alter von 93 Jahren verstarb, zu verdanken. In mehr als 20 Ordnern hat der ehemalige Schultes eine Fotosammlung aus dem Ort angelegt – alle akkurat verzeichnet mit mehr als 1800 Aufnahmen. „Das ist einzigartig in Bitz“, schwärmt Koch.

Auch ein kurioser Fund: Die Statuten des 1. Pfennig-Sparvereins Bitz aus dem Jahr 1883. Überhaupt die Fülle an Vereinsberichterstattung und -chroniken sei in Bitz auffällig groß.

Jetzt ist die Arbeit von Alfons Koch erledigt, zumindest in Bitz. Am Vormittag übergibt er das zweite Findbuch fürs gemeindeeigene Archiv dann noch an Bürgermeisterin Raphaela Gonser. Die Gesamtzahlen können sich sehen lassen: In zwei Findbüchern sind 5384 Verzeichnungen zu finden, aufgeteilt in 127 laufende Meter Archivmaterial. Die Bitzer Ortsgeschichte bringt übrigens fünf Tonnen Gewicht auf die Waage.