Der Aussichtsturm Himmelsglück in Schömberg ist weitgehend fertig. Jetzt wollen private Investoren noch zwei Rutschen bauen. Die Anwohner fürchten ein Parkchaos. Dieses Chaos will die Gemeinde durch ein Lenkungskonzept verhindern.
Schömberg - Betroffene Anwohner wehren sich vor allem gegen eine der beiden Rutschen, den Flying Fox (Stahlseilrutsche), dessen Landeplatz im Niederseilparcours des Kurparks sein soll. Die Rutschen wollen die privaten Investoren Michael und Jürgen Wernecke bauen. Einer dieser Anwohner ist Roland Schleeh. Er wohnt im Birkenweg. Nach seinen Angaben sammelten Gegner insbesondere des Flying Fox mehr als 160 Unterschriften. Sie stammten von Bewohnern des Birkenweges, der Wald- und der Schwarzwaldstraße, wie von ihm zu erfahren war. Momentan werden die Einwände im Landratsamt geprüft. Eine Hauptbefürchtung von Schleeh ist, dass im Birkenweg alles zugeparkt werde. Petra Faheem, ebenfalls Anwohnerin des Birkenweges, hat Angst vor einer massiven Vermüllung. Zu den Kritikern gehört auch Roland Helber, eifriger Besucher der Schömberger Gemeinderatssitzungen. Er glaubt, dass rund 300 Parkplätze in Turmnähe zu wenig sind, sollten jährlich rund 100.000 Besucher zu den neuen Attraktionen in Schömberg kommen.
Die Ängste vor einem Parkchaos suchten in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Marina Moser, Leiterin der Touristik und Kur (TuK), sowie die stellvertretende Hauptamtsleiterin von Schömberg, Alina Mundi, mit ihrem Konzept einer Besucherlenkung zu entkräften. Die Gemeinde wolle nicht nur auf den Komfort der Touristen achten, sondern auch die Natur schonen und die Anwohner schützen, versicherte Moser: "Das ist ein dauerhafter Prozess." Sowohl die Besucher als auch die Einwohner würden befragt, um Verbesserungen zu erreichen, machte sie deutlich. Unter den Bedingungen einer Pandemie sei es denkbar, dass der Turm nur mit Reservierung für eine bestimmte Zeit besucht werden dürfe, sagte Moser. Durch ein spezielles Management sollen die Besucher darüber informiert werden, ob noch Parkplätze frei seien, so Moser. Mit zusätzlichen Tafeln würden die Besucher über die Auslastung informiert, um möglichst wenig Frust unter den Gästen zu verursachen, erklärt sie. Wichtig sei auch, dass möglichst wenig Müll im Wald hinterlassen werde. Hier gebe es verschiedene Möglichkeiten, die Gäste zu sensibilisieren. Dabei arbeite die TuK mit der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald zusammen.
Verschiedene Wege führen zum Ziel
Das Parken ist aber nur ein Aspekt: Die TuK beschäftigt sich auch mit der Frage, wie die Besucher zu Fuß zum Turm gelangen. Nach Mosers Worten führen verschiedene Wege zum Aussichtsturm. So soll es eine Wandertour vom Bahnhof Bad Liebenzell geben. Etwas Ähnliches prüfe die TuK auch vom Bahnhof in Höfen aus, fügte Moser hinzu. Sie nannte die zwei Kilometer lange barrierefreie Augenblickrunde. Wesentlich länger sind der Premiumspazierwanderweg Zollernblick sowie ein Rundwanderweg vom Höhenparkplatz beim Wellenbadareal zum Turm.
Nach Mundis Worten stehen insgesamt 507 Parkplätze der Gemeinde für Autos im direkten Umfeld zum Turm sowie im Kernort zur Verfügung. An der Schwarzwaldstraße (Kurhaus, Kurpark, Bauhof, ehemaliger Recyclinghof) sind es 302. An der Bergstraße und am Bühlhof kommen noch einmal 205 hinzu.
Derzeit ist die Kommune in Gesprächen mit weiteren Parkplatzinhabern, sodass vor allem für das Wochenende und in den Schulferien weitere Kapazitäten zwischen 460 und 699 Parkplätzen geschaffen werden können, heißt es dazu in der Sitzungsvorlage. Gerade in der ersten Zeit, an Wochenenden und in den Ferien prüft die Gemeinde zusätzlich zum Parkleitsystem den Einsatz von Einweisern, die auf noch freie Parkplätze hinweisen, so Mundi in der Sitzung. Des Weiteren soll an Parkplätzen auf weitere Möglichkeiten zum Abstellen des Autos hingewiesen werden, wenn die betreffenden Plätze bereits voll sind. Alle Parkplätze werden bei Google Maps und in den einschlägigen touristischen Datenbanken hinterlegt. Mit dem Landratsamt einigte sich die Gemeinde inzwischen auf ein Konzept für die touristische Beschilderung. Mundi sprach von einer "sternenförmigen Heranführung" der Besucher. Mundi führte auch das Thema Anwohnerparkzonen an, um das Parken von Turmbesuchern zu vermeiden und Rettungswege sowie -zufahrten freizuhalten. Dazu habe aber das Landratsamt mitgeteilt, dass Sonderparkberechtigungen für Bewohner nur in städtischen Quartieren möglich seien. Schömberg sei aber kein solches Quartier.
Wildes Parken am Turm soll vermieden werden
Durch regelmäßige und häufige Kontrollen soll ein "wildes Parken am Turm" vermieden werden, stellte Mundi klar. Dabei würden Wald- und Feldwege teilweise durch Schranken gesperrt und "Durchgangsverbotsschilder" aufgestellt. In Oberlengenhardt werde es zunächst jedoch keine pauschalen Halteverbote geben, sagt Mundi.
"Schömberg wird ein gutes Konzept für Parkplätze brauchen", fand UWV-Gemeinderat Tino Bayer. Nach seiner Auffassung müssen die Busverbindungen nach Calw verbessert werden. Zudem bat er darum, den TSV Schömberg nicht zu vergessen. Der Sportplatz des Vereins liegt an der Schwarzwaldstraße.
Von dem Konzept "sehr beeindruckt" zeigte sich CDU-Fraktionschef Joachim Zillinger. Er lobte das Vorhaben von den Bahnhöfen in Bad Liebenzell und Höfen aus Touren zum Aussichtsturm anzubieten. Er regte an, sich mit dem Berufsförderungswerk sowie mit Edeka über weitere Parkmöglichkeiten zu unterhalten. "Wir sind in Gesprächen", antwortete Bürgermeister Matthias Leyn zu Zillingers Anregung. Auch MUZ-Fraktionschefin Susanne Ring lobte das von Moser und Mundi vorgestellte Konzept. Gemeinderat Michael Nothacker (CDU) erinnerte daran, dass es neben den regulären Parkplätzen auch noch diejenigen für Menschen mit einer Behinderung geben werde. Für UWV-Fraktionschef Gerold Kraft ist es wichtig, dass es an Wochenenden in Sachen Parkplätze eine Ansprechperson geben werde. Sein Fraktionskollege Jürgen Krauth-Kopp hob hervor, dass es in dieser Frage Transparenz gebe und niemand etwas verbergen wolle. Das Gremium nahm das Konzept einstimmig an.