Die BI „Unser Rust soll lebenswert bleiben“ wirft vor, dass das Abwassersystem durch die Besucher des Europa-Parks überbeansprucht sei. Die Gemeinde weist die Kritik zurück.
Die Beseitigung von Abwasser gehört zu einer der wichtigsten kommunalen Pflichtaufgaben. Wenn sich Rohre durch Verunreinigungen zusetzen, kann Wasser nicht mehr abfließen und es kommt zum Rückstau, aus dem oft hohe Schäden resultieren. Aus diesem Grund veröffentlichte die Gemeinde Rust ein Info-Blatt für Bürger, was in der Toilette heruntergespült werden darf – und was nicht.
Was gut gemeint war, sorgte bei der Bürgerinitiative „Dorf statt Ferienanlage – Unser Rust soll lebenswert bleiben“ für großen Unmut. Der Grund: Im Internet kritisiert Gründer Gerhard Link die Übernutzung der vorhandenen Infrastruktur. Laut Initiative wird sie nicht wie die eines Dorfes, sondern wie die einer Kleinstadt genutzt. Auf Nachfrage unserer Redaktion betonte Link, dass die von der Gemeinde veröffentlichten Hinweise kein Ersatz für eine ausreichend dimensionierte Nachrüstung der Infrastruktur seien.
Fakt ist laut Vertretern der Gemeinde aber, dass die Verwaltung bereits seit 2017 einiges für ebenjene Infrastruktur tut. In ihrer Mitteilung wies die Gemeinde darauf hin, dass sich im Abwasser häufig Abfälle, Farb- und Medikamentenreste sowie weitere Verunreinigungen befinden, die eine Reinigung des Wassers stark erschweren und zu einer Verschmutzung des Grundwassers führen könnten. Dies ist laut BI zwar richtig. Der Hinweis sei jedoch kein Ersatz für eine ausreichend dimensionierte Abwasserinfrastruktur.
Rust investiert jedes Jahr 250 000 Euro in Kanäle
Im Gespräch mit unserer Redaktion ordneten Bürgermeister Kai-Achim Klare, Bauamtsleiterin Melanie Graß und Pressesprecher Mirco Masen die Kritik der Initiative ein. Das Thema sei für die Gemeinde Rust nichts Neues. Es sei klar, dass ein Balanceakt entstünde, wenn man auf der einen Seite einen großen Arbeitgeber in der Nähe habe, der viel Einfluss auf die Umwelt in der Region hat, und auf der anderen Seite versuche, die Interessen der Gemeindebewohner optimal zu vertreten. Es sei eine ernstzunehmende Aufgabe, einerseits wirtschaftliches Wachstum zu erzeugen und andererseits die Interessen der Bewohner zu wahren, so Bürgermeister Klare. Er betont im Gespräch, dass die Erschließung von Gebieten und deren Infrastruktur gesichert sein müsse. Die Gemeinde folge hier Vorschriften und Regelungen, die heute strenger seien als zur Parkentstehung 1975.
Konkret zur Situation in Rust sagt er, dass das System im Ursprung nicht dafür konzipiert wurde, einen Großabnehmer zu versorgen, aber in den vergangenen Jahren kontinuierlich Änderungen vorgenommen worden seien. Es gebe beispielsweise einen Generalentwässerungsplan, der derzeit noch der Zustimmung der Kommunen bedarf. Außerdem wäre da noch die Eigenkontrollverordnung. Diese Verordnung verpflichtet dazu, den Kanal regelmäßig zu untersuchen. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, müssen die Gebiete saniert werden. Darin investiert die Gemeinde laut Bauamtschefin Graß jedes Jahr rund 250 000 Euro für die Sanierung der Kanäle. Die Gemeinde habe sich in den vergangenen Jahren viel damit beschäftigt, wie es mit dem Park weitergehen soll, denn es entstünden Unmengen an Abwasser durch die Besucher, sagt Bürgermeister Klare.
Park bekam für rund 3,4 Millionen Euro ein Netz
Es gab hier zwei Möglichkeiten für die Gemeinde: Das Ortsnetz entsprechend auf zu dimensionieren und darüber weiterhin das Abwasser abzuleiten, oder die Versorgung des Freizeitparks und seiner Hotels abzukoppeln und eine eigene, komplett neue Abwasserleitung für den Europa-Park und dessen Infrastruktur zu bauen, in die die Besucher rechnerisch mit einbezogen sind.
Die Verwaltung hat sich für Letzteres entschieden und mehr als 3,4 Millionen Euro investiert, um den Europa-Park sowie alle Tagesgäste auf einem eigenständigen, separierten System laufen zu lassen. „Wir haben den Ort auf einen Schlag vom gesamten Europa-Park entlastet“, erklärt Bürgermeister Klare und betont, dass die im Bürgerblatt veröffentlichte Einordnung nichts mit einem etwaig überlasteten Netz zu tun habe, sondern einfach ein Hinweis an die Bürger gewesen sei, was ins Klo gehört – und was nicht. Demnach war der Grund für die Mitteilung laut Bauamtsleiterin Graß ein Vorfall, bei dem Speisefett und Essensreste unsachgemäß entsorgt worden waren, was zum Verstopfen des Kanals geführt habe. Das Gesundheitsamt teilte auf Nachfrage der Gemeinde mit, dass keine strukturellen Probleme bestünden.
Info – Ferienwohnungen sind weiterhin Thema
Ein weiteres Thema, das im Gespräch zwischen der Verwaltung und unserer Redaktion zur Sprache kam, waren Ferienwohnungen, die in der Gemeinde schon lange für Gesprächsstoff sorgt. Auch die BI kritisierte auf ihrer Website, dass deren wachsende Anzahl und die damit einhergehende Verdichtung für die Gemeinde problematisch sei, wenn weiterhin Bauprojekte mit hoher Wohneinheitendichte genehmigt werden. Rust hatte in den vergangenen zehn Jahren einen Einwohnerzuwachs von knapp 3700 auf 5000 Einwohner und bemühe sich kontinuierlich darum, Wohnraum für die Einwohner der Gemeinde zu schaffen. Beispielsweise werden gerade 110 kommunale Wohnungen konzeptioniert, die explizit den Einwohnern und nicht Übernachtungsgästen zugutekommen, so die Verwaltung. Innerorts würden zusätzlich sozialgebundene Wohnungen entstehen.