Mit 65 Jahren ist für Eugen Bosch am 30. April Schluss: Er schließt seinen Bäckerbetrieb in der Ringsheimer Hauptstraße. Nun ist klar, wie es weitergeht: Die Gemeinde kauft das Areal und geht auf Nachfolgersuche, um die Nahversorgung im Ort zu sichern.
Wie es mit der Bäckerei weitergeht „war das wichtigste Dorfgespräch“, erklärt Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber. Die Bäckerei „ist eine Institution. Einer der letzten traditionellen Handwerksbäcker“. „Es war ein Treffpunkt für Jung und Alt“, sagt Primin Bender von der Firma GFA Immobilien. Er hatte Bosch beim Verkauf des Gebäudes beraten und zwischen ihm und der Gemeinde vermittelt. Viele Gespräche habe er geführt, mit dieser Lösung seien nun alle Beteiligten zufrieden. „Ich freue mich, dass mein Geschäft nun in die verantwortungsvollen Hände der Gemeinde geht“, zitiert die Gemeinde Eugen Bosch in einer Pressemitteilung.
Weber: „Wollten die Hand darauf haben“
„Wir wollten die Hand darauf haben, was da passiert“, begründete Weber den Schritt der Gemeinde. Diese habe aus mehreren Gründen ein Interesse an dem Gelände. So sei die Bäckerei „ein ortsbildprägendes Gebäude“, besonders für alle, die von Rust kommend nach Ringsheim reinfahren. Vor allem aber will die Gemeinde die Nahversorgung in Ringsheim sicherstellen. Denn Bosch war der letzte Bäcker im Ort und auch nach dessen Rückzug soll es dort weiterhin Backwaren geben.
„Wir begeben uns auf unbekanntes, dünnes Eis und gehen auch ein Risiko ein“, leitet Weber in die Pläne ein, die die Gemeinde mit dem Gelände hat. So soll es im Erdgeschoss weiterhin einen Backwarenverkauf geben und auch einen Café-Bereich. Das Nachbargebäude, ein leerstehendes Einfamilienhaus, hat die Gemeinde ebenfalls erworben. Dieses will man abreißen, um Platz für Parkplätze zu schaffen. Zwischen acht und zwölf Parkplätze für Autos und Abstellgelegenheiten für Fahrräder sollen dort entstehen, stellt Weber vor.
Außengastronomie auf bisherigem Parkplatz
Bislang parken die Bäckerei-Kunden vor dem Eingang. Dieser kleine Platz gehöre bereits der Gemeinde und soll umfunktioniert werden. „Der jetzige Parkplatz soll zur Außengastronomie werden“, sagt Weber. Er würde sich freuen, dort in Zukunft Gäste unter Schirmen sitzen zu sehen.
Wie viel die Gemeinde für das Areal bezahlt hat, verrät Weber nicht. Der Bürgermeister betont jedoch, dass es eine Förderung aus dem Landessanierungsprogramm gibt. Möglich sei der Kauf auch durch den wiederanziehenden Tourismus und Einnahmen aus Gewerbe- und Übernachtungssteuer. Der – oft umstrittene – Tourismus zeige dabei seine positiven Seiten für Ringsheim. Der Kauf selbst sei „auch eine Investition für den Tourismus“, erläutert der Rathauschef. Doch die Sicherung der Nahversorgung helfe auch der Bürgerschaft.
Lose Gespräche wurden schon geführt
Für dieses Konzept hofft die Gemeinde nun auf einen Partner. „Wir haben schon lose Gespräche geführt“, sagt Bender. Für weitere Anfragen sei man jedoch offen. Auch die Gemeinde selbst will auf potenzielle Pächter zugehen. Weber wünscht sich einen nahtlosen Übergang, ist sich jedoch bewusst, dass das nur eine „Idealvorstellung“ ist. Nach den Sommerferien wolle man mit den Abriss des Nebengebäudes beginnen. Der neue Parkplatz soll Anfang 2024 fertig sein.
„Das wird toll für das Ortsbild, es wird gut aussehen“, ist sich Pirmin Bender sicher, der sich auch als Ringsheimer Bürger auf die Neugestaltung freut. Weber fügte fröhlich an, dass die Gemeinde nun Eigentümerin des Rezepts für die bekannte „Bosche-Beck-Brezel“ sei. Dieses werde man mit Freude weitergeben. Auch wenn sich die äußerliche Gestaltung und aller Voraussicht nach auch der Name ändert, „für die Ringsheimer wird es auch weiter der ,Bosche Bäcker’ sein“, so die Hoffnung des Bürgermeisters.
Sozialer Wohnraum
Mit dem Kauf erwirbt die Gemeinde auch vier Wohnungen in dem Gebäude. Bislang wohnte dort Eugen Bosch, er werde allerdings ausziehen. „Die Wohnungen brauchen wir für die Unterbringung von Flüchtlingen. Auch wenn wir unsere Quote mehr als erfüllen: Der Zuzug endet ja nicht“, so Weber. Langfristig sei geplant, die Wohnungen zu „sozial verträglichen Preisen“ zu vermieten.