Bundesweit wird um Franz Beckenbauer getrauert – auch in Schonach. Hier sorgte die Fußballlegende einst für Schlagzeilen. Vor nahezu 20 Jahren machte der „Kaiser“ auf seiner Werbetour für die große Fußball-WM 2006 im kleinen Schwarzwalddorf Station.
Wie es dazu kam, dass der zu den weltweit besten Fußballern gehörende Beckenbauer am 9. Februar 2004 in das eigentlich für die Austragung des Weltcups in der Nordischen Kombination im Rahmen des Schwarzwaldpokals bekannte Skidorf Schonach anreiste:
Dort feierte der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) sein Wintersportfest mit rund 200 Sportjournalisten. Wohl eine gute Gelegenheit für den Präsidenten des Organisationskomitees der Fußball-WM in Deutschland, gemeinsam mit Vizepräsident Wolfgang Niersbach den Sportjournalisten, Sponsoren und dem Schonacher Gemeinderat das Konzept der Fußball-WM unterhaltsam zu präsentieren.
Bis es am 9. Februar soweit war, herrschte schon ab 17 Uhr reges Treiben im Haus des Gastes. Aufgeregt warteten rund 30 kleine Fußballer der F- und E-Jugend des Schonacher Fußballclubs Teutonia 09 auf Beckenbauer, der in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den erfolgreichsten und populärsten Fußballspielern der Welt zählte und als Erfolgstrainer die deutsche Nationalmannschaft 1990 zur Weltmeisterschaft geführt hatte.
Um 17.30 Uhr war es so weit: Beckenbauer betrat die Empore, wurde sofort von Fernsehjournalisten umringt, kurz interviewt und schritt zur Treppe, wo der heimische Fußballnachwuchs für ihn Spalier stand. „Servus“ sagte der „Kaiser“ zu Nico Ketterer und Claudio Aliprandi, die ihm einen FC-Wimpel sowie einen guten Tropfen schenkten und ihn um ein Autogramm auf zwei Fußbälle baten. Das gab der charismatische Funktionär des Fußball-Sports auch gerne – ein Moment, den die damals noch sehr jungen Fußballer sicherlich nie vergessen werden.
Eine große Ehre
In bester Erinnerung ist die Begegnung mit dem „Kaiser“ auch Schonachs sportbegeistertem und in seiner Jugend selbst Fußball spielendem Bürgermeister Jörg Frey. „Es war auch für mich ein ganz besonderer, emotionaler und unvergesslicher Moment, ein Highlight in meiner fast 29-jährigen Bürgermeister-Laufbahn, als ich ihn vor dem Besuch im Haus des Gastes persönlich beim Kaffeetrinken am warmen Ofen im Hotel Rebstock sitzend kennenlernen durfte“, schwärmt Frey heute noch im Gespräch mit unserer Redaktion.
Bei der offiziellen Begrüßung hatte Frey betont, dass die Anwesenheit Beckenbauers dem Wintersportfest des VDS eine besondere Note verleihe und für die Gemeinde Schonach eine große Ehre sei.
Unter dem Blitzlichtgewitter der Fotografen trugen sich Beckenbauer und Niersbach anschließend ins Goldene Buch der Gemeinde Schonach ein. Dabei sagte Beckenbauer schmunzelnd, dass er ohne seinen ortskundigen Fahrer den Weg nach Schonach im tiefen Schwarzwald sicherlich nicht gefunden hätte. Von Kitzbühel aus war Beckenbauer mit seinem Privatjet nach Lahr geflogen. Dort hatte der Schonacher Klaus Ketterer den Bayer passend mit einer bayerischen Nobelkarosse abgeholt und nach Schonach chauffiert. Als Dankeschön für sein Kommen in die „Fasnethochburg“ Schonach schenkte VDS-Vizepräsident Hans-Reinhard Scheu Beckenbauer zum Abschied eine kleine Geißenmeckerermaske, die er erfreut betrachtete, bevor er mit Frey noch ein frisch gezapftes Bier trank, kurz nach 19.30 Uhr wieder ins Auto stieg und gen Lahr fuhr, wo sein Flieger auf ihn wartete.