Knapp zwei Jahre lang waren im Wiesengrund Flüchtlinge zu Hause. Ab 2026 muss sich Seelbach wieder selbst um die Unterbringung kümmern. Das wird nicht einfach.
Gähnende Leere erstreckt sich über den Parkplatz am Wiesengrund. Noch vor wenigen Wochen stand hier eine Containeranlage aus 25 Einheiten, die Platz für 36 und im Extremfall sogar bis zu 50 Flüchtlinge bot. Im Jahr 2023 hatte das Landratsamt aufgrund der in die Höhe schnellenden Flüchtlingszahlen die Ortenauer Kommunen um Hilfe gebeten. Seelbach erklärte sich bereit, stellte den Platz für die provisorische Unterkunft zur Verfügung. Das Unterfangen war bis Dezember 2025 angelegt, entsprechend hat das Landratsamt die Container vor zwei Wochen abbauen lassen. Sehr zum Bedauern der Gemeinde.
„Sowohl verwaltungsintern als auch gemeinsam mit dem Gemeinderat haben wir uns grundsätzlich dafür eingesetzt, die Anlage möglichst über den Jahreswechsel hinaus weiter zu nutzen“, erklärt Bürgermeister Michael Moser auf Nachfrage unserer Redaktion. Und zwar aus mehrfacher Überzeugung: Zum einen habe es in der Anlage in zwei Jahren „kaum nennenswerte Vorfälle“ gegeben und sie sei „in der Bevölkerung breit akzeptiert“ gewesen, zum anderen wäre es auch aus finanzieller Sicht die beste Lösung für Seelbach gewesen – „angesichts des hohen Kostendrucks, unter dem Städte und Gemeinden stehen“, so Moser.
Gemeinde muss nun 26 Asylsuchende aufnehmen
Die Unterbringung von Flüchtlingen ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Ihnen wird vom Kreis jährlich eine Zahl an Flüchtlingen zugewiesen, die sie aufzunehmen haben. Für die Zeit der Containeranlage, deren Kosten das Landratsamt trug, wurden Seelbach 50 Plätze zugerechnet. Die Gemeinde musste also keine weiteren Flüchtlinge eigenständig aufnehmen.
Das ändert sich nun. Wie Hauptamtsleiterin Amelie Rosewich auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt, werden der Gemeinde für 2026 26 Asylsuchende zugewiesen. Da bereits eine fünfköpfige Familie aus der Containerwohnanlage des Landkreises in eine gemeindeeigene Wohnung umgezogen sei, reduziere sich die verbleibende Aufnahmeverpflichtung auf 21 Asylsuchende.
Gibt es für sie genügend Wohnraum? Hier bleibt die Antwort aus dem Rathaus vage. Die Unterbringung der Flüchtlinge stelle für die Gemeinde „eine erhebliche Herausforderung dar“, heißt es lediglich. Man sei jedoch zuversichtlich, so Rosewich, dass die Aufnahme gewährleistet werden könne – denn man habe im Bereich der Wohnraumgewinnung „gute und vorausschauende Arbeit“ geleistet. Einem Bericht aus der Gemeinderatssitzung Ende Juni zufolge, gibt es noch freien Wohnraum in der Theodor-Simon-Straße (zwei Wohnungen) und in der Unterdorfstraße in Wittelbach (zwei Wohnungen).
Nichtsdestotrotz habe man, so Moser, schon im April beim Besuch des Landrats in Seelbach versucht, ihn zu überzeugen, die Containeranlage auch über den Jahreswechsel hinaus zu betreiben. „Das Landratsamt hat sich für die Bereitschaft bedankt, ein Weiterbetrieb war letztendlich jedoch nicht möglich“, informiert der Bürgermeister.
Landratsamt sucht eine wirtschaftlichere Lösung
Doch warum? „Containeranlagen sind zwar eine schnelle Lösung in akuten Situationen, aber sie sind teuer und auf Dauer nicht tragfähig“, hatte Migrationsdezernentin Alexandra Roth bereits im Juni erklärt. Nun bekräftigt das Landratsamt diese Position: „Vor dem Hintergrund aktuell niedriger Zugangszahlen richtet der Ortenaukreis seine Unterbringungsstruktur strategisch und wirtschaftlich auf die künftigen Anforderungen aus und trennt sich daher von nahezu allen Containeranlagen, die für die vorläufige Unterbringung eingesetzt sind.“
Für die in Seelbach wohnenden Flüchtlinge bedeutet dies, dass sie in Anschlussunterbringungen im Kreis umziehen mussten. Soziale Aspekte wie Schul- und Kita-Anbindung sowie der Arbeitsplatz seien dabei aber berücksichtigt worden, betont das Migrationsamt.
Positives Fazit
Das Fazit der Gemeinde Seelbach zur Containeranlage fällt nach zwei Jahren sehr positiv aus: „Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt gestaltete sich durchweg reibungslos. Darüber hinaus ist die Gemeinde froh, mit der Wohnanlage im Wiesengrund einen wichtigen Beitrag zur Unterbringung von Flüchtlingen leisten zu können“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion aus dem Seelbacher Rathaus. Das Landratsamt schließt sich an: „Der Betrieb der Anlage verlief insgesamt reibungslos; in den vergangenen Monaten kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.“