Seit 1. Februar sollen Bürger alle Termine in Ämtern über die Internetseite vereinbaren. Wie das klappt und was das etwa für Senioren bedeutet.
In unter zehn Klicks geht’s zum Termin im Althengstetter Rathaus: Seit dem 1. Februar sollen Termine in der Verwaltung – im Bürgerbüro, Bauamt, der Kämmerei/Gemeindekasse und den Ortsverwaltungen Neuhengstett und Ottenbronn – via Internet gebucht werden. „Ab 01.02. nur noch mit Online-Terminbuchung“ ist auf www.althengstett.de zu lesen. Aber warum? Und wie läuft’s?
Als Antwort auf die erste Frage verweist Hauptamtsleiterin Gudrun Stahlhut auf die Vorlage zur Gemeinderatssitzung Mitte Dezember. Damals hatte sich das Gremium mit der neuen Internetseite der Kommune befasst. Teil der frischen Internetpräsenz ist das digitale Terminbuchungstool. „Dieses Tool ermöglicht die einfache Buchung von Terminen sowohl online, als auch telefonisch“, heißt es dazu in der Vorlage. Wobei von einer Telefonbuchung auf der Internetseite der Gemeinde keine Rede mehr ist.
Absagen sind möglich – auch für die Verwaltung
Ziel sei es, die „Effizienz und Bürgerfreundlichkeit“ zu erhöhen. So lassen sich etwa beim Anfertigen von Passfotos im Bürgeramt, um einen neuen Ausweis zu beantragen, Wartezeiten vermeiden, heißt es in der Vorlage weiter.
Gudrun Stahlhut fügt noch hinzu, dass die Online-Terminbuchung insbesondere für Berufstätige hilfreich ist, „weil sie dann planen können!“ Zumal nicht nur Nutzer ihre Termine stornieren können, sondern auch die Verwaltung, wenn etwa der gebuchte Mitarbeiter erkrankt ist. „Zu guter Letzt dient das Terminbuchungstool dann auch für uns als Dokumentation der Besucherfrequenz in den einzelnen Ämtern.“
Von 2. bis 31. Januar lief in Althengstett eine Testphase. Die Hälfte aller Terminbuchungen fanden in dieser Zeit, so berichtet die Hauptamtsleiterin kurz vor Abschluss der Phase, bereits online statt. „Das Terminbuchungstool lässt sich von allen, auch mobilen Endgeräten, nutzen und ist einfach in der Bedienung“, meint Stahlhut und rät zum Selbstversuch.
Der ergibt: Neun Klicks sind nötig, um etwa im Bürgerbüro einen neuen Pass zu beantragen, genauso viele, um in der Kämmerei/Gemeindekasse seinen Hund anzumelden, und acht reichen, um im Bauamt Einsicht ins Baulastenverzeichnis zu nehmen. Die Althengstetter Online-Terminbuchung ist tatsächlich selbst erklärend und benutzerfreundlich. Nur: Um sie zu nutzen, sind ein Gerät wie Smartphone, Tablet oder Computer und eine Internetverbindung nötig.
Schließt das nicht einen großen Teil der Bürger, vor allem Senioren, aus? Unsere Anfrage an den Althengstetter Seniorenrat zum Thema blieb unbeantwortet. Eberhard Fiedler, der Vorsitzende des Kreisseniorenrats, indes sagt offen: Termine nur noch online zu vereinbaren, das werde der Gesellschaft mit einem großen Anteil über 60-Jähriger nicht gerecht. Zwar gebe es auch „sehr viele Senioren, die perfekt mit dem Computer oder dem Smartphone umgehen können“, aber viele wollen oder können es eben nicht.
Für Senioren gibt es Ausnahmen
„Das mag in zehn oder 15 Jahren anders sein.“ So lange müsse es noch einen Zeitkorridor geben, indem Menschen mindestens telefonisch Termine vereinbaren könnten. „Wie bei so vielen Fällen, grenzt man eine Gesellschaftsschicht aus, in dem Fall alle, die online oder digital nicht können. Übrigens, das sind nicht immer nur die Alten.“
Das ahnt offenbar auch die Althengstetter Verwaltung. Denn auf die Frage, ob die Online-Terminbuchung für Senioren nicht eine sehr große Hürde sei, antwortet Gudrun Stahlhut: „Ältere Mitbürger können uns anrufen und einen Termin zum Beispiel von den Kolleginnen des Bürgeramtes einbuchen lassen.“