Offene Künstlerateliers, inspirierende Gespräche, interessiertes Publikum – Kunstschaffende begeisterten die Besucher beim ersten Kanderner Kunsttag.
Die beteiligten Künstler öffneten ihre Ateliers, gaben Einblick in ihr Schaffen und stellten ihre Werke vor, offerierten liebevoll angerichtete Häppchen und Getränke. Die insgesamt neun „Artist Locations“ konnten mit Hilfe eines Lageplans der Reihe nach erkundet werden. Rund 7000 Schritte waren nötig, um den Kunst-Parcours in seiner Länge zu begehen.
„Kandern ist eine Kunststadt, war es schon immer gewesen“, betonte Bürgermeisterin Simone Penner zur Eröffnung. Kunst dürfe man nicht nur in Archiven vergraben, „wir müssen sie zeigen und Menschen neugierig machen“, sagte die Bürgermeisterin. Weiter meinte sie, „dass Kunst von allen gemeinsam gelebt werden muss, das schaffen wir in Kandern durch ihr Engagement“, und verband damit die Zusage, künftige Events zu unterstützen.
Von Fotos bis zu Skulpturen
Was den Kanderner Kunsttag einzigartig machte, war das gemeinschaftliche Miteinander der Akteure. All diejenigen, die über keinen eigenen Werkraum verfügen, fanden Ausstellungsmöglichkeiten in den etablierten Ateliers und öffentlichen Räumen. Im Keramikstudio Hatu von Michael Hayes und Shanon Turner, die Besuchern Einblicke in Glasuren und Brenntechniken gaben, stellten Steve Luxembourg analoge Schwarz-Weiß-Fotografien und Rabea Pie Arbeiten aus recycelter Papierpulpe aus, die an prähistorische Malereien erinnern.
In der Alten Ziegelei, Werk und Arbeitsraum von Insa Hoffmann gesellten sich die Lehmskulpturen von Johannes Beyerle zu ihren abstrakten Landschaftsbildern. Mit leuchtenden Farben präsentierten sich die Mixed Media-Werke von Jutta Schneider im Atelier nebenan, die ihre Inspiration aus dem Licht der Provence gewinnt.
Auch das war ein Höhepunkt des Kanderner Kunsttags: Eintauchen in das Ambiente der Künstlerateliers, Einblicke erhalten, hinter die Kulissen schauen oder, auch das war möglich, einige Minuten der Stille genießen – wie etwa im Garten des Atelier Mäge-Duo, das den Gästen neben Getränken und Snacks auch frisches Popcorn anbot.
„Eigentlich wollte ich auch eine Runde durch die Ateliers machen, ich komme gar nicht dazu“, erzählte Karin Mäge, die gemeinsam mit ihrem Mann Ben das Atelier Mäge-Duo betreibt.
Im Kino stellte Dominik Paul seine Aquarellmalereien aus, auch Töchterchen Vivienne zeigte einige ihrer Werke. Im Kino lief eine Präsentation der beteiligten Künstler. Die farbenfrohen und viel Ruhe ausstrahlenden Werke von Sigrid Schröter fanden in der neu gestalteten Stadtbibliothek einen wunderbaren Ausstellungsrahmen.
Viele Besucher im Museum
Quirlig ging es vor und im Atelier von Melanie Mittmann zu – was nicht nur dem Wurstgrillstand der Freien Wähler nebenan lag. Ihr Atelier Kunstgenuss präsentierte auf kleinem Raum große Kunst: Strukturen, mit Pigmenten und Fresko, abstrakt und organisch. Und als eine junge Besucherin wissen wollte, wie all das entsteht, durfte sie unter Anleitung der Künstlerin selbst mischen und kreieren.
Im Raum nebenan waren die Werke von Paul Bernard mit Collagen aus Alu-Weinkapseln, zu sehen. Jasmin Hartmann vom Heimat- und Keramikmuseum freute sich über das große Interesse an der Ausstellung „Erinnerungsscherbe“.
Als weitere Entdeckung erwies sich das Atelier HolzArt von Armin Brand. Er zeigte Ikonen, die er auf 4400 Jahre altem Eichenholz gestaltete, das auf dem Anwesen seiner Großmutter in einer Baugrube gefunden wurde. Das Alter sei wissenschaftlich nachgewiesen worden, erklärte Brand.
Eindrücklich war seine Skulptur „Das Leben“, in der er seine bisherigen Lebensabschnitte farblich verarbeitet hat. Erstmals dabei war sein Sohn Carsten Brand, der bewegte Kunst auf Beton aufbringt.
Keramiken, gleichsam ausdrucksstark wie filigran, zeigt das exzellente Handwerk, das die Handschrift von Seomracré, von Corinna Smyth, trägt, während ihr Lebensgefährte Frederick Bollhorst sich der Fotografie verschrieben hat.
Wiederholung geplant
Dass es den Initiatorinnen, allen voran Melanie Mittmann, Shanon Turner und Insa Hoffmann geglückt ist, ein solches Event zu organisieren, dass Kandern über eine so reichhaltige Kunstlandschaft, über viele engagierte Menschen verfügt, darf als großer Glücksfall gewürdigt werden.
Bereits jetzt steht fest, dass die Veranstaltung auch im nächsten Jahr stattfinden soll. „Ein Stein ist ins Rollen gekommen“, resümierte Hoffmann über den überragenden Erfolg des ersten Kanderner Kunsttags.