Dem Zoll ist am Stuttgarter Flughafen unter Umständen ein großer Fisch ins Netz gegangen. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Germania Union/Türkischer SV Pforzheim hat schon für viele Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt waren es eher negative. Nun steht der Verein unter Geldwäsche-Verdacht.

Man wird ja wohl noch 215 000 Euro dabei haben dürfen – fast schon so liest sich die Stellungnahme von Germania Union/Türkischer SV Pforzheim, die der Verein am Wochenende veröffentlicht hat. Anfang Februar machten sich seine Spieler auf den Weg ins Trainingslager in der Türkei und wurden bei der Ausreise am Stuttgarter Flughafen vom Zoll kontrolliert. Ergebnis: Die 29 Spieler hatten auffallend viel Bargeld dabei, jeweils zwischen 4000 und 9900 Euro pro Person, also stets unter der deklarationspflichtigen Schwelle von 10 000 Euro. Insgesamt fanden die Beamten 215 000 Euro – ein bisschen zu viel Bargeld für ein Trainingslager eines Verbandsligisten. Die Staatsanwaltschaft prüft daher nun, ob es sich um Geldwäsche handeln könnte.

 

In der Stellungnahme von Germania Union/Türkischer SV Pforzheim heißt es nun: „Unser Verein handelt in allen Bereichen stets im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen und legt großen Wert auf die Einhaltung aller rechtlichen Vorgaben.“

Gab es einen Tipp?

Auch auf das Gerücht, der Zoll am Stuttgarter Flughafen habe einen Tipp bekommen und die Spieler deshalb bei der Ausreise kontrolliert, geht der Verein ein. „Bei dem genannten Vorfall handelt es sich um eine routinemäßige Kontrolle durch die zuständigen Behören, mit denen wir uneingeschränkt kooperieren“, schreibt Germania Union/Türkischer SV Pforzheim in der Erklärung und teilt mit: „Aus Respekt gegenüber den laufenden Ermittlungen können wir derzeit keine weiteren Details kommentieren. Wir möchten jedoch ausdrücklich betonen, dass weder unser Verein noch unsere Spieler an illegalen Aktivitäten beteiligt sind.“ Man sei zuversichtlich, dass sich „der Sachverhalt zeitnah aufklären“ lasse.

Drei Aufstiege in acht Jahren

Der rasante sportliche Aufstieg von Germania Union/Türkischer SV Pforzheim in den vergangenen Jahren wurde auch immer mit einer gewissen Skepsis betrachtet. 2016 spielte er noch in der Kreisklasse A, seit 2024 in der Verbandsliga – drei Aufstiege innerhalb von nur acht Jahren. Und auch in der Verbandsliga spielen die „GU-Türken“ vorne mit. Vergangene Saison wurden sie Vierter, aktuell stehen sie ebenfalls auf dem vierten Tabellenplatz. Zudem zog man in der Vorsaison in das badische Pokalfinale gegen den SV Sandhausen ein und war damit nur noch einen Sieg vom DFB-Pokal entfernt.

Neben dem auffallend rasanten sportlichen Erfolg sorgte Germania Union/Türkischer SV Pforzheim aber auch anderweitig für Schlagzeilen. Jüngster Leidtragender war der VfL Nagold, der vor ein paar Tagen Testspiel-Gegner war. Trotz 1:0-Führung verließen die Pforzheimer Spieler nach rund einer Stunde Spielzeit aus Protest den Platz, weil sie mit den Schiedsrichterentscheidungen nicht zufrieden waren. Das Testspiel wurde daraufhin abgebrochen.

2010 kam es zur Fusion

Entstanden ist der Verein mit dem eigenwilligen Namen mitten in der großen Fusionswelle des Pforzheimer Fußballs. 2010 schlossen sich der 1. FC Pforzheim und der VfR Pforzheim zum 1. CfR Pforzheim zusammen, ein Jahr später der 1. FC Eutingen und Germania Brötzingen zu den Kickers Pforzheim. Und auch Germania Union Pforzheim ging 2010 mit dem Türkischen SV Pforzheim die Ehe ein.

Genau wie der 1. FC Pforzheim wurde Germania Pforzheim 1896 gegründet und war damit der zweitälteste Fußballverein der Goldstadt. 1912 kam es zur Fusion mit Union Pforzheim. 1974 stieg Germania Union in die damals drittklassige 1. Amateurliga Nordbaden auf, die den Unterbau der im gleichen Jahr neu geschaffenen 2. Bundesliga bildete. Der Türkische SV Pforzheim wurde 1969 von türkischen Gastarbeitern gegründet. Die Heimspiele des 2010 entstandenen Vereins werden auf dem Sportplatz von Germania Union im Brötzinger Tal ausgetragen – nur wenige Schritte vom Stadion des 1. CfR Pforzheim entfernt.