Die Anrufer sorgen dafür, dass sich die Betrogenen nicht mehr im "Normalzustand" befinden. Foto: Symbolbild motortion_AdobeStock.com

Jüngst hat ein falscher Ordnungshüter bei einem älteren Ehepaar in Sulgen Münzen und Schmuck für mehrere tausend Euro erbeutet. Was bringt Menschen dazu, immer wieder auf solche Betrüger reinzufallen? Dieter Popp von der Polizeidirektion in Rottweil kennt einige der Gründe.

Schramberg - Beinahe täglich, so der Beamte, würden sich Betroffene melden, bei denen versucht worden sei, sie in irgendeiner Weise zu betrügen: Egal ob es um Enkeltricks, Schockanrufe oder falsche Kriminalbeamte geht. Auch wenn es nicht immer klappt, gelinge es den Betrügern dennoch immer wieder, vor allem ältere Menschen um ihr Erspartes zu bringen. Dabei kämen den Anrufern meist zwei bis drei Faktoren zu Gute, erläutert Popp.

Oft handle es sich bei denjenigen, bei denen die Straftaten zu einem Erfolg führten, um Menschen, die wenig im Internet unterwegs seien, kaum eine Zeitung lesen würden und, wenn überhaupt, hauptsächlich fernsehen würden. Das bedeute aber nicht, dass nicht alle Bevölkerungs- und Bildungschichten betroffen seien – es komme auch vor, dass ein Dr. Dr. oder andere "sehr intelligente" Menschen den Betrügern auf den Leim gingen.

Psychologisch geschult

In erster Linie, so der (echte) Beamte, würden die Anrufer, die psychologisch geschult seien, ihre Gesprächspartner in einen Zustand versetzen, in dem sie aufgeregt und aufgewühlt seien – und dabei werde ihnen oft keine Zeit zum Nachdenken gelassen. Hinzu komme, dass es eben oft bei älteren Menschen klappe, die möglicherweise auch wenig Kontakt zu Angehörigen hätten – falls es solche überhaupt (noch) gebe. Aber auch dies müsse nicht sein – aufgrund der besonderen Situation bleibe vermeintlich gar keine Zeit, sich irgendwo rückzuversichern.

Druck aufgebaut

Aufgrund von Aussagen wie in Sulgen, dass bei einem Einbruch in der Nachbarschaft ein Zettel mit den Namen der Angerufenen gefunden worden sei – und dem Hinweis, dass die vermeintlichen Einbrecher möglicherweise erneut schnell zuschlagen könnten, werde dies verstärkt. Es werde quasi Druck aufgebaut, um den Gesprächspartner "aus dem Normalzustand" zu holen, so Popp. Somit werde ein psychischer Zustand aufgebaut, der letztlich dazu führe, dass – wie in diesem Fall – Gold und Schmuck an eine völlig unbekannte Person, die dann nicht einmal deutsch sprechen müsse, auszuhändigen.

Nicht nur in Deutschland

Die Polizei nicht nur in Deutschland stelle trotz zahlreicher Kampagnen und Informationen in allen Medien leider immer wieder fest, dass sich die betroffenen Opfer immer wieder unter Druck setzen ließen von den Tätern, die, um zu ihrem Ziel zu kommen, "immens viel" investieren würden. Und so würden "im Moment des Anrufs" eben oft die bekannten Warnungen "vergessen". Schon allein, dass (vermeintlich) die Polizei anrufe, reiche eben manchmal aus. Das erlebe man selbst vielleicht auch schon dann, wenn man als Bürger in eine (echte) Polizeikontrolle gerate.

Nicht im "Normalzustand"

Viele Betroffene fragten sich nachher, wie solch ein Betrug bei ihnen "überhaupt habe passieren können", berichtet Popp. Denn im "Normalzustand" hätten sie dies nie gemacht, weiß der Beamte. Einen Fakt sieht Popp darin, dass sich die falschen Anrufer, die hochorganisiert seien und meist aus dem Ausland agierten, nicht nur als Beamte ausgeben würden, sondern auch die angezeigte Telefonnummer manipulieren würden. Diese ende dann teilweise mit der Notrufnummer der Polizei, der 110, oder zeige nur diese an. Dabei, so versichert der Beamte, rufe die Polizei selbst nie selbst unter dieser Nummer an. In Schramberg lautet die eigentliche Telefonnummer des Reviers 07422/27 01-0, diese würde bei einem echten Anruf eventuell mit einer Durchwahl wie der -222 angezeigt.