Das Bundeswirtschaftsministerium bezuschusst ein neues Projekt der Offenburger Spieleschmiede „Black Forest Games“ mit einer Millionensumme. Das Studio ist damit eines der letzten, das auf absehbare Zeit vom Computerspiele-Fördertopf profitiert.
Der laut eigener Angaben größte Videospielentwickler der Region hat Grund zu Feiern: „Black Forest Games“ erhält als Teil der Computerspieleförderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Kultur (BMWK) einen Zuschuss für ein noch nicht offiziell angekündigtes Videospiel, das laut dem Nachrichtenportal Gameswirtschaft voraussichtlich im Mai 2025 auf den Markt kommen soll. Insgesamt erhält das Spiel, das momentan nur unter dem vorübergehenden Arbeitstitel „Super Shotgun“ bekannt ist, eine Förderung von rund 3,2 Millionen Euro. „Wir freuen uns sehr über das von der Bundesregierung in uns gesetzte Vertrauen und die Förderungszusage von 25 Prozent durch das BMWK,“ erklärt Geschäftsführer Adrian Goersch gegenüber unserer Redaktion.
Im vergangenen Jahr berichtete er, dass „Black Forest Games“ bereits für ihr 2022 veröffentlichtes Spiel „Destroy all Humans! 2 – Reprobed“ einen Zuschuss durch die bundesdeutsche Games-Förderung in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro erhalten habe: Eine Summe, die damals ebenfalls 25 Prozent der reinen Entwicklungskosten abgedeckt hatte.
Das Entwicklerstudio hat derzeit 110 Mitarbeiter
Der Geschäftsführer des Studios, das mit seinen 110 Mitarbeitern inzwischen eines der 15 größten Unternehmen in der deutschen Videospielbranche ist, geht auch auf die Auswirkungen der Förderzusage ein: „Black Forest Games erlaubt dies umfangreiche Investitionen in Projekte, Arbeitsplätze aufzubauen und die regionale Wirtschaft zu stützen. Sei es durch Aufträge an lokale Unternehmen und Dienstleister, Zusammenarbeit mit regionalen Hochschulen oder Sponsoring von Vereinen.“
Laut der Webseite des von Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) geführten BMWK, stagnieren die Marktanteile deutscher Unternehmen in der Videospielbranche – trotz steigender Gesamtumsätze – seit einigen Jahren auf niedrigem Niveau. Auch bleibe die Zahl der Beschäftigten hinter dem Potenzial zurück. „Hauptgrund sind die im internationalen Vergleich hohen Produktionskosten für Computerspiele in Deutschland,“ so das Ministerium. Um dem etwas entgegenzusetzen, gebe es seit 2019 die Computerspieleförderung.
Auf diese Thematik scheint auch Goersch mit einem Verweis auf Frankreich einzugehen: „Dort wird seit vielen Jahren die Entwicklung von Videospielen mit 30 Prozent gefördert. Durch die Games-Förderung des Bundes haben wir auch in Deutschland wettbewerbsfähige Bedingungen.“
Doch der Fördertopf, der jährlich 70 Millionen Euro beträgt, ist bereits erschöpft: Laut dem BMWK sind in diesem und letztem Jahr in großem Umfang Gelder beantragt und ausgezahlt worden: „Dies hat dazu geführt, dass die Fördermittel aktuell erschöpft sind. Daher können bis auf Weiteres keine neuen Anträge gestellt werden.“ Es sei momentan nicht bestimmbar, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt das Programm in diesem Jahre wieder geöffnet werden könne, heißt es weiter. „Black Forest Games“ erhält seinen Zuschuss, weil dieser bereits vor dem Antragsstopp bewilligt wurde.
Branchenverband kritisiert Förderstopp und Kürzung
„Game“, der Verband der deutschen Videospiel-Branche, warnt davor, dass Deutschland wegen des Förderstopps drohe, als Standort für Videospielentwicklung dauerhaft Schaden zu nehmen. Der Verband kritisiert in einer Mitteilung, dass das Budget des Bundesministeriums für die Computerspiele-Förderung auf lediglich 48,7 Millionen Euro abgesenkt werden solle: Damit stünde die Förderung über anderthalb Jahre nicht zur Verfügung. „Deutschland fällt auf international nicht konkurrenzfähige Rahmenbedingungen zurück, mit Kostennachteilen von mehr als 30 Prozent im Vergleich zu international erfolgreichen Standorten,“ so der Verband, der 125 Millionen an Förderung im Jahr fordert.
Info: Die Firmengeschichte
„Black Forest Games“ ging 2012 aus dem insolventen Offenburger Entwicklerstudio „Spellbound Entertainment“ hervor. Anfangs finanzierten sie noch kleinere Projekte per Crowd-funding, bevor sie 2017 vom Publisher „THQ Nordic“ übernommen wurden. Zuletzt veröffentlichte das Studio die Action-Spiele „Destroy All Humans!“ (2020) und „Destroy All Humans! 2 – Reprobed“ (2022).