Fed-Chef Jay Powell und Donald Trump – angespanntes Verhältnis. Foto: dpa/Alex Brandon

Der künftige US-Präsident braucht Sündenböcke. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Notenbank wieder seinen Zorn auf sich zieht, schreibt unser Finanzkorrespondent.

Donald Trumps nächste Attacken auf die US-Notenbank Fed und deren Chef Jerome Powell dürften nicht lange auf sich warten lassen. Die Diskussion, ob und inwieweit der künftige US-Präsident die Unabhängigkeit der Fed bedroht, ist zuletzt zwar etwas abgeebbt. Doch wenn Trumps Protektionismus nicht aufgeht – und davon ist auszugehen – dürfte er rasch einen Sündenbock suchen.

 

Beim Thema Inflation reagieren die Amerikaner sensibel

Trump hat ein Problem: Der Inflationsschock in den USA hat ihm zur Rückkehr ins Weiße Haus verholfen, doch seine eigenen Wirtschaftspläne könnten für einen kräftigen neuen Teuerungsschub sorgen. Es wirkt oft, als ob Trumps Popularität in den USA durch nichts erschüttert werden kann, doch beim Thema Inflation sind die Amerikaner ausgesprochen allergisch – beim lieben Geld ist für viele rasch eine Schmerzgrenze erreicht.

Trumps „America first“-Agenda dürfte im Realitätscheck durchfallen: Eine Zollspirale durch eskalierende Handelskonflikte würden Unternehmen auf Kunden abwälzen, höhere Preise wären die Folge. Abschiebungen im großen Stil würden das enge Angebot an Arbeitskräften in den USA weiter verknappen und die Arbeitskosten erhöhen. Auch Trumps geplante Steuersenkungen sind inflationstreibend, da sie mehr Geld freimachen, das für Verbraucherausgaben zur Verfügung steht oder als Anlagekapital Vermögenspreise am Finanzmarkt hochtreibt.

US-Wirtschaft wächst ohnehin schon kräftig

Hinzu kommt, dass die US-Wirtschaft ohnehin schon brummt – auch wenn Trump sie im Wahlkampf stets als Trümmerhaufen dargestellt hat. Die Investitionen und Kapitalzuflüsse, die Trump von internationalen Unternehmen und Investoren fordert, lassen zudem den US-Dollar weiter aufwerten – das steht seinem Ziel, die eigene Exportwirtschaft zu stärken, diametral entgegen.

Es bleibt abzuwarten, wie viel von seiner Agenda Trump wirklich umsetzen kann und will. Aber sollte er seine Ankündigungen und Drohungen auch nur ansatzweise wahr machen, wird die Fed gegensteuern müssen. Dann wird Notenbankchef Powell schnell wieder ins Fadenkreuz von Trump geraten.