Die US-Notenbank Fed bewegt sich in Tippelschritten auf eine Zinswende zu. Das gibt Anlass zur Hoffnung – auch für Europa, meint Wirtschaftsredakteurin Barbara Schäder.
Frankfurt - Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) tastet sich ganz langsam vor zu einem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik. Anders als noch im März erwartet eine Mehrheit der Notenbanker eine erste Erhöhung der Leitzinsen jetzt 2023. Was noch wichtiger ist: Wenn sich die wirtschaftliche Erholung in den USA fortsetzt, soll nach Angaben von Fed-Chef Jerome Powell über eine Verringerung der Wertpapierkäufe gesprochen werden, mit denen die US-Notenbank derzeit monatlich 120 Milliarden Dollar in den Markt pumpt.
Auswirkungen aufs Zinsniveau
Bei einer Verminderung dieser Käufe würden die Zinsen auf US-Staatsanleihen steigen, was einen gewissen Sogeffekt auch auf Bundesanleihen und andere staatliche Schuldtitel in Europa hätte. An den Null- und Minuszinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten würde das zwar nichts ändern, wohl aber an der Verzinsung langfristiger Sparprodukte.
Zudem wird eine Straffung der Geldpolitik in den USA den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhen, ihrerseits die Zügel anzuziehen. Noch macht sie dazu zwar keine Anstalten – was angesichts der bleibenden Pandemierisiken und der im Vergleich zu den USA verzögerten Konjunkturerholung auch richtig ist. Doch trotz der geringeren Dynamik in Europa ist die Ausgangslage vergleichbar: Die Coronapandemie wütete auf beiden Seiten des Atlantiks, und mit der zunehmenden Rückkehr des öffentlichen Lebens sind auch hier die Aussichten für einen kräftigen Aufschwung gut. Anders als nach der Finanzkrise, auf die in Europa das Schuldendrama folgte, zeichnet sich derzeit kein Grund für einen Sonderweg der EZB ab.
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