Simone Puttins gibt ihr Wissen in Sachen Finanzen als „Geldlehrerin“ in ihrer Freizeit an Schüler weiter. Foto: Schneider

Simone Puttins aus Vöhringen ist Geldlehrerin. Von Beruf Vermögensberaterin, steht sie regelmäßig in der Schule, um alles rund um Sparen oder Zinstilgung zu erklären.

Eigentlich ist Simone Puttins eine Finanzexpertin. „Ich bin Privat- und Firmenkundenberaterin und beschäftige mich seit 18 Jahren mit Immobilien, Geldanlagen, Investment oder der Altersvorsorge“, erklärt sie.

 

Doch seit kurzem ist die Vöhringerin auch Geldlehrerin – und fährt dafür jede Woche an die Kolping-Schulen Sindelfingen, um dort die AG Finanzen zu leiten. „Der Kontakt kam über eine Freundin, die dort stellvertretende Schulleiterin ist, zustande“, verrät sie.

Wissen weitergeben

„Diese Woche ging es um das Business-Modell Canvas“, erklärt sie. Auslöser war die Überlegung einiger Schüler, sich später einmal selbstständig zu machen. „Wie ist der Wettbewerb in der Branche, wie mein Marketing“, nennt Puttins zentrale Fragen. Aber auch der Kontakt zu Kunden und mögliche Partner spielten eine wichtige Rolle.

„Ich finde es toll, das Wissen aus meinem Beruf ehrenamtlich weiterzugeben“, sagt sie. Die Ausbildung zum Geldlehrer habe sie im Oktober 2025 gemacht, aktuell verfügt sie über Materialien zu 22 Unterrichtsstunden – und hat damit ein Alleinstellungsmerkmal. So sei sie die einzige Geld-Lehrkraft in einem Kreis, der südlich von Stuttgart bis ins Allgäu sowie die Schweizer und französische Grenzen reicht.

Eigenkapital und Zinsen

„Ich wurde von der Schulleitung gefragt, ob ich die AG auch im nächsten Halbjahr anbieten könne“, verrät sie. Denn das Lehrerkollegium schätzt die Expertise der Quereinsteigerin. „Besonders wertvoll sind Formate wie der Börsenausflug, bei dem die Jugendlichen die Finanzwelt real erleben“, heißt es vonseiten der Pädagogen.

Eines der zentralen Werkzeuge ist die App „Geldlehrer“. „Die nutzen wir eigentlich immer, beispielsweise auch wenn es um den Hauskauf geht“, nennt sie ein Beispiel. So berechnen die Schüler, wie viel Eigenkapital sie für eine Immobilie benötigten, wie lange man dafür sparen müsse und wie hoch anfallende Zinsen seien.

Übersicht beim Geldausgeben

Aber auch Sparen sei ein wichtiges Thema. „Heute bezahlt man überall mit Karte – das Geldausgeben wird sehr leicht gemacht“, kommt Puttins auf ein gesellschaftliches Problem zu sprechen. Außerdem ermöglichten diverse Zahlungsanbieter Ratenzahlungen oder dass die Abbuchung erst im nächsten Monat erfolge.

„Bei vielen Jugendlichen fehlt so der Überblick, wie viel und für was sie Geld ausgeben“, schildert die 42-Jährige ihre Eindrücke. Dem wolle sie mit ihrem Unterricht entgegenwirken und für mehr Übersichtlichkeit im eigenen Umgang mit Geld sorgen.

Lohnabrechnung und Rente

„Ich finde es toll, dass meine Kinder sich niedrigschwellig finanzielle Bildung aneignen können“, freut sich eine Mutter. Denn darin liege ihrer Meinung nach das Fundament eines selbstbestimmten Lebens.

Weitere Themenfelder, die die Schüler mitbekommen, sind alles rund um die Schufa, die Auskünfte zur Kreditwürdigkeit zur Verfügung stellt. „Wir schauen uns auch Lohn- und Gehaltsabrechnungen an sowie Renteninformationen“, führt sie weiter aus.

Konsum als Problem

So sei auch eine Aufgabenstellung, herauszufinden, wie viel Geld man als Rentner zur Verfügung haben wolle – und wie es mit dem Sparen oder auch Anlegen des monatlichen Verdienstes aussieht. „Es ist wichtig, auch an später – also 20 oder 30 Jahre in die Zukunft – zu denken“, nennt Puttins ein Ziel.

„Die jungen Menschen sollten nicht alles ausgeben und in den Konsum stecken“, mahnt sie. Doch sei gerade dies durch Werbung eine starke Verlockung des auf Umsatz fokussierten Wirtschaftssystems.

Ab der achten Jahrgangsstufe möglich

Für die Vöhringerin ist ihre ehrenamtliche Tätigkeit an der Schule ein Beitrag zur Gesellschaft, der sie auch persönlich sehr erfülle. Und sie wünscht sich, dieses kostenlose Angebot auch an Schulen im Kreis Rottweil anbieten zu können.

Aus ihrer Sicht eignet sich die Unterrichtsergänzung für Schüler ab der achten oder neunten Klasse an allen allgemeinbildenden Schulen sowie im ersten Jahr der Berufsschule.

Verein Geldlehrer

Die Menschen
Im Berufsleben kommen „Geldlehrer“ oftmals aus der Finanzbranche und haben somit viel Wissen und Praxisbezug. Das Ziel: Die Jugendlichen sollen sich früh mit Finanzfragen beschäftigen, um seltener Fehlentscheidungen zu treffen. So kann aus Sicht des Vereins Problemen wie Altersarmut oder Überschuldung vorgebeugt werden.

Die Ausbildung
Wer einen finanzaffinen Hauptberuf hat, absolviert eine dreitägige Ausbildung. Personen, die einen anderen Arbeitshintergrund haben, erhalten zusätzliche Online-Schulungen. Inhalte sind neben Krediten und Finanzierung auch die Inflation. Ebenso werden die Sozialsysteme, die gesetzliche Rente und Berechnungen zur Altersvorsorge zum Unterrichtsthema gemacht und methodische und didaktische Inhalt vermittelt.