Die beiden Angeklagten am Montag im Gerichtssaal in Offenburg: Während der Ältere der beiden (rotes T-Shirt) seit seiner Festnahme in Haft ist, hat der Jüngere (blaues Hemd) eine weitere Ausbildung begonnen. Foto: Bender

Gericht: Prozess um Lahrer Geldboten-Überfall hat begonnen / Angeklagte geständig

Offenburg/Lahr - Der spektakuläre Geld­boten-Überfall von Lahr wird seit Montag vor dem Offenburger Landgericht verhandelt. Die beiden Angeklagten zeigten sich größtenteils geständig. Beide drücken Schulden.

Es waren Szenen wie aus einem Actionfilm, die sich laut Anklage am Morgen des 7. Januar dieses Jahres an der Ecke Kanalweg und Hansastraße abspielten: Das Fahrzeug eines Geldboten wird von einem Auto ausgebremst, als ein Mann unvermittelt die Scheibe auf der Beifahrerseite einschlägt und den Fahrer mit Pfefferspray attackiert. Der Angreifer öffnet die Schiebetür des VW Caddy und schnappt sich mehrere Geldkassetten. Trotz schmerzenden Augen stürzt sich der Fahrer des Transporters auf den Räuber, ringt ihn zu Boden. Ein Passant eilt ihm zur Hilfe. Dennoch kann der Maskierte mit Beute fliehen. Denn auch er erhält Unterstützung – von dem Autofahrer, der den Geldboten zuvor zum Stoppen gezwungen hat.

Die Ermittlungen: Der mutmaßliche Helfer des Räubers bleibt am Tatort, erzählt der Polizei, Zeuge und Geschädigter zu sein. Die Ermittler sind sofort misstrauisch, am 12. Januar wird der Komplize festgenommen, sitzt seitdem in U-Haft. Zwei Wochen später stellt sich der zweite Beschuldigte, nachdem er zuvor bei einer Wohnungsdurchsuchung nicht angetroffen worden war. DNA am Boten-Fahrzeug hatte die Ermittler auf seine Spur gebracht. Er war wegen verschiedener Delikte polizeibekannt.

Die Beute: Der Geldbote war laut Staatsanwaltschaft auf einer Tour durch mehrere Lahrer Großmärkte, die letzte Station vor dem Gang zur Bank war kurz vor dem Überfall der Edeka-Markt in der "Arena", 150 Meter vom Tatort entfernt. 27 .500 Euro Bargeld soll sich im Fahrzeug befunden haben. 23 .500 Euro, so die Ermittlungsbehörde, hätten die Angeklagten mittlerweile zurückgegeben. Wo der Rest abgeblieben ist: unklar.

Die Anklage: Die Staatsanwaltschaft  wirft den Männern unter anderem gemeinschaftlicher, besonders schwerer Raub mit räuberischem Angriff auf einen Kraftfahrer und gefährliche Körperverletzung vor. Der Geldbote und sein Helfer, ein zufällig vorbeikommender Bekannter, erlitten bei dem Kampf Schürfwunden im Gesicht und an den Händen. Es drohen langjährige Haftstrafen.

Die Beschuldigten: Die Angeklagten – beide mit Migrationshintergrund, aber in Lahr geboren – räumten die Vorwürfe am ersten Verhandlungstag "weitgehend" beziehungsweise sogar "vollumfänglich" ein. In ihren Lebensläufen finden sich einige Überschneidungen: Sowohl der mutmaßliche Haupttäter (23) als auch der Komplize (25) machten nach der Schule eine Ausbildung und sich später selbstständig. Der eine im Kfz-, der andere im Gastro-Bereich. Für beide endete ihr Unternehmertum im finanziellen Fiasko, sie häuften nach eigenen Angaben jeweils Schulden im fünfstelligen Bereich an. Während der ältere der beiden Angeklagten in Handschellen und begleitet von zwei Justizvollzugsbeamten in den Gerichtssaal geführt wurde, befindet sich der Jüngere auf freiem Fuß, muss sich regelmäßig bei der Polizei melden. Er macht wieder eine Ausbildung, steckt "mitten in der Prüfungsphase".

Das Motiv: "Das drängt sich auf", erklärte der Anwalt des 25-Jährigen auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Wolfgang Kronthaler, ob die Geldsorgen der Grund für den Überfall waren. Eine Antwort auf die Frage, wer die Idee zur Tat hatte, gab es indes nicht. Man wolle sich nicht gegenseitig beschuldigen, hieß es. Offen bleibt zunächst ebenfalls, ob die Täter den Geldtransport zuvor ausbaldowert, möglicherweise sogar Insider-Informationen hatten.

So geht's weiter

Für den Prozess um den Überfall auf den Geldtransport in Lahr sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Am Dienstag, 13. Juli, sollen die beiden Geschädigten sowie zwei Polizeibeamte gehört werden. Die weiteren Termine sind Dienstag, 20. Juli, und Mittwoch, 28. Juli.

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