Wer im Alter sinnvoll vorsorgen will, muss auf die richtige Strategie setzen. Foto: Fotolia

Fonds, Sparpläne und private Altersvorsorge: Die Finanzberatung verdient laut Verbraucherschützern hierzulande miese Noten. Eine Studie zeigt, welche Gründe es dafür gibt.

Fonds, Sparpläne und private Altersvorsorge: Die Finanzberatung verdient laut Verbraucherschützern hierzulande miese Noten. Eine Studie zeigt, welche Gründe es dafür gibt.

Berlin - Wenn ein Verbraucher bei einer Bank oder Versicherung ein Produkt zur Geldanlage oder Altersvorsorge abschließt, wird er vielfach falsch beraten. Das Finanzprodukt, das der Mitarbeiter empfiehlt, ist häufig zu teuer, zu unflexibel, zu unrentierlich oder zu riskant. Hinzu kommt: Die Menschen vertrauen dem Rat der Banken und Versicherungen meist blind, ohne das Finanzprodukt nur annähernd zu verstehen.

Das ist das Fazit einer Untersuchung, die die Verbraucherzentralen durchgeführt haben. Sie haben 298 Fälle von Verbrauchern analysiert, die im letzten Jahr in ihre Finanzberatung gekommen sind und dabei ihre Anlagen wie Lebensversicherungen, Bausparverträge und alle anderen Finanzprodukte in ihrem Portfolio auf den Prüfstand stellen ließen. Außerdem wurden 59 Fälle überprüft, in denen die Verbraucher gerade von einer Bank oder einem Versicherer neue Vorschläge zum Geldanlegen eingeholt hatten.

Die Ergebnisse sind niederschmetternd: Von den Finanzprodukten, die die Verbraucher schon besaßen, war knapp jedes zweite der untersuchten 1837 nicht bedarfsgerecht. 63 Prozent der Anlagen warfen zu wenig Rendite ab, 52 Prozent waren zu teuer, 35 Prozent waren zu riskant und 31 Prozent zu unflexibel. Vielfach verfügt ein Verbraucher über mehr als ein Produkt: Nur ein Zehntel der Verbraucher, die ihr Portfolio überprüfen ließen, zahlte ausschließlich in taugliche Produkte ein.

Noch schlimmer waren die Resultate in den 59 Fällen, in denen die Finanzexperten der Verbraucherschützer die aktuellen Anlageempfehlungen der professionellen Berater aus Banken und Versicherungen überprüften: Von den 129 Vertragsangeboten, die die Branche den Kunden da unterbreitete, waren neun von zehn untauglich. 73 Prozent waren zu teuer, 51 Prozent warfen zu wenig Rendite ab, 40 Prozent waren zu unflexibel, und 34 Prozent waren zu riskant.

Verbraucherschützer überzeugt von grundlegendem Problem

Die Verbraucherschützer sind überzeugt: Die Finanzberatung verdient hierzulande so miese Noten, weil ein grundlegendes Problem vorliegt. „Finanzberaster sind heute in Wirklichkeit keine Berater, sondern schlicht Verkäufer“, kritisiert Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Die Mitarbeiter von Banken und Versicherungen arbeiten meist auf Provisionsbasis. Sie ­kassieren Vermittlungsgebühren, wenn sie Verbrauchern Lebensversicherungen und andere Anlageprodukte verkaufen. Der ­provisionsbasierte Vertrieb führe aber zu ­Interessenkonflikten und systematischer Fehl- und Falschberatung.

Niels Nauhauser, Finanzexperte der baden-württembergischen Verbraucherzentrale, warnt vor den volkswirtschaftlichen Folgen der mangelhaften Beratung: „Unsere Beobachtungen sind alarmierend, zumal das Verhalten der Finanzberater in vielen Fällen direkt zulasten der privaten Altersvorsorge der Sparer führt.“

Die Verbraucherschützer appellieren an die künftige Bundesregierung, endlich bei der Finanzberatung durchzugreifen. Mohn: „Alle bisherigen Ansätze, den Verbrauchern über standardisierte Informationsblätter und Beratungsprotokolle zu helfen, sind gescheitert.“ Der Gesetzgeber gehe den Problemen seit Jahren aus dem Weg.

Die Verbraucherschützer fordern: Die Anlageberatung und der Verkauf der Produkte müsse konsequent von einander getrennt werden. Beratung müsse von Provisions­interessen abgekoppelt werden. Die fachlichen Anforderungen an Berater müssten steigen. Um Falsch- und Fehlberatung zu verhindern, müsse die Aufsichtsbehörde die Qualität der Finanzberatung überwachen. Bei Riester-Verträgen gehe viel Geld der ­Anleger für Gebühren drauf. Der Staat solle daher ein Basisprodukt für die private ­Altersvorsorge anbieten, das professionell und günstig verwaltet werde.