Geldanlage mit KI So legen Sie mit ChatGPT & Co. Geld an

Daniel Gräfe
Kann KI besser beraten in Bankgeschäften als ein Bankberater? Foto: Sebastian Ruckaberle

Immer mehr Menschen nutzen KI-Programme wie ChatGPT für die Geldanlage. Doch können sie Bankberater ersetzen? Erfahren Sie, worauf Sie bei der Geldanlage achten müssen.

Der Anfang ist schnell gemacht: „Geld anlegen mit ChatGPT – wie geht das?“ gibt man bei ChatGPT ein. Schon sagt der KI-Chatbot, dass er weder Bank noch Broker sei, aber ein passender Finanzassistent für die persönliche Anlage. Ein paar Fragen und Anweisungen mehr und ChatGPT spuckt nicht nur ein mögliches Portfolio aus, sondern nennt auch konkrete Fonds, die er empfehlen würde. Schon könnte man loslegen – falls man ein Online-Depot hat.

 

Die sprachbasierten KI-Programme von Open AI, Google, Meta, Microsoft & Co. verändern die Finanzbranche. Nicht nur Banken nutzen solche, meist spezifizierten, KI-Modelle – auch Verbraucher greifen darauf zu. Je nach Programm unterbreiten die Algorithmen mal bedächtiger, mal offensiver ihre Vorschläge – hier unterscheiden sie sich kaum von Bankberatern.

KI oder Experte: Wer bietet die bessere Finanzberatung für Anleger?

Das betrifft auch die Qualität der Beratung, wie Lars Hornuf, Professor für Finanztechnologie an der TU Dresden, betont. „Es kann Fälle geben, wo GPT zweifelhaft berät und wo ein Vermögensberater – und das Gegenteil. Berater performen mitunter selbst besser, wenn sie eine KI im Hintergrund haben und Assistenzsysteme nutzen.“

In den letzten drei Jahren hat Hornuf 32 KI-Modelle, darunter ChatGPT, Perplexity und Gemini, auf ihre Eignung als Finanzberater geprüft. Dabei hat er gängige Anforderungen für Finanzberater wie die Risikobereitschaft der Anleger, den persönlichen Anlagehorizont und die Nachhaltigkeitspräferenzen berücksichtigt.

Auf der einen Seite berieten die KI-Programme unparteiischer als Bankberater. Andererseits begingen sie immer wieder Fehler, weil sie etwa nicht-existente Wertpapierkennnummern nannten oder Einzeltitel auf mehr als 100 Prozent summierten. „Je genauer die Nutzer Informationen und Präferenzen eingaben, desto besser konnten die Modelle diese für die Anlage berücksichtigen“, so Hornuf.

Auch deshalb sehen Verbraucherschützer bei der Geldanlage mit ChatGPT & Co. neben den Risiken auch Chancen. „Bei richtiger Nutzung sind die KI-Modelle besser als ein Anlageberater, der gegen Provisionen vermittelt“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Aber man muss über die Kompetenz verfügen, die richtigen Fragen zu stellen und Aussagen der KI zu hinterfragen.“

Verbraucherschützer: Man muss KI-Programme wie ChatGPT, Perplexity und Gemini anleiten

Eine Möglichkeit sei, die KI-Programme nach der „Evidenz aus der Kapitalmarktforschung“ zu befragen oder sie um Informationen aus unabhängigen Quellen wie der Stiftung Warentest oder der Verbraucherzentrale zu bitten. Manchmal reiche auch der Hinweis, dass die KI ihre Aussage nochmals überprüfen und belegen solle. Immer wieder korrigierten dann ChatGPT & Co die Antworten oder erklärten sie zumindest genauer.

Am wichtigsten aber sind die richtigen Fragen und Anweisungen für die KI-Programme, die so genannten Prompts, sind sich Experten einig: Je genauer und zielgerichteter sie sind, desto präziser fallen auch die Antworten aus. Dabei gilt es, sich auch der eigenen Bedürfnisse möglichst genau bewusst zu werden beziehungsweise sie zu schildern. Ist man schon in der Rente und will nicht risikoreich anlegen? Für welches Ziel ist die Anlage? Wann braucht man das Geld? Wie groß muss der Notgroschen sein? Auch diesen Ergebnissen sollte man aber nicht blind vertrauen.

Forscher Lars Hornuf Foto: privat

Was auch für die Angebote von Bankberatern zutrifft. Mit ChatGPT & Co. wiederum lassen sich die Bank-Angebote überprüfen. „Dann gibt es vielleicht einen Hinweis, dass die Fonds anderer Anbieter besser performen oder geringere Kosten aufweisen“, betont Finanzexperte Hornuf.

Überhaupt seien die KI-Modelle sehr gut geeignet, um sich über Finanzen und Anlage zu informieren. „Hier sind sie überraschend gut, manchmal verständlicher als etwa Wikipedia“, betont Hornuf. „Die Informationsmasse ist so groß, dass es Anlegern oft schwerfällt, Anlagen zu wählen. ChatGPT kann helfen, die Informationen zu reduzieren.“

Auch jene, die die Fähigkeiten der KI-Programme kritischer sehen, räumen ein: Als Ideengeber, Informationsvermittler und für die finanziellen Grundlagen eignen sich die Programme allemal. Einen Account anlegen und Aktien oder Fonds ordern müssen die Nutzer ohnehin noch selbst. Oder sie geben die Aufgaben in die Hände einer Bank – dann allerdings zu vergleichsweise hohen Konditionen.

Ob man sich bei der Geldanlage von KI-Modellen oder Beratern unterstützen lässt, ist am Ende wohl auch eine Frage des Bauchgefühls: „Es wird immer Kundinnen und Kunden geben, die eine persönliche Beratung suchen oder kein Online-Banking betreiben wollen“, sagt Hornuf. „Es gibt Menschen, für die Modelle wie ChatGPT besser sind, für andere der Berater.“

KI ist fester Bestandteilt der Finanzbranche

Entscheidungshilfe
Auch in der Finanzbranche wird Künstliche Intelligenz eingesetzt. Es geht nicht nur darum, Prozesse zu optimieren, sondern auch aus Daten Signale herauszufiltern, die die Kurse beeinflussen könnten.

Kundenansprache
Kunden kennen KI auch von Chatbots oder bei der Einstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Manche Beratungsplattformen integrieren bereits Chatbots, die einfache Erstgespräche führen.