Cryptos, NFTs, Daytrading: Viele Finfluencer bewerben riskante Anlageprodukte und -Strategien – gerne auch steuerbefreit aus Dubai oder stolz aus einem Lamborghini. Sie haben es mit ihren Investments weit gebracht, ist die Botschaft. Foto: KI/Midjourney/Sebastian Ruckaberle

Sie erklären im Netz die Welt der Finanzen und versprechen oft Traumrenditen: Finfluencer sind für junge Anleger erste Wahl bei Anlagetipps. Doch nicht alle sind seriös.

Sie erreichen Millionen über Plattformen wie Instagram und Tiktok und haben vor allem bei vielen jungen Anlegern den Bankberater ersetzt. Sogenannte Finfluencer, also Influencer in Finanzthemen, erklären Finanzprodukte und vermitteln sie zum Teil auch gleich selbst. Das kann hochproblematisch sein, Verbraucherschützer und Finanzaufsicht warnen regelmäßig davor. Doch mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen können junge Anleger die seriösen von den unseriösen Finfluencern unterscheiden.

 

Laut einer Erhebung der Finanzaufsicht Bafin folgen junge Anleger im Alter von 18 bis 45 Jahren aktiv den Empfehlungen von Finfluencern. 57 Prozent der Befragten investierten sogar direkt über empfohlene Links. Und davon wiederum 15 Prozent wussten nicht, dass die Finfluencer über diese Affiliate-Links eine Vermittlungsprovision erhalten.

„Was auf den ersten Blick wie niedrigschwellige Aufklärung aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung oft als Geschäftsmodell“, schreibt Sally Peters, Geschäftsführende Direktorin am Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg, in ihrem Blog. Eine fundierte selbstständige Anlage-Entscheidung auf Basis von Finanzbildung sei das dann nicht, so Peters.

Deckmantel Finanzbildung

Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, geht sogar noch einen Schritt weiter: „Reine Finanzbildung bei Finfluencern gibt es nicht, diese gehen alle einem Gewerbe nach und arbeiten somit profitmaximierend.“ Wer einem Finfluencer folgt, sollte sich laut Nauhauser immer den Interessenkonflikt vor Augen halten, den auch die analoge Finanzbranche häufig hat: dem Unterschied zwischen einer unabhängigen Beratung und einem Verkaufsgespräch.

Die Bandbreite ist groß: Während manche Finfluencer beispielsweise Tagesgeldkonten vergleichen und von Affiliate-Links zu den Anbietern profitieren, gibt es andere, die Anleger in hochriskante Wetten am Kapitalmarkt, Schneeballsysteme oder teure Coachings locken. Das reicht vom Schaumschläger bis hin zum Betrüger. Und dazwischen gibt es ganz viel Grauzone.

Sally Peters ist Geschäftsführende Direktorin am Institut für Finanzdienstleistungen in Hamburg. Foto: iff

Bafin warnt vor Totalverlust

„Wer solchen Tipps blind folgt, riskiert Kapitaleinbußen bis hin zum Totalverlust“, warnt die Finanzaufsicht Bafin und kritisiert zwei Dinge: Finfluencer seien häufig nicht qualifiziert genug und stellten häufig auch nicht die nötige Transparenz bei eigenen Geschäftsinteressen her – Stichwort Provisionen und Affiliate-Links. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat deswegen beispielsweise eine Unterlassungsklage gegen Google eingereicht: Die Video-Plattform Youtube ermögliche es Influencern, gesponserte Videos zu veröffentlichen, ohne hinreichend transparent auf den werblichen Charakter hinzuweisen.

„Es gibt beides: Professionelle Finfluencer, die sich an Regeln halten und die Risiken von Investments sehr aktiv ansprechen, ebenso wie schwarze Schafe, die unseriöse Investmenttipps mit ihren Followern teilen“, sagt Monika Kovarova-Simecek von der Fachhochschule St. Pölten. Die Professorin hat 2024 zusammen mit der HHL Leipzig Graduate School of Management die deutschsprachige Finfluencer-Szene untersucht.

In dieser bislang größten Untersuchung der Szene wurden 357 aktive Profile mit insgesamt mehr als zehn Millionen Followern auf Instagram identifiziert. Mehr als die Hälfte der Finfluencer sind erst seit 2020 aktiv. Die Corona-Pandemie hat der Szene großes Wachstum beschert – wie auch viele junge Anleger erst seitdem investieren.

Aufmerksamkeit für schrille Thesen

Eine Zahl der Studie lässt aufhorchen: Mehr als 60 Prozent der befragten Follower der Finfluencer gaben an, sich vor allem für „unterhaltsamen Content“ zu interessieren. Ein Fazit der Studie ist daher: „Es geht eben nicht nur um die Vermittlung sachlicher Finanzinformationen, sondern um Infotainment.“ Man könnte sagen: Geldanlage soll auch Spaß machen. Nachweisbar langfristig erfolgreich sind aber eher langweilige Investments: breit gestreute, weltweit diversifizierte Aktienportfolios, abgebildet über ETFs.

Eine andere Studie des Swiss Finance Institutes hat den Zusammenhang zwischen Reichweite und Kompetenz beleuchtet. Das Ergebnis: Nur 28 Prozent der Finfluencer sind qualifiziert für das, was sie tun. Und 56 Prozent seien sogar „antiskilled“, ihre Empfehlungen führten also systematisch zu schlechteren Anlageergebnissen. Gleichzeitig ziehen unqualifizierte Finfluencer laut Studie mehr Follower als qualifizierte Finfluencer an, weil sie besonders optimistische oder pessimistische Markteinschätzungen geben und die sozialen Medien dieses größere Sendungsbewusstsein dann belohnen. Sprich: Die schrillste und damit auch risikoreichste Investmentthese bekommt die größte Aufmerksamkeit.

Niels Nauhauser ist Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Foto: VZBW/Wolfram Scheible

Tipps vom Verbraucherschützer

Wie können junge Anleger also die seriösen von den unseriösen Finfluencern unterscheiden? Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg nennt einige Warnsignale: Das Versprechen von schnellem Reichtum, das Anpreisen eines exklusiven Anlagetipps, speziell bei Einzelaktien, Krypto-Investments oder ganze Trading-Strategien, gerne auch verbunden mit teuren Coachings. „All diesen Empfehlungen sollte man nicht folgen“, sagt Nauhauser. Er rät jungen Anlegern, alle Investmenttipps immer bei unabhängigen Institutionen, beispielsweise der Stiftung Warentest oder den Verbraucherzentralen, gegenzuprüfen.

Viele Follower

Ranking
Die reichweitenstärksten deutschsprachigen Finfluencer auf Instagram sind immo.tommy (827 000 Follower), professorfinanzen (663 000 Follower) und bodoschaefer (479 000 Follower). Auf der Kurzvideoplattform Tiktok liegen die Followerzahlen teilweise noch höher.

Kritik
Der Finanzjournalist, Honorarberater und Verbraucherschützer Thomas Beutler befasst sich auf seinem Youtube-Kanal „Investiert in Wissen“ unter anderem mit unseriösen Finfluencern.