Die Beteiligungsverhältnisse am E-Werk ändern sich: Die Stadt verkauft Anteile nach Kehl, hält aber dennoch künftig die meisten Prozente. Der Erlös – eine Millionensumme – ist bereits verplant.
„Es ist eine Win-Win-Situation“, fasste E-Werk-Chef Bernhard Palm bei einem Pressegespräch in Offenburg am Freitagvormittag die durchaus nicht unkomplizierte Neuverteilung der Anteile am Energieversorger zusammen. Hintergrund ist der Wunsch der Stadt Kehl, ihre Anteile von bislang 0,18 Prozent auf fünf Prozent aufzustocken. Das E-Werk und die weiteren Anteilseigner erhoffen sich dadurch, das Unternehmen auf eine breitere Basis für die Zukunft zu stellen. Das hat auch Auswirkungen für Lahr.
Wie sieht die neue Verteilung aus?
Größter Anteilseigner bisher war die „EnBW Kommunale Beteiligungen GmbH“ mit 31 Prozent. Dahinter folgten die Städte Lahr (29,4 Prozent) und Offenburg (25,84 Prozent). Die „EWO“, eine Beteiligungsgesellschaft mit sieben Kommunen aus der nördlichen Ortenau, hielt 10,75 Prozent. Die EnBW verkauft nun 3,13 Prozent der Anteile, Offenburg 0,72 Prozent und die „EWO“ 0,15 Prozent. Auch Lahr veräußert 0,82 Prozent der Anteile, steht damit aber nun trotzdem an der Spitze.
Was bekommt Lahr für die Anteile?
Offiziell wurden am Freitag keine Zahlen genannt. Nach LZ-Informationen erhält die Stadt Lahr – nach Abzug der Steuern – rund 2,1 Millionen Euro. Viel Geld für die gebeutelte Stadtkasse. Der Erlös soll, wie der Lahrer Vertreter, Bürgermeister Tilman Petters, im Gespräch mit der LZ vor Ort betonte, „für ähnliche Zwecke“ verwendet werden. Konkret soll das Geld in die Energie- und Wärmewendegesellschaft gesteckt werden, deren Gründung die Stadt, das E-Werk und die Firma Badenova Wärmeplus im August beschlossen haben (wir berichteten). Diese Gesellschaft soll den Ausbau erneuerbarer Energien in Lahr vorantreiben – sowohl im Bereich der Stromerzeugung, etwa durch neue Windräder und PV-Anlagen als auch bei der Wärmeversorgung, etwa mit Fernwärmenetzen. Der Lahrer Gemeinderat hatte am Montag nichtöffentlich die Pläne der Verwaltung, die E-Werk-Anteile zu verkaufen und den Erlös wie beschrieben zu nutzen, abgesegnet.
Was bedeutet das für den Standort in Lahr?
Im Prinzip nur Gutes. Entscheidungen über die Zukunft des Unternehmens können nicht über den Kopf der Stadt Lahr als Hauptanteilseigner hinweg getroffen werden. Heißt zum Beispiel: Das E-Werk dürfte auf absehbare Zeit seinen Sitz in Lahr behalten.
Hat der Verkauf auch Nachteile?
Auf den ersten Blick, ja. Mit weniger Anteilen erhält die Stadt auch weniger Geld aus der Gewinnausschüttung – nach LZ-Informationen bedeutet das ein Minus von 80 000 Euro pro Jahr. Der Deal könnte sich langfristig aber auszahlen: Geht der Plan des E-Werks und der Anteilseigner auf, wird das Unternehmen und damit auch der Umsatz durch die Etablierung im Kehler Raum gestärkt. Davon würde letztlich auch die Stadtkasse profitieren.
Warum ist Kehl so wichtig?
Die Vertreter der beteiligten Kommunen, Acherns OB Manuel Tabor, Offenburgs Erster Beigeordneter Oliver Martini und Petters, betonten unisono, dass der Schritt ein „Gewinn“ für das E-Werk sei. E-Werk-Chef Palm hob die Bedeutung Kehls als Wirtschaftsstandort und als „zentraler Knotenpunkt“ hervor. Kehls OB Wolfram Britz gab einen Einblick: Der Hafen sei, vor allem mit den badischen Stahlwerken, einer der größten Stromverbraucher in der Ortenau. Und dort könnte auch künftig Strom erzeugt werden. Kehler Unternehmen hätten eine Machbarkeitsstudie beauftragt. Diese überprüft, ob im Hafenbecken genug Wind weht, dass sich Windkraftanlagen lohnen. Die Stadt erhält durch die Aufstockung einen Sitz im Aufsichtsrat.
Wie blickt das E-Werk in die Zukunft?
Die Aussicht auf Windräder in Kehl kommt dem E-Werk sehr entgegen. Palm kündigt an, in den kommenden drei Jahren jeweils 100 Millionen Euro investieren zu wollen. Eine Hälfte ins Netz, eine Hälfte in den Ausbau regenerativer Energien. Allen voran geht es um Windräder und Batteriespeicher, um auch im Winter den Strombedarf decken zu können.
Windräder per Schiff
Die Zusammenarbeit mit Kehl könnte für das E-Werk weitere Vorteile bedeuten. Neue Windräder könnten künftig per Schiff in die Ortenau transportiert werden. Da würde Transportkosten sparen und sei umweltfreundlicher, so E-Werk-Chef Bernhard Palm.