Seit Ende des Vorjahres halten so viele Deutsche Aktienanteile wie noch nie. Thomas Trost von der Onstmettinger Bank ordnet die Lage im Zollernalbkreis ein.
„Rekordbeteiligung: 14,1 Millionen legen Geld am Aktienmarkt an.“ Das vermeldet freudig das deutsche Aktieninstitut mit Sitz in Frankfurt Ende des vorigen Jahres. „Insgesamt investierten 19,9 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren, also jede fünfte Person, direkt oder indirekt am Aktienmarkt. Der positive Trend der vergangenen zehn Jahre hat sich damit verstärkt“, erklären die Marktbeobachter in ihrer Datenerhebung. Vor allem die jüngere Generation nutze ETFs und Sparpläne stärker.
Wer das in der Region freilich mitbekommt, das sind die hiesigen Banken. Thomas Trost ist bei der Onstmettinger Bank seit vielen Jahren Anlageberater, war davor 14 Jahre an der Stuttgarter Börse aktiv – zweifelsohne also ein mit allen „Börsenwassern“ gewaschener Fachmann.
„Auch bei uns merkt man, dass es deutlich mehr wird“, sagt er. Die Rentenlücke und die eher geringen Zinsen würden die Menschen weiter an die Börse treiben. Die Inflation verrichte überdies ihr Werk, das spiegle sich am Aktienmarkt wider. Es gebe eine regelrechte „Flucht“ in sogenannte „harte Assets“, also Vermögenswerte, die in Form von Kurssteigerungen oder Dividenden Erträge erwirtschaften.
Risiko hängt auch vom Alter ab
Zwar seien die Kunden offener für den persönlichen Börsengang, doch viele haben sich in den 2000er-Jahren die Finger verbrannt rund um die Dotcom-Blase. „Die Kunden haben natürlich ein unterschiedliches Risikoverhalten, da muss man immer individuell schauen“, erklärt er. Zwar merke man hier im ländlichen Raum durchaus ein gewisses risikoscheueres Anlageverhalten, doch generell verallgemeinern könne man das auf keinen Fall. Vieles hänge am jeweiligen Alter der Kunden – wer älter sei, habe meist schon einen gewissen Betrag auf der Seite und wolle nichts riskieren.
Riskant sei hingegen eher, das Geld auf dem Sparbuch der Inflation zu überlassen. Durch die Geldmengenausweitung der Zentralbanken werden Währungen – sei es Dollar oder Euro – immer weiter verwässert. Im Jahr 2008 im Rahmen der Bankenkrise und auch während Covid in 2020 habe man das System „mit Geld zugeschüttet“, formuliert es Trost und findet klare Worte: „Das Finanzsystem ist nicht mehr gesund. Ewig kann das nicht mehr funktionieren.“ Eine ganze Reihe an Faktoren sind Probleme: Den Städten und Kommunen gehe das Geld aus, überall gebe es Kriege auf der Welt, die globalen Schulden wüchsen. „Unser Finanzsystem läuft nur mit Schulden und irgendwann müssen diese zurückgeführt werden“, sagt Trost und warnt: Hört man auf, Schulden zu machen und die Geldmenge auszuweiten, dann bricht das System zusammen.
Unze Gold bleibteine Unze Gold
Nun sei ein Run auf Edelmetalle wie Gold zu beobachten. Grundsätzlich, so der Anlageexperte der Onstmettinger Bank, verhalte es sich mit Vermögenswerten so: „Wenn ich eine Unze Gold habe, bleibt das eine Unze Gold. Genauso bleibt eine Siemens-Aktie eine Siemens-Aktie.“ Was das eines Tages in Geld wert sei, sei zwar unklar, tendenziell steige der Wert aber.
Im Fall von Silber, das zu Jahresbeginn von Allzeithoch zu Allzeithoch eilte, ist die Lage etwas anders. Das Metall brauche es überall – von humanoiden Robotern bis zu Computerchips, die Menge werde knapp, die Nachfrage mehr. „Edelmetalle werden in den nächsten zwei bis drei Jahren weiter volatil bleiben, aber auf Sicht wird das weiter steigen“, prognostiziert Trost. Seine Kunden, da ist er dann doch froh, haben bei den jüngsten Rücksetzern nicht panisch zum Telefon gegriffen oder gar den Verkaufsknopf gedrückt, seien vorbereitet: „Das ist nervenaufreibend, aber wir bereiten alle auf solche Zeiten vor.“
Zwei Dinge sind daher wichtig zu beachten, schließt der Anlageberater aus Onstmettingen: Erstens seien viele Nachrichten – etwa die Nominierung von Kevin Warsh als neuem Chef der US-Notenbank Fed – „Tagesrauschen“, von dem man sich nicht beirren lassen sollte. Und zweitens: „Wenn ich in harte Assets gehe, dann weiß ich, dass da ein Wert dahinterliegt.“
Verwaltetes Vermögen bei der Bank
Die Onstmettinger Bank hat durchaus größere Summen an Anlagevermögen zu betreuen. Das betreute Kundenkreditvolumen beläuft sich auf 165 Millionen Euro, das Anlagevolumen der Kunden umfasst 277 Millionen Euro und das insgesamt betreute Kundenvolumen liegt bei 442 Millionen.