Ungewohntes Gefühl: Joshua Kimmich muss mit Gelb-Rot vom Platz. Foto: Eibner

Am 8. Februar wird Joshua Kimmich 28 Jahre alt. Und bisher verließ er den Platz in seiner Bundesligakarriere noch nie wegen einer Gelb-Roten oder einer Roten Karte. Gegen den VfL Wolfsburg musste er nun nach 54 Minuten und zwei Verwarnungen runter. 

219 Spiele in der Bundesliga, 66 Spiele in der Champions League und 34 Spiele im DFB-Pokal ohne Platzverweis sprechen für sich. Dementsprechend überrascht und fast sogar ungläubig reagierte der dreifache Familienvater auf die Gelb-Rote Karte, die Schiedsrichter Harm Osmers, da aus seiner Hosentasche kramte. 

Er zeigte Joshua Kimmich in der ersten Halbzeit Gelb für einen unnötigen Schubser gegen Mattias Svanberg und nochmal Gelb für ein taktisches Foul gegen Maximilian Arnold nach dem Seitenwechsel. Macht Gelb-Rot. "Absolut dumm", beschrieb Kimmich die erste Szene einsichtig. Bei der zweiten sei es seiner Meinung nach "sehr wenig" gewesen.

Kimmich in Manndeckung

Doch Kimmichs Platzverweis spricht auch Bände. Gerne wurde er von den gegnerischen Teams in dieser Saison in Manndeckung genommen. So limitierte sich seine Summe an Ballaktionen wegen dieser taktischen Maßnahme auch gegen den VfL Wolfsburg auf lediglich 32. Der "Leitwolf" wirkt etwas genervt, oder im positiven Sinn angestachelt. Der bajuwarische Führungsspieler scheint zu spüren, dass es in den kommenden Wochen um einiges geht für seinen FC Bayern. Der Kampf um die Tabellenspitze in der Fußball-Bundesliga ist spannend, wie lange nicht, in der Champions League warten die heißen Viertelfinalduelle mit Paris Saint-Germain. 

Ball flach halten

Nach der Partie in Wolfsburg bemühte sich Joshua Kimmich um eine Erklärung: "„Der Maxi (Arnold, Anm d. Red.) weiß natürlich, dass ich schon Gelb habe und ihm hinterherlaufe“, beschrieb der 27-Jährige die Szene aus seiner Sicht: „Er entschleunigt ein bisschen, nimmt Tempo raus. Er will natürlich, dass ich auflaufe. Ich selbst sehe nicht, dass ich ihm am Trikot gezogen habe. Wenn ich ihn ziehen würde, würde der Arm ja eher runtergehen. Er geht aber nach hinten.“

Dabei machte er Arnold keinen Vorwurf und sah ein, dass er sich auch hätte anders verhalten können: „Klar kann ich einfach wegbleiben. Es war keine bewusste Aktion von mir, einen Konter zu unterbinden. Mir war schon bewusst, dass ich eine Gelbe hatte. Ich wollte kein Foul machen. Wenn der Schiedsrichter auf Freistoß entscheidet, weiß ich nicht, ob er zwingend Gelb-Rot geben muss. Es war schon sehr wenig.“

Für Arnold ist es ein taktisches Foul

Kimmichs Gegenspieler Maximilian Arnold konnte die Entscheidung des Unparteiischen naturgemäß nachvollziehen. Dass er dem Bayern-Star durch sein Verhalten bewusst die zweite Gelbe Karte anhängen wollte, bestritt er jedoch vehement. „Ich habe jetzt niemanden bewusst, wo ich sage‚ jetzt hat der eine Gelbe Karte und ich laufe jetzt den an, damit der eine Gelb-Rote Karte bekommt‘. Das ist absolut nicht meine Art, das ist völliger Schwachsinn!“, stellte Wolfsburgs Kapitän klar.

Nagelsmann hat Verständnis

FC Bayern-Trainer Julian Nagelsmann nahm Kimmich in Schutz: „Generell glaube ich, dass der Wolfsburger Spieler auch stehen bleiben kann, den er da schubst. Generell war er emotional, weil der Spieler ihm in die Achillessehne tritt. Generell mag ich Emotionen, wenn es aber in einer Gelben Karte, wie in der 34. Minute endet, ist es ärgerlich.“

20 Minuten später folgte weiterer Unmut. Die Gelb-Rote-Karte sei "ärgerlich", befand der Coach: "Jetzt müssen wir ein Spiel auf Josh verzichten. Das hätten wir gerne anders. Wenn der Schiri entscheidet, es ist Gelb-Rot, dann ist es Gelb-Rot. Damit müssen wir dann umgehen, das haben wir gut gemacht."