Der Schwarzwaldverein Gutach hat im vergangenen Sommer die „Joelette“ angeschafft – eine mobile Schiebehilfe, die gehbehinderten Menschen barrierefreies Wandern ermöglicht. Nach der Winterpause zieht der Verein ein erfreuliches Fazit.
Die Idee zum geländegängigen Rollstuhl stammt von Tanja und Christian Ostgathe, Mitglieder des Schwarzwaldvereins Gutach. Da sie auf dem Rollstuhl angewiesen ist, wollte ihr Mann dafür sorgen, dass sie trotzdem an Wandertouren teilnehmen kann und regte den Kauf einer Schiebehilfe an (wir berichteten).
Diese wird aber „nicht nur dem Schwarzwaldverein, sondern allen Interessenten zur Verfügung gestellt“, betont der Vorsitzende Marcel Paffendorf gegenüber unserer Redaktion. Nichtmitglieder zahlen aber 30 Euro statt 20 Euro Gebühr pro Tag.
Das Projekt laufe jetzt an, es gebe mehrere Anfragen, die Schiebehilfe auszuleihen. Die Zeitdauer der Ausleihe betrage in der Regel eins bis zwei Tage, wobei eine Wandergruppe die „Joelette“ (Bezeichnung vom französischen Hersteller) schon fünf Tage gebucht hätten. Die Rückmeldungen seien bisher erfreulich gewesen.
Die Schiebehilfe ist auch im steilen Gelände fahrbereit
Kunden haben vor allem das komfortable Fahren, die Qualität und die stabile Fahrweise der modernen Schiebehilfe gelobt. Durch gutes Fahrwerk und Bereifung sei die Befahrung unterschiedlicher Wege möglich, auch im steilen Gelände. Die Ausstattung der „Joelette“ hat dementsprechend seinen Preis: Die Kosten beliefen sich auf 4600 Euro. Der Verein gewann jedoch Förderer für sein Projekt. Die „Aktion Mensch“ übernahm einen Großteil der Kosten, für den Rest kam die Gutacher Bürgerstiftung auf. Der Verein habe Förderanträge gestellt, die bewilligt wurden.
Es sei „ein Geschenk für Menschen, die nicht mehr wandern können“, beschreibt Paffendorf die mobile Assistenz. Bei der Benutzung der „Joulette“ seien einige Dinge zu beachten: Es werden mindestens zwei Begleitpersonen benötigt zum Transport. Außerdem hänge die Größe der Tour von der Anzahl der teilnehmenden Wanderer ab.
Angebot für Jung und Alt
„Einen alpinen Steig kann man nicht zu dritt durchqueren“, betont der Vorsitzende des Schwarzwaldvereins. Zudem gebe es bei der Abholung der mobilen Unterstützung immer eine zwanzigminütige Einweisung im Aufbau und Technik. Die Joulette könne man zusammenklappen und im Kofferraum verstauen. „Sie ist für jung und alt geeignet“, lautet das abschließende Fazit von Paffendorf.
Christian Ostgathe, der für den Verein als Öffentlichkeitswart fungiert, schließt sich der Einschätzung an: „Das Feedback ist durchweg positiv.“ Die Nachfrage nach der Schiebehilfe steige in den letzten Wochen an. Der Verein habe sich schon länger damit beschäftigt, Wanderrouten für Behinderte zugänglicher zu machen. Durch den Einsatz von der Schiebhilfe sei der Verein diesem Ziel deutlich näher gekommen.
Akademie bietet Fortbildung an
Passend dazu bietet die Heimat-und Wanderakademie Baden-Württemberg im Juni eine Fortbildung zum Umgang mit der „Joulette“ an, wozu Ostgathe einladen möchte: „Es richtet sich nicht nur an erfahrene Wanderer, sondern auch an Interessierte, die etwas lernen möchten.“ Er werde Referent bei der Veranstaltung sein (siehe Info).
Die Schiebehilfe biete ein „einmaliges Erlebnis“ für Menschen mit Gehproblemen, so Ostgathe. Es werde ein Zeichen gesetzt für Inklusion. Natürlich stoße die moderne Hilfe bei manchen Passagen an ihre Grenzen. Aber da müsse man Rücksicht auf die Benutzer der „Joulette“ nehmen und sich alternative Routen überlegen. Er persönlich habe ein großes Ziel: die Durchführung einer Alpentour mit der Schiebehilfe und seiner Frau Tanja. Dies werde er in den nächsten Jahren angehen, gibt Ostgathe preis.
Besondere Verbindung zu Gutach
Bald steht für die Familie Ostgathe auch eine Ehrung an: Sie werden von Gutach für 30 Urlaubsaufenthalte geehrt. Es seien sogar schon mehr gewesen, aber es wird erst ab fünf Tagen gewertet, verrät er auf Nachfrage. Die Verbundenheit zu Gutach sei groß, er habe viele Freundschaften hier gefunden und innerhalb der Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins sei eine tolle Zusammenarbeit entstanden.
Der Münsterländer möchte daher in die Heimat des Bollenhuts ziehen: „Der Schwarzwald ist ein großer Erholungsfaktor und hat so schöne Wanderwege“. Sie gehen gerne dahin, da sie die Natur lieben, erklärt Ostgathe abschließend.
„Wandern für Alle“
Die Heimat-und Wanderakademie Baden-Württemberg bietet am 21. Juni von 9 bis 16.30 Uhr eine Fortbildung zum Thema „Wandern für Alle“ an, heißt es in der Mitteilung. Der Kurs umfasst eine theoretische Einführung zum Umgang mit der Schiebehilfe und eine Praxiswanderung in der Natur. Die Teilnahmegebühr beträgt bei Mitgliedern des Schwarzwaldverein 59 und bei Nichtmitgliedern 69 Euro. Die Anmeldung und weitere Informationen zu der Fortbildung findet sich im Internet unter www.wanderakademie.de.