Der seit Februar 2023 querschnittsgelähmte frühere Eishockey-Profi Mike Glemser wollte den Gegenspieler, von dem er gefoult worden war, belangen. Nun hat er sich anders entschieden.
Vor dem Arbeitsgericht im oberbayerischen Weilheim hätte an diesem Donnerstag ein ebenso brisanter wie tragischer Fall verhandelt werden sollen. Der frühere Eishockey-Profi Mike Glemser (28), der aus Stuttgart stammt, ist seit einem schlimmen Unfall im Februar 2023 vom Hals abwärts gelähmt. Das Unglück, das sein Leben verändert hat, passierte in der Oberliga-Partie seiner Starbulls Rosenheim beim SC Riessersee nach einem Check an der Bande. Anschließend kämpfte Mike Glemser nicht nur in der Rehabilitation um kleine Verbesserungen seiner körperlichen Konstitution, er verklagte auch seinen Gegenspieler Jan-Niklas Pietsch, von dem er gefoult worden war, auf ein Schmerzensgeld von mindestens 650 000 Euro. Insgesamt summierte sich der Streitwert der Klage auf 822 000 Euro – über die nun allerdings doch nicht vor Gericht verhandelt wird: Mike Glemser hat die Klage zurückgezogen.
Welche Überlegungen den querschnittsgelähmten Ex-Eishockeyspieler, der mittlerweile in Pforzheim lebt, dazu veranlasst haben, den Fall nicht weiterzuverfolgen, ist offen. Sein Anwalt Oliver Negele (Bobingen) ließ auf Anfrage unserer Zeitung ausrichten, er empfehle, sich direkt an Mike Glemser zu wenden. Mehrere Anfragen ließen der frühere Leistungssportler und seine Lebensgefährtin Lara Lindmayer dann jedoch unbeantwortet.
Anwalt des Gegenspielers: „Es ist eine Tragödie“
Auch Wolfram Cech, der Anwalt von Jan-Niklas Pietsch, weiß nicht, warum Mike Glemser die Klage zurückgezogen hat. „Über die Gründe haben wir keine Kenntnis“, erklärte der Jurist aus Hannover, „auch für uns kam diese Wende überraschend, erst recht, weil der Kammertermin in Kürze stattgefunden hätte.“ Doch selbst wenn es zur Verhandlung gekommen wäre, hätten Wolfram Cech und sein Mandant dem Termin mit Gelassenheit entgegengesehen. „Was passiert ist, das ist eine Tragödie“, sagte der im Sportrecht erfahrene Anwalt, „aber Jan-Niklas Pietsch kann mit Sicherheit kein Vorsatz unterstellt werden – weder bei der Handlung noch was die Schwere der Verletzung angeht.“
Schon nach dem Gütetermin Ende Januar vor der Arbeitsgerichts-Kammer in Garmisch-Partenkirchen hatte Wolfram Cech ausführlich über die Folgen einer damals noch möglichen Verurteilung seines Mandanten gesprochen: „Es ist für uns klar, dass er Mike Glemser nicht absichtlich verletzen wollte“, sagte der Jurist. Checks mit ähnlicher Intensität würde es in jedem Eishockeyspiel „70 bis 100“ geben: „Wenn diese Klage Erfolg hat, dann müsste ich allen meinen Mandaten aus dem Eishockey raten, mit dem Sport aufzuhören.“ Dazu wird es nun nicht kommen.