Nichts geht mehr: Auf dem neu gebauten Stück der Leonhardstraße staut es sich. Foto: Heiko Hofmann

Vor gut zwei Monaten sorgte Nagolds neue Einbahnstraßenregelung für mächtig Ärger. Und noch immer hakt es an allen Ecken. Die Zustände sind zum Teil chaotisch.

Es ist Freitagmorgen, gegen 10.20 Uhr. Ort der Beobachtung: die Herrenberger Straße, direkt nach dem Bahn-Durchlass. Hier zweigt seit Mitte November 2025 die neu gebaute Straße in Richtung Stadtmitte ab. Und hier kommt es seitdem regelmäßig zu wilden Szenen. Kaum erklärliche Staus inklusive.

 

Das neue Sträßchen – es ist offiziell eine Verlängerung der Leonhardstraße – hat die Aufgabe, den gesamten Verkehr gleich nach dem Durchlass schon abzuleiten. Die Herrenberger Straße darf seitdem nur noch bis zum Parkhaus Weihergässle in beide Richtungen befahren werden. Eine Weiterfahrt in die City ist verboten.

Der Stau reicht bis in den Durchlass hinein

An jenem Freitagmorgen ist eine Szene zu beobachten, wie man sie schon mehrfach dort erlebt hat. Die neue Straße in Richtung City ist dicht. Es hat sich ein kleiner Stau gebildet. An jenem Morgen reicht er bis in den DB-Durchlass hinein. Auch in den Kreisel der Entlastungsstraße soll das Stauende schon gereicht haben.

Die Gründe für diese chaotischen Zustände sind unterschiedlich. Oft kommt da eben eins zum anderen. So dient das neue Sträßchen an dieser Stelle auch als offizielle Zufahrt zum Parkplatz des Leonhard-Centers. Und vor diesem staut sich der Verkehr immer wieder – was auch immer die Gründe dafür sind. Doch wartende Autos vor Parkplatzanlagen, das kommt nun mal vor. Dass dann aber auch jene, die eigentlich nur durchfahren wollen, im Stau stehen, ist unglücklich.

Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier – Verbot hin, Verbot her

Rund um diesen Bereich sind weitere skurrile Szenen zu beobachten. Die Leonhardstraße ist an dieser Stelle eine Einbahnstraße. Und doch gibt es immer wieder Autofahrer, die – auf dem bisher ja erlaubten alten Weg – zu dem Parkplatz gelangen wollen. Also fahren sie entgegen der offiziell erlaubten Fahrtrichtung in die Leonhardstraße ein. Manche versuchen dann an der Ausfahrt zum Parkplatz auf das Gelände zu kommen. Andere fahren munter weiter – entgegen der Einbahnstraße – und versuchen gar über das neue Sträßchen auf die Herrenberger Straße zu kommen.

Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier – das zeigt sich an solchen alten Fahrgewohnheiten immer wieder. Verbot hin, Verbot her.

Die neuen Einbahnstraßen sorgen noch immer für Verwirrung. Für Fußgänger gibt es auf dem neuen Straßenstück keinen Gehweg. Foto: Heiko Hofmann

Hinzu kommen immer wieder falsch parkende Fahrzeuge. Zum Teil stehen sie auf der neu gebauten Einbahnstraße. Und noch etwas verschärft diese gefährliche Gemengelage: Fußgänger und Radfahrer. Radler dürfen das Sträßchen nämlich gegen die Fahrtrichtung befahren. Und Fußgänger gibt es hier einige, nicht zuletzt, weil der Weg zum Haltepunkt Stadtmitte führt. Einen eigenen Fußweg aber gibt es für sie nicht.

Ist das nun alte Gewohnheit, Unwissenheit, oder Renitenz?

Standortwechsel: Wo sich die Herrenberger Straße mit den Zu- und Abfahrten zum Parkhaus Weihergässle und der Wolfsbergstraße kreuzt, lassen sich auch wilde Szenen beobachten. Ist das nun alte Gewohnheit, Unwissenheit, oder Renitenz? Jedenfalls fahren regelmäßig Autofahrer weiter über die Herrenberger Straße in die Neue Straße ein. Das ist aber verboten.

Ab dem Weihergässle ist die Herrenberger Straße eine Einbahnstraße, und auch die Neue Straße ist Einbahnstraße. Es ist schlicht verboten, die Neue Straße hinaufzufahren in Richtung Leonhardstraße oder Querstraße. Gemacht wird es dennoch, und das nicht selten.

Anwohner berichten von wilden Szenen an dieser Stelle. Und von unzähligen Fahrzeugen, die weiter den gewohnten Weg in Richtung Innenstadt fahren. Verbot hin, Verbot her.

Das deckt sich mit dem Ergebnis unserer spontanen Recherche. Nur wenige Sekunden dauert die Fahrt am Freitagmorgen die Neue Straße hinunter. Allein in dieser Zeit kommen zwei Fahrzeuge entgegen. Verbotenerweise!

Ab in die Einbahnstraße. Foto: Heiko Hofmann

Zurück zu den wilden Szenen: Die ereignen sich gerne auch rund um die Zufahrt am Weihergässle – wenn durchaus willige Autofahrer erkennen, dass sie kurz davor sind, verbotenerweise auf der Herrenberger Straße gegen die Richtung einer Einbahnstraße einzufahren. Die drehen dann um. Hinzu kommen an dieser Stelle die Zu- und Abfahrten zum stark frequentierten Parkhaus Weihergässle, und auch noch einige Fußgänger, die ebenfalls in diesem Bereich unterwegs sind. Das führt zu abenteuerlichen Szenen.

Das ganze neue Verkehrsgefüge im Bereich Herrenberger Straße/Leonhardstraße hatte schon im November einen mehr als unglücklichen Start. Kaum waren die neuen Regeln unangekündigt in Kraft getreten, überwachte die Stadt die Einbahnstraßensünder per Blitzer.

Der Aufschrei war groß. Nagolds OB Jürgen Großmann entschuldigte sich gar offiziell für dieses ungeschickte Verhalten der Verwaltung. Und er sagte zu, dass die Bußgelder von dieser Blitzeraktion nicht vollzogen werden.

Doch mittlerweile ist die Schonfrist vorüber. Immer wieder versucht das Ordnungsamt mit Präsenz und Blitzereinsätzen in dem Gebiet, die neuen Verkehrsregeln durchzusetzen. Und diesmal warnte man sogar im Vorfeld vor den vermehrten Kontrollen. Der Erfolg lässt aber weiter auf sich warten.

Ein Anwohner bringt ein Schild als Lösung ins Spiel

Eine kleine, aber ganz pragmatische Lösung bringt ein Anwohner im Gespräch mit der Redaktion ein. Ortsfremde wüssten doch gar nicht, wenn sie die Herrenberger Straße hinunterfahren, dass sie nach einigen Metern in einer Einbahnstraße landen. Warum also nicht gleich nach dem DB-Durchlass ein Schild aufstellen und auf die spätere Einbahnstraße hinweisen?

An Schildern mangelt es an der neuen Abfahrt direkt nach dem DB-Durchlass allerdings heute schon nicht. Auf die Autofahrer prasseln da viele Informationen ein. Ob da ein weiteres Schild überhaupt wahrgenommen wird? Zeit, das alles zu lesen und zu verarbeiten, hat der Autofahrer dort eigentlich nicht. Außer er steht im Stau auf der neuen Leonhardstraße.