Für 30 Ukrainer wäre Platz im Geislinger Schloss. Foto: Schnurr

Das Geislinger Schloss bleibt weiter als mögliche Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge im Gespräch.

Geislingen - Das ehemalige Wasserschloss hat nach seiner Zeit als einstiger Adelssitz schon unterschiedlichste Verwendungszwecke gesehen. Beispielsweise waren 1904 nach dem Binsdorfer Stadtbrand 69 Kinder aus dem Nachbarort im Schloss untergebracht, die ihr Heim verloren hatten. Ein Jahr lang wohnten sie darin.

Zwischen 1927 und 1965 diente das Gebäude unter anderem als Schule. Später bot es Räume für viele Vereine, die mit Ausnahme der Gartenfreunde inzwischen anderswo untergebracht sind.

Derzeit steht das historische Gebäude fast leer

Ab 2014 wurden die Zimmer im ersten und zweiten Stock modernisiert, sodass sie zuerst vom katholischen Kindergarten St. Michael und dann von den Geislinger Schulen genutzt werden konnten. Deren Umbauten sind inzwischen abgeschlossen, das Schloss steht bis auf die Stadtbücherei leer.

Strom, Wasser, Heizung und Sanitärräume, sogar Kochmöglichkeiten sind aber noch vorhanden. So lag es nahe, dass Stadtverwaltung und Gemeinderat überlegten, einen Teil der seit Beginn des Kriegs in der Ukraine auch nach Geislingen kommenden Menschen darin unterzubringen.

Stadtverwaltung rechnet mit mehr Flüchtlingen

Nötig war das noch nicht: Es sind bislang nur so viele Ukrainer nach Geislingen gekommen, dass diese privat, im katholischen Schwesternhaus und in anderen städtischen Gebäuden untergebracht werden konnten.

Dennoch hält die Stadtverwaltung das Schloss weiter bereit, um es bei Bedarf als Unterbringungsmöglichkeit nutzen zu können. Denn, berichtet die stellvertretende Hauptamtsleiterin Theresa Schaitel, sowohl der Städte- und Gemeindetag als auch das Landratsamt haben jüngst über die angespannte Situation bei der Unterbringung von geflüchteten Menschen in Baden-Württemberg berichtet: "In den nächsten Wochen und Monaten ist demnach mit weiter steigenden Zugangszahlen zu rechnen, weshalb es dringend erforderlich ist, weitere Unterbringungskapazitäten in den Städten und Gemeinden zu schaffen."

Bis zu 30 Ukrainer könnten untergebrac werden

Im Schloss wird es Schlafräume mit Betten und Schränken geben, außerdem Aufenthaltsräume mit Küche und Sitzmöglichkeiten. Das Mobiliar ist teilweise bereits vor Ort, teilweise steht es bereit und muss nur noch aufgebaut werden. Die Stadt hält auch eine Grundausstattung der Küchen sowie Bettwäsche und Handtücher bereit.

Zunächst soll im Schloss Platz für 30 Personen sein. Falls noch mehr Ukrainer kommen sollten, könnten auch weitere private und kommunale Unterkünfte nötig werden.

Wichtig ist aus Sicht der Verwaltung allerdings eine "sozialverträgliche" Unterbringung. Das heißt, dass nicht zuviele Menschen gemeinsam an einem Ort lebenmüssen.

 Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe findet bereits eine ehrenamtliche Betreuung der ukrainischen Kriegsflüchtlinge in Geislingen statt. Dieses Netzwerk soll weiter ausgebaut werden. Wer dabei helfen möchte, kann sich im Rathaus bei Theresa Schaitel melden (Telefon 07433/96 84 22, E-Mail: t.schaitel@stadt-geislingen.de.