Schampo, Fön, Bürste und etwas Haarlack – mehr braucht Willi Segalotto nicht, um seinen Meisterbart in Form zu bringen. Foto: Wolf-Ulrich Schnurr

Im Juni hat der 72-Jährige mit seiner gepflegten Gesichtszier einen weiteren Vize-Weltmeistertitel errungen. Das war jedoch weder der erste noch der größte Erfolg des Geislingers.

Willi Segalotto hat einen prächtigen, inzwischen weißen Bart: Unter der Lippe voll und etwa zehn Zentimeter lang, die Oberlippe ziert ein gezwirbelter, breiter Schnurrbart.

 

Verdi“ nennt sich dieser Schnitt – das ist eine von 22 Kategorien, die weltweit bei Meisterschaften bewertet werden. Unserer Redaktion beantwortet der ehemalige Karosseriebaumeister Fragen, die Einblicke in das ungewöhnliche, aber ansehnliche Hobby „Bart“ geben.

Wie lange tragen Sie den „Verdi“ schon?

„Seit 25 Jahren.“ Ebenso lang ist Segalotto Mitglied im Schömberger Bartclub – der inzwischen gestorbene Otto Schmid aus Geislingen hat ihn damals zu dessen Treffen mitgenommen. Vor 20 Jahren hat er dann die ersten Titel geholt. Schon davor hatte er Bart, aber meist nur auf der Oberlippe oder am Kinn. „Schwarz war er auch mal“, erinnert sich der Ruheständler und lacht.

Warum ausgerechnet der „Verdi“?

„Weil mir das am besten steht, meine ich. Und das sehen wohl viele so. Sonst hätte ich nicht so viele Titel gemacht.“ Komplett ist der Bart indes nur mit Zylinder und schwarzem Frack – die hat er sich extra für seine Teilnahme an Wettbewerben gekauft.

Warum lieber Bart als glatt rasiert?

„Als junger Kerle war ich etwas faul. Ich dachte, mit Bart müsse ich keine Rasur machen. Inzwischen ist das sogar aufwendiger als ohne Bart.“

Was müsste man Ihnen bieten, damit Sie sich rasieren?

„Den schneide ich mir nicht ab. Mir reicht was ich an Geld habe. Und so schön, wie der Oberlippenbart jetzt ist, würde mir der kaum noch nachwachsen.“ Inzwischen kenne ihn auch jeder nur mit Bart.

Welche Titel haben Sie schon errungen?

„Zwei Welt-, zwei Europa- und zwei deutsche Meister. Dazu kamen viele zweite und dritte Plätze.“ Zweimal hat er gemeinsam mit dem Bartclub sogar an Weltmeisterschaften in den USA teilgenommen. Das Barttragen sei „ein wenig Spinnerei, ein Hobby. Ich stehe dazu.“

War das der bislang wichtigste Erfolg für Sie und Ihren Bart?

„Der Weltmeistertitel 2005 in Berlin“, sagt Segalotto stolz. „Da habe ich mich in der Hauptstadt gegen mehr als 30 Konkurrenten durchgesetzt.“

Auf den Weltmeistertitel, den er 2005 in Berlin errungen hat, ist Willi Segalotto besonders stolz. Foto: sb/Schnurr

Seit wann nehmen Sie an solchen Wettbewerben teil?

Erstmals preisgekrönt wurde Segalottos Bart bei der Weltmeisterschaft 1999: In Ystad in Schweden errang er damals den dritten Platz.

Sitzen auch Damen in der Jury?

„Ja, unter den sieben Preisrichtern sind oft auch Frauen. Meist sind es Friseurinnen.“

Apropos Damen – wie findet Ihre Frau Ihren Bart?

„Wir sind 50 Jahre verheiratet, sagt Roswitha Segalotto. „Da ist man’s gewöhnt.“

Wie küsst man mit einem Bart?

„Wie vorher auch“, sagt Roswitha Segalotto und lacht. „Am Anfang hat’s ein wenig gestupft. Inzwischen bin ich das gewohnt.“

Wie schläft man damit?

„Wie ohne Bart. Ich benutze keine Bartbinde. Wenn er nicht mehr in Form ist, dann ist das halt so.“ Morgens vor dem Spiegel braucht er etwa eine Viertelstunde für die Bartpflege. „Aber ich schaffe es auch in fünf.“ Vor Wettbewerben nimmt er sich etwa eine halbe Stunde Zeit.

Schneiden Sie selbst?

Zu Beginn seiner Bartkarriere sei er zwei Mal beim Barbier gewesen, um sich was abzuschauen. Seither setze er selbst die Schere an. „Ich bin ja handwerklich begabt“, sagt er schmunzelnd. Um alle Haare in die richtige Länge zu bringen, benötigt er allerdings einen Dreifachspiegel, um den gesamten Bart im Blick zu haben.

Welche Pflegetipps haben Sie für angehende Bartträger?

„Ich schaffe nur mit Haarlack, um den Bart in Form zu bringen“, betont Segalotto. Ansonsten nehme er ganz normales Shampooo: „Mein Bart wird gewaschen wie’s Haar, trocken gefönt und dann gebürstet. „Ich bin nicht der, der ganz viel tut. Bislang hat’s immer gereicht“, findet er mit einem Blick auf die Zimmerecke, in der Pokale und Urkunden aus 20 Jahren ausgestellt sind. „Ich kann nicht jedem empfehlen, Bart zu tragen. Das muss man wollen und man muss sich damit wohlfühlen.“

In einer Zimmerecke künden Pokale und Fotos von den Erfolgen der vergangenen 20 Jahre. Foto: sb/Schnurr

Welcher Prominente hat aus Ihrer Sicht den schönsten Bart?

„Horst Lichter“, lobt Segalotto. „Und Ingo Lenßen.“ Beide haben zwar keinen Meistertitel, aber fast ebenso schön gezwirbelte Bärte wie der Geislinger.