Dieses Grundstück in kommunalem Besitz zwischen Spielplatz und Bushaltestelle ist die erste Fläche, auf der auf Vorschlag von Binsdorfs Ortsvorsteher Hans-Jürgen Weger eine Hochzeitswiese ausgewiesen wird. Foto: Schnurr

Ortschaftsrat Binsdorf stimmt für Hans-Jürgen Wegers Vorschlag. Sechs Apfelbäume haben auf der Fläche Platz.

Geislingen-Binsdorf - Ein richtiger Apfelbaum sei doch ein viel ansprechenderes Geschenk für Frischvermählte als ein Essensgutschein oder eine Topfpflanze, findet der Ortsvorsteher Hans-Jürgen Weger. Wachsen könnten diese Gaben für in Binsdorf getraute Paare künftig auf einer neuen "Hochzeitswiese".

 

Einen entsprechenden Vorschlag hat Weger am Montag dem Ortschaftsrat vorgestellt.

Die Idee an sich ist im Kreis nicht neu: Bereits 2005 wurde in Rangendingen an der Owinger Halde eine solche Hochzeitswiese eingeweiht (der Schwarzwälder Bote hat berichtet). Einmal jährlich erhalten frisch vermählte Ehepaare Gelegenheit, dort einen Baum zu setzen.

Getraute bleiben mit Ort verbunden

Die Gemeinde Rangendingen unterstützt diese Pflanzaktion: Sie stellt den Brautpaaren junge Apfel-, Birn-, Zwetschgen- oder Kirschenbäume sowie Pflanzpfahl, Verbisskorb und Baumhülse kostenlos zur Verfügung und hebt die Pflanzgruben aus.

Der langfristige Nutzen ist klar: Getraute bleiben so langfristig mit dem Ort verbunden - durch den Baum als Erinnerung. Sie dürfen auch die Früchte ernten. Und da ihnen die Pflege des Hochzeitsbaums obliegt, ist dafür gesorgt, dass die allmählichwachsende Streuobstwiese ansehnlich bleibt.

Entsprechendes wünscht sich auch Hans-Jürgen Weger für Binsdorf: "Ich hoffe, dass viele Binsdorfer in Binsdorf heiraten, damit sie hier einen Baum setzen dürfen." In der Ortschaftsratssitzung am Montag wies er indes darauf hin, diese Idee entstamme eigentlich dem Geislinger Bürgerbüro.

Über Fläche für Bäume abgestimmt

Aus Sicht des Ortsvorstehers wäre es der Akzeptanz und Bindung förderlich, wenn für die Hochzeitsweise ein Grundstück innerorts gewählt würde, "und nicht irgendwo draußen, etwa beim Sportplatz". Deshalb machte er sich für einen Wiesenstreifen in kommunalem Besitz stark, der vom Spielplatz an der Lochensteinstraße bis hinunter zur Bushaltestelle gegenüber dem Stadtbrunnen reicht. Dort verlaufen zwei große Kanalrohre vom Wohngebiet zur Ortsdurchfahrt, weshalb die Parzelle nie bebaut werden dürfte. Sechs große Apfelbäume haben darauf Platz, wenn erstmal der "Wildwuchs" gestutzt und alle Wurzeln entfernt sind.

Bei drei Enthaltungen stimmte der Ortschaftsrat sowohl der Idee "Hochzeitswiese" grundsätzlich als auch der vorgeschlagenen Fläche zu. Auf Vorschlag von Albert Eberhart sollen, wenn diese einmal bepflanzt ist, weitere Obstbäume auf kommunalen Wiesen entlang der Loreto-Straße zum Kesselberg gesetzt werden: "Da gehen jeden Tag Leute raus. Dort sind die Bäume viel mehr im Bewusstsein", hatte dieser für jenen Standort argumentiert.

Der nächste Schritt nach dem Abräumen der ersten Wiese unweit des Rathauses soll dann die Auswahl der Apfelsorten sein, die dort gepflanzt werden. Dabei könnte Binsdorf sich von Überlegungen der Gemeinde Wiernsheim inspirieren lassen: In dem Ort im Enzkreis gibt es ebenfalls seit etlichen Jahren diesen Brauch.

In Rangendingen stehen übrigens inzwischen fast 200 Obstbäume auf der dortigen Hochzeitswiese. In Binsdorf wird es noch eine Weile dauern, bis es so viele sind. Doch ein Anfang ist absehbar: Bereits am kommenden Samstag will der Ortsvorsteher in seiner neuen Funktion als Eheschließungsstandesbeamter das erste Paar trauen. Vielleicht sind die künftigen Eheleute dann auch unter jenen, die als erste einen Baum auf der Wiese pflanzen.