Zum klassischen Spandalen (von links) und der allerersten Geislinger Fasnetsfigur, dem Pelzrutscher, ist 2015 das Schopflaweible hinzugekommen. Foto: Schnurr Foto: Schwarzwälder Bote

Jubiläum: Fasnetsfiguren: In 60 Jahren Narrenzunft ist die Zahl der typischen Geislinger Masken und Kleidle überschaubar geblieben

Als die Geislinger Narrenzunft 1960 formell gegründet wurde, gab es in der damaligen Gemeinde noch keine eigene Fasnetsfigur. Im Jubiläumsjahr 2020 existieren drei typische Masken und Kleidle.

Geislingen. Max Jauch, Initiator und Mitgründer des Vereins, entwarf und fertigte im Lauf des ersten Jahres den grimmigen Pelzrutscher. Die Figur basiert auf einem zottigen Ungeheuer, das angeblich kettenklirrend im Geislinger Wasserschloss umgegangen sein soll. Sein Name ist wohl eine Anspielung auf Beelzebub und damit den Teufel.

Die zahnbewehrte Schreckmaske des Pelzrutschers symbolisiert das Ungeheuer, der Pelz an der Maske steht für das Zottige und das "Gschell"" – die umgehängten Glocken – für die Ketten der Sagengestalt. Außerdem tragen die Narren einen weißen Rollkragenpullover, weiße Handschuhe und ein Kleid mit den rotweißen Zacken des Ortswappens. Nicht nur beim heimischen Umzug, sondern auch auswärts ist es beeindruckend, wenn Dutzende oder gar Hunderte Pelzrutscher in diesen Signalfarben durch die Straßen ziehen.

Der Pelzrutscher hatte 1961 seinen ersten Auftritt bei der Fasnet. Im Jahr darauf folgte der freundliche Spandale, ebenfalls von Max Jauch entworfen und geschnitzt, dem späteren Ehrenpräsidenten der Geislinger Narren.

"Spandale" ist der Spitzname, den die Geislinger früher in umliegenden Orten trugen. Die so benannte Fasnetsfigur hat eine Glattmaske, die heiter oder spöttisch blickt. Dazu werden ein Kopftuch mit einer daran befestigten Sandalen getragen sowie eine aus Hanf gefertigte Haarattrappe mit bunten Bändern und Perlen, die die Maske umrahmt.

Das Häsoberteil ist mit dem Stadtwappen oder alten Ansichten aus Geislingen bemalt, die Hose mit Tier- oder Menschenmotiven. Weiter tragen die Spandalen Glocken an einem Lederriemen.

Die jüngste Geislinger Narrenfigur ist das Schopflaweible, das nach Zustimmung des Narrenfreundschaftsrings seit der Fasnet 2016 offiziell ist. Die Idee dazu kursierte schon länger in der Zunft: Als Schopflaweible war Werner Schlaich zuerst Anfang der 2010er-Jahre aufgetreten.

Der Name und das Aussehen stammen aus der Geislinger Ortsgeschichte: In den Jahrhunderten der Adelsherrschaft über Geislingen sammelten alte, alleinstehende Frauen im Gewann Schopflen Brennmaterial für den Winter. Von einem Leben voll harter Arbeit gezeichnet, waren sie oft gebeugt und wirkten auf Kinder erschreckend.

2015 hatten sich Mitglieder der Zunft und das Brauchtumsgremium des Narrenfreundschaftsrings Zollernalb zusammengesetzt und beraten, wie das Weible als Fasnetsfigur aussehen soll: Eine alte, freundliche Frau entstand, passend zur Hintergrundgeschichte. Die Maske hat Otto Schmid entworfen, das Häs stammt von Schneidermeisterin Carmen Schmid.

Das Schopflaweible hat ein faltiges, freundliches Frauengesicht, umrahmt von Pferdehaar als Haarattrappe. Das Häs ist aus Leinen, entsprechend der Kleidung der einfachen Geislingerinnen in früherer Zeit.

Das Oberteil ist beige, Kopftuch und Rock dunkelbraun. An den Ärmeln ist das rot-weiße Zickzack des Stadtwappens eingearbeitet, ebenso an der Unterkante des Schurzes. Diesen zieren Bilder des Schlosses und des Schopflenwalds. Schwarze Strickhandschuhe und Lederstiefel sowie eine Ziegenfelltasche runden das Erscheinungsbild ab.

Zimmerer der Zunft spielen seit 2001 eine wichtige Nebenrolle

Eine Nebenrolle spielen die Zimmerer der Zunft, die im strengen Sinn keine Fasnetsfigur darstellen – aber eine wichtige: Seit dem Jubiläum des 40-jährigen Bestehens der Zunft 2000 wird der Geislinger Narrenbaum mit schierer Muskelkraft vor dem Schloss aufgerichtet, nicht mehr mit städtischem Gerät.

Seit 2001 liegt diese Aufgabe in der Hand der Zimmerergilde, die auch die Umzüge der Geislinger Narren begleitet und seit 2006 einheitliche Kleidung trägt: Eine Zimmerertracht, einen Hut mit Federn, die den Status der jeweiligen Person in der Gilde andeuten, und einem Emblem, das ein Fässchen mit dem Geislinger Stadtwappen zeigt. An den Westen und Jacken ist das Wappen der Narrenzunft befestigt.