Fasnet: Carmen Schmid hat den neuesten Geislinger Weißnarren mit Wappen und Bauwerken bemalt
Bunt leuchten die Farben der Stoffstücke auf dem Tisch vor Carmen Schmid. Die Geislingerin hat erstmals ein Häs für den Spandalen bemalt, den Weißnarren der örtlichen Zunft – und löst damit Begeisterung aus.
Geislingen. "Echt toll", staunt Jens Birkle über die Bilder von Zehntscheuer, Kirche, Schloss und Pavillon sowie die vier Wappen, die Carmen Schmid mit Stofffarbe auf das weiße Leinenmischgewebe gezaubert hat. Der Brauchtumsmeister und Schellenmacher der Geislinger Narren sieht am Mittwochmittag erstmals die fertigen Bilder.
Als Brauchtumler hat Birkle den überörtlichen Vergleich zu anderen Weißnarrenhäs’ und sagt: "Von der Qualität der Bilder her musst lang nach Vergleichbarem suchen."
Angetan ist auch Geislingens Stadtarchivar Alfons Koch. Nicht nur wegen der kunstvollen Ausführung der Bilder: "Das Häs stellt erstmals eine direkte Verbindung der Zunft zur Ortsgeschichte her", sagt er.
Zum einen haben die gemalten, fast wie fotografiert wirkenden Bauwerke historische Bedeutung. Zum anderen verweisen die Wappen auf die Adelshäuser Bubenhofen, Pürschütz, Stotzingen und Stauffenberg, die im Lauf von 700 Jahren über Geislingen geherrscht haben. Die heraldischen Bilder werden Arme und Beine des Narren schmücken, nachdem Schmid das Häs zusammengenäht hat. Koch, bislang kein aktiver Narr, gesteht, dass ihn das neue Häs beinahe reizen würde, in der Fasnet mitzujucken.
Ganz bescheiden bleibt hingegen die Künstlerin selbst: "Im Geschäft ist’s gerade ruhig", berichtet die 43-jährige, gelernte Schneiderin lächelnd. Deshalb habe sie ihr Hobby vorgezogen. Für das Malen hat sie nur knapp drei Wochen gebraucht.
Schmid malt seit etwa zehn Jahren. Eigene Bilder schmücken die Wand ihres Büros inm Boschweg. Kurse hat sie nie besucht, "aber ich hab schon in der Schule gute Noten in Kunst gehabt." Die Vorlagen für das Häs hat sie nach vergleichsweise lockeren Vorgaben der Zunft ausgesucht – unterstützt von Archivar Koch, dem sie bei der Recherche im Rathaus begegnet ist.
Dem ersten Spandalenhäs mit Geschichtsbezug sollen noch zwei weitere folgen. Zwei gehen in den Besitz der Zunft über, die sie verleihen will, eines möchte Jens Birkle tragen.
Ob das neueste Häs noch in der Fasnet 2017 zu sehen sein wird, ist bislang unsicher. Dazu fehlen eigentlich noch eine Maske und das Geschell. Doch Birkle und der stellvertretende Zunftmeister Matthias Killmayer sind zuversichtlich: Zum Staatsempfang am 22. Februar in Stuttgart soll der neue Spandale mit.