Auch der Ortseingang von Balingen her soll langfristig neugestaltet werden. Er liegt im Sanierungsgebiet.  Foto: Schnurr Foto: Schwarzwälder Bote

Zukunft: Geislinger Gemeinderat legt Gebiet fest, das bis 2032 aufgewertet werden soll / Geschätzt 3,55 Millionen Euro Kosten

Trotz der schwierigen finanziellen Situation kommt zumindest der zweite Teil der Geislinger Stadtkernsanierung einen Schritt voran.

Unter großem Vorbehalt stehen wegen der schwierigen Haushaltssituation infolge der Corona-Krise die meisten kommunalen Vorhaben in Geislingen. Zumindest der zweite Teil der Stadtkernsanierung schreitet nun aber einen Schritt voran.

Geislingen. In seiner jüngsten Sitzung hat der Geislinger Gemeinderat den Bereich der Kernstadt festgelegt, der in den kommenden achts bis zehn Jahren städtebaulich, funktional und optisch aufgewertet werden soll. Dieser umfasst neben Vorstadt- und Brühlstraße auch das Schloss und das Freibad sowie das ehemalige Plessing-Areal.

Wolfgang Fürst, Projektleiter für Planung und Städtebauliche Erneuerung bei der Kommunalentwicklung der LBBW Immobilien, ging bei der Vorstellung der Vorbereitenden Untersuchung (VU) auf einige Details ein. So soll die Stadtkernsanierung II im vereinfachten Verfahren nach Paragraf 142, Absatz 4 des Baugesetzbuchs erfolgen. Das hat für die Besitzer von Grundstücken im betreffenden Bereich den Vorteil, dass sie keine Ausgleichszahlungen leisten müssen, weil Stadt und Planer durch die Sanierungen keine oder nur sehr geringe Bodenwertsteigerungen erwarten.

Fürst ging zudem kurz auf die Ergebnisse Umfrage im Herbst 2019 zur Stadtkernsanierung ein. Demnach sind 80 Prozent der Privateigentümer im betreffenden Gebiet bereit, auf jeden Fall oder zumindest vielleicht das eigene Gebäude zu sanieren.

60 Prozent der befragten Geislinger sagten aber auch, der individuelle Wohnwert könnte höher sein. Um daran etwas zu tun, können sie Unterstützung aus dem Förderprogramm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" erhalten. Wesentliche Ziele darin sind die bauliche und energetische Modernisierung privater Gebäude. Bis Ende 2032 müssen öffentliche und private Sanierungen im genannten Bereich abgeschlossen sein, wenn sie Fördergeld erhalten wollen.

Apropos Zuschüsse: Der Geograf Wolfgang Fürst hat errechnet, dass rund 3,55 Millionen Euro nötig sein werden, wenn alle in Frage kommenden Objekte im Gebiet "Stadtkernsanierung" instandgesetzt werden. 40 Prozent der Kosten, also 1,42 Millionen Euro müsste die Stadt Geislingen beisteuern. Bisher ist ein förderfähiger Umfang von 1,33 Millionen Euro bewilligt.

Die schon lange auf der Agenda stehende, auch für die Stadtentwicklung bedeutsame Erneuerung der Ortsdurchfahrt wird wegen der wegbrechenden Haushaltseinnahmen in den nächsten Jahren nicht realisiert werden können. Gleichwohl betrifft die jetzt förmlich auf den Weg gebrachte Stadtkernsanierung dieses "Filetstück" der Sonnenstadt direkt: Die gesamte Vorstadtstraße zwischen Kleider-Müller und Bachstraße liegt im Sanierungsgebiet und soll von der Förderung profitieren.

Auch eine umfassende Instandsetzung des Schlosses liegt derzeit weit hinter dem zeitlichen Horizont. Doch auch das historische Gelände und insbesondere die unattraktive Asphaltfläche des Schlossplatzes davor rücken mit der Stadtkernsanierung auf lange Sicht in den Fokus.

Gleiches gilt für das Schlossplatzzentrum, den Betonbunker aus den 70er-Jahren, der das zu klein gewordene Feuerwehrgerätehaus beherbergt. Auch etliche Neu-Geislinger könnten mittelbar von der Förderung profitieren: Die Instandsetzung der holprigen Straßen rund um das neue "Sonnen-Domizil" auf dem Plessing-Areal wurde bekanntlich zurückgestellt, um Geld aus dem Sanierungsprogramm erhalten zu können.

Unabhängig davon wie sich die Lage der städtischen Finanzen in nächster Zeit entwickelt: Auf lange Sicht wird die Stadtkernsanierung II ein wichtiges Element der Neugestaltung der Geislinger Kernstadt werden.

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