Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Geislingen Mutter mit Messer attackiert: Prozess offenbart erschütternde Details

Von
Über seine Person und den Hergang der Tat berichtete der Angeklagte hinter verschlossener Türe. Foto: Schnurr

Geislingen-Binsdorf - Der zweite Verhandlungstag des Prozesses gegen einen gebürtigen Binsdorfer hat am Montag weitere Einzelheiten in die Öffentlichkeit gebracht.

Die Anklageschrift hatte den Tathergang bereits plastisch dargestellt. Am zweiten Prozesstag im Hechinger Landgericht ging es nun um Details. Diese erbrachten vor allem die Aussage eines Polizeibeamten sowie Mitschnitte der Anrufe des Täters und seiner Schwester bei der Polizei.

"Ich brauch’ einen Streifenwagen", sagt der 55-jährige Angeklagte in der Aufnahme mit ruhiger Stimme. "Ich hab grad mei’ Mutter erstochen." "Lebt sie noch?", fragt der Beamte. "Das weiß ich nicht", antwortet der Mann. "Ist mir auch scheißegal."

Kurz nach der Tat "absolut gefasst"

Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs liegt die mit einem Stich in den Bauch schwer verletzte 79-jährige Mutter des Angeklagten in einer Blut­lache auf dem Parkettboden in ihrer Wohnung in Binsdorf. Gleich neben ihr die Tatwaffe, ein zwölf Zentimeter langes Survivalmesser mit gezackter Oberkante. Ihr Sohn spricht mit der Leitstelle und geht aus dem Haus, wo zwei Streifenwagen eintreffen und die Polizisten ihn festnehmen.

"Das Besondere war, dass er absolut gefasst war, trotz dem, was er gerade gemacht hatte", berichtete der Beamte, der am Sonntag, 24. März, um 8.11 Uhr als erster am Tatort gewesen ist. Der Mann habe weder gestottert, noch geschwitzt oder aufgeregt gewirkt – eher apathisch. Er sei gefasst und kooperativ gewesen, habe aber auf die Frage nach seiner Mutter gleichgültig reagiert.

Der nun als Zeuge geladene Polizist fand die lebensgefährlich verletzte Seniorin am Durchgang zwischen Küche und Esszimmer. Sie habe noch geatmet und gewimmert. Es sei ihm aber wie eine Ewigkeit vorgekommen, bis die Notärztin eintraf: "Ich hatte Angst, dass die Frau stirbt."

Verurteilung wegen Mordes möglich

Gestorben ist der Rentnerin Ende Juni. Eine Notoperation rettete ihr nach der Messerattacke noch das Leben. Ob ihr Tod drei Monate später eine direkte Folge der Untat gewesen ist, soll am Dienstag die Aussage der Ärztin klären, die die Verstorbene obduziert hat. In diesem Fall wäre trotz der Anklage auf versuchten Mord auch eine Verurteilung wegen Mordes möglich.

An die Grenze des Erträglichen trat das Gericht dann mit der Wiedergabe des Notrufs der Schwester des Angeklagten, die zum Tatzeitpunkt im Obergeschoss des gemeinsamen Elternhauses schlief: "Mein Bruder brennt durch. Der ist mit einem Messer in der Hand vor meinem Bett gestanden", berichtet die Frau in ihrem Notruf.

Da wusste sie bereits, dass der Bruder ihrer Mutter etwas angetan hatte: "Die Mutter ist schon fast tot, jetzt müsst ihr mich bloß noch fangen", hatte er zu ihr gesagt, nachdem er sie geweckt hatte.

Schwester schließt sich im Zimmer ein

Nachdem er das Schlafzimmer verlassen hatte, schloss sich die Frau darin ein: "Ich kann nicht mal nachschauen, was mit der Mutter ist!", sagt sie in dem Mitschnitt verzweifelt weinend zu dem Polizisten am Telefon. Der ermahnt sie mehrfach, bloß im Raum zu bleiben und nicht hinunter zu gehen. Erst als die Streifenwagenbesatzungen im Haus sind, traut sie sich das.

Das erschütternde Tondokument macht verständlich, warum die 60-Jährige in der Hauptverhandlung ihr Zeugnisverweigerungsrecht nutzt und nicht noch einmal über die Bluttat sprechen will. Auch der Angeklagte hat über seinen Rechtsanwalt Nichtöffentlichkeit für seinen Bericht über die Tat jenen Tag und seine Lebenssituation beantragt und vom Gericht bewilligt bekommen.

Zumindest ein Ergebnis dieser Aussage wurde am Montag aber öffentlich: Der Angeklagte – wieder mit Fußfessel in den Saal geführt – hat ein Geständnis abgelegt, das nur in kleinen Details von den Ergebnissen in seiner Vernehmung abwich.

Eindeutig waren auch die Spuren an der Tatwaffe, die ein Kripo-Beamter dem Gericht vorlegte: Daran gefundene Textilfasern stammten vom pinken Morgenmantel der Angegriffenen, daran klebendes Blut und Gewebe wurden den Frau zugeordnet.

Ein letztes Detail: Wie schon kurz nach der Attacke spekuliert wurde, scheint es um eine Erbstreitigkeit zwischen Mutter und Tochter auf der einen und dem Sohn auf der anderen Seite gegangen zu sein. Das lässt eine geplante Tat vermuten.

 Die Verhandlung wird am Dienstag um 9 Uhr fortgesetzt. Dann kommen neben der Gerichtsmedizinerin die Notärztin, ein Krankenpfleger, ein psychiatrischer Gutachter sowie Angehörige des Angeklagten als Zeugen zu Wort.

Artikel bewerten
13
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.