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Geislingen Kultusministerin steht Rede und Antwort

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Ministerin Susanne Eisenmann wirbt auf die Frage von Moderatorin Valentina Kandler (im Hintergrund) für eine Pädagogik im Sinne von Pestalozzi. Foto: Ungureanu

Geislingen - Kultusministerin Susanne Eisenmann, Spitzenkandidatin der Christdemokraten für den baden-württembergischen Landtag, hat mit rund 70 Interessierten in der Geislinger Schlossparkhalle über Digitalisierung, Unterricht und Vereinbarung von Familie und Beruf diskutiert. Und situationsbedingt über Gesundheitsschutz in Zeiten von Corona.

Sie sei nicht hier, um einen Vortrag zu halten, betont die promovierte Germanistin und Politikwissenschaftlerin. Sie sei hier für eine Aussprache, um "über Themen zu diskutieren, die den Menschen am Herzen liegen". Im Lauf des Abends zeigt sich, dass es viele solche Themen gibt – und viele Wünsche.

Lehrer sind keine Techniker

Der erste kommt vom Hausherrn, dem Geislinger Bürgermeister Oliver Schmid: ein schnelleres Internet, über die Vorgabe von 30 Megabit pro Sekunde: "Dafür wären wir sehr dankbar." Auf das Angebot von Dezernent Karl Wolf, der im Landratsamt für Breitbandausbau, Digitalisierung und Kreisschulen zuständig ist, geht die Ministerin gerne ein – die Fortbildungsstelle für Lehrer, die sich für den digitalen Unterricht fit machen wollen, ins neue Kreismedienzentrum zu integrieren. Dabei betont sie, dass der Lehrer nicht gleichzeitig auch dafür zuständig sein dürfe, "dass das Gerät funktioniert": "Sie sollen damit arbeiten, aber nicht gleichzeitig auch gucken müssen, dass es läuft."

An den Kosten für IT-Fachleute wolle sich das Land beteiligen. Und: Digitales Lernen solle es nur geben, wenn Mehrwert entstehe. Heißt: digitales und analoges Lernen müsse in den Unterricht integriert sein. Digitaler Unterricht werde notwendig sein, "wenn eine zweite Corona-Welle kommt und die Schulen wieder geschlossen werden müssen".

Dazu müssten Pläne ausgearbeitet werden, meint Moderatorin Valentina Kandler, Mutter von zwei Jungs: "Welche Ausstattung brauche ich? Habe ich sie zu Hause? Wann und wie kann ich üben und lernen mit meinem Kind?" Ausstattung, sagt die Ministerin, werde vom Land finanziert. Und erwähnt 300 000 Laptops, die für Schüler und Lehrer angeschafft werden. Auch eine Ausstattung der Kitas sei nötigt, sagt eine Zuhörerin.

Eisenmann ist in vielen Punkten einer Meinung

Stichwort frühkindliche Erziehung. "Da bin ich voll umfänglich Ihrer Meinung", sagt die Ministerin. Den Satz wiederholt die 55-Jährige an diesem Abend noch einige Male. Man ist sich einig, dass man in Zukunft mit dem Virus werde leben müssen, und dass Gesundheitsschutz eine entscheidende Rolle spielen werde. Zugegeben, was man zu Beginn der Pandemie "an Schulen und Lehrer gegeben hat, war mäßig". Aber: "Es wurde besser, und es wird sich im September, falls eine zweite Welle kommt, deutlich verändert haben." Es gehe um Ausstattung, aber es gehe auch darum, zu erfahren, wie man damit umgeht. "Pädagogisch ist die Zielsetzung klar", sagt Eisenmann. Ohne digitale Medien gehe heutzutage nichts mehr, aber auch Bücher seien wichtig. Und Zeitungen. Und Rechtschreibung. Dabei dürfe man nicht sofort an ein Rechtschreibprogramm denken. "Wir wollen Technik beherrschen, nicht von der Technik beherrscht werden."

Wie sieht es mit dem Gesundheitsschutz für Lehrkräfte an Grundschulen aus? Wie soll damit umgegangen werden, wenn ein zweiter Lockdown kommt? Zum Beispiel als Alleinerziehende mit zwei Kindern im Homeoffice? Und wie sieht es mit der Wirtschaft aus? Dass man unverschuldet – durch Corona – in eine Wirtschaftskrise gelangt sei, "konnte keiner kommen sehen", sagt die Ministerin. Ein zweiter Lockdown, da ist man sich einig, wäre eine Katastrophe. Dass man nicht wisse, wie es nach der Kurzarbeit weitergehen werde – in ein Beschäftigungsverhältnis oder in Arbeitslosigkeit – auch nicht. Die Ministerin macht ein wenig Wahlkampf: Den Verbrennungsmotor, den der Koalitionspartner gerne abschaffen würde, werde es auch in zehn oder 20 Jahren noch geben.

Verantwortung für 1,5 Millionen Schüler

Anderes Thema: Musikunterricht an Schulen? Er sei wichtig und schön. Aber Chorgesang und Blasmusik seien vorerst nicht möglich. Da trage sie Verantwortung für 1,5 Millionen Schüler. "Wir können nicht sagen, das probieren wir einmal aus". Allgemeine Regeln seien erforderlich: "Muss man ein Kind testen, wenn es eine Erkältung hat?" Wenn ein Kind zweimal niese, dürfe es nicht für zwei Wochen nach Hause geschickt werden: "Das geht nicht", sagt Eisenmann und erinnert an den "Schnupfengipfel", bei dem von Landesgesundheitsministerium und Ärzten eine Handreichung ausgearbeitet worden sei: "Welche Symptome führen zu was?" Die Schlussfolgerung: "Jeder hat es selbst in der Hand."

Die Zahl der Menschen, die glaubten, dass die Erde eine Scheibe sei, nehme exorbitant zu, bemerkt die Politikerin und wirbt für ein ganzheitliches Lernen im Sinne von Pestalozzi: das Gleichgewicht zwischen humanistischer und technischer Bildung müsse bewahrt werden: "Kopf, Herz und Hand". Und Nächstenliebe. Applaus gibt’s am Ende, und ein kleines Geschenk, das Wolfgang Pauli überreicht.

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