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Geislingen Katholisch – und auch offen für andere

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Ob christlich, muslimisch oder konfessionslos: Im Kindergarten St. Michael dürfen alle Kinder an den katholischen Festen teilnehmen. Muslimische Eltern beteiligen sich selbstverständlich an gemeinsamen Unternehmungen oder kommen als "Experten" in die Einrichtung. Nur beim gemeinsamen Essen ist etwas vorausschauende Planung erforderlich. Fotos: Hatzenbühler Foto: Schwarzwälder-Bote

Ostern, Weihnachten, Nikolaus oder St. Martin: Christliche Feste und Heilige spielen im katholischen Kindergarten St. Michael in Geislingen eine wichtige Rolle – auch für die muslimischen Kinder dort.

Geislingen. 88 Kinder besuchen den Kindergarten. Obwohl er von Trägerschaft und Leitbild her eine klar katholische Einrichtung ist, sind darunter 15 muslimische Kinder: "Ihr Alltag unterscheidet sich nicht", sagt die Leiterin Daniela Hatzenbühler.

Muslimische Eltern, so Hatzenbühlers Eindruck, meldeten ihre Kinder oft bewusst in St. Michael an, und nicht bei der kommunalen Kita Pusteblume. Den Grund habe jüngst eine Mutter in Worte gefasst: Ihr sei es wichtig, dass ihr Kind eine religiöse Einrichtung besucht. Zum einen, weil die Kinder so den christlichen Glauben und die Kultur kennenlernten. Zum anderen, weil im katholischen Kindergarten ausdrücklich religiöse Werte vermittelt würden: Miteinander umgehen, Nächstenliebe und Respekt beispielsweise.

"Die sozialen Grundwerte unterscheiden sich nicht groß", vergleicht die Kiga-Leiterin Christentum und Islam – und steht trotzdem klar zur Nähe zur Kirche: "Wir sind katholisch, das ist unser Leitbild." Man müsse das Andere achten, "aber selbst nicht verloren gehen".

Von Seiten der Diözese Rottenburg-Stuttgart bestehe ein klarer Auftrag, Kindern anderer Religionszugehörigkeit auf Augenhöhe und im Dialog zu begegnen. Seit 2008 gibt es den "Kindergartenplan" der Diözese. Zum Umgang mit anderen Religionen in den katholischen Betreuungseinrichtungen heißt es darin unter anderem: "Die Begegnung mit der anderen Religion macht offen für die eigene Religion, weil durch die Begegnung mit dem Anderen die eigene Religion angefragt und hinterfragt wird."

Hatzenbühler erlebt das täglich: Man lerne voneinander, wenn etwa die muslimischen Kinder von den Festen ihrer eigenen Religion berichten. "Sie vergleichen die eigene mit der christlichen Religion. Das befruchtet unsere Arbeit. Das ist eine Bereicherung, keine Last." Das Erzieherinnen-Team will den Kindern ein Urvertrauen vermitteln. "Geborgenheit ist in allen Religionen ein Gedanke." Den christlichen Glauben sieht Hatzenbühler dabei nicht nur als eine der Säulen, sondern als Fundament ihrer Arbeit.

In St. Michael werden indes nicht nur christliche Werte gelebt, sondern auch christliche Feste gefeiert – und die muslimischen Kinder sind mit dabei. Bei den Veranstaltungen, die der Kindergarten in der Kirche mitgestaltet, etwa zu Erntedank, seien sie prozentual genau so stark vertreten wie Kinder aus katholischen Familien, so die Kiga-Leiterin.

Das Martinsfest kommende Woche ist ein solcher Anlass: Beim Kirchenspiel sind sechs der 20 tanzenden Kinder muslimischen Glaubens. Eine Säkularisierung des Martinstags als "Sonne-Mond-und-Sterne-Fest" steht trotzdem nicht zur Debatte.

"Auftrag, Menschen wertzuschätzen"

Die Gestaltung von Festen im Kindergarten selbst erfordert unter Umständen etwas vorausschauende Planung, ebenso das gemeinsame "Brotdosen-Vesper", zu dem jedes Kind etwas mitbringt: Die Speiseverbote der Muslime werden respektiert. Beim normalen Mittagessen steht auch deshalb immer eine (schweine-)fleischlose Option bereit. "Das ist alles kein Problem, wenn man in gutem Kontakt miteinander steht", ist Hatzenbühler überzeugt.

Überhaupt sind Kommunikation und Transparenz wichtig: Eltern, die ihr Kind anmelden wollen, erhalten gleich im ersten Gespräch den gedruckten Leitfaden von St. Michael. Ganz zentral darin ist der Ansatz "In Gottes Hand geborgen sein" festgehalten.

Wenn sie dann einen Platz haben, beginnt für die kleinen Muslime der ganz normale Kiga-Alltag: Vor dem Essen wird gemeinsam gebetet, Heiligengeschichten werden erzählt, und am Blasiustag, dem 2. Februar, kommt der Pfarrer und segnet, ungeachtet ihrer Religion, die Kinder – es sei denn, die Eltern wünschen das ausdrücklich nicht.

Letztendlich gelte im katholischen Kindergarten: "Vor Gott sind wir alle gleich" – unabhängig von der jeweiligen Religion. "Ich halte es für einen Auftrag als Christ, allen Menschen Wertschätzung entgegenzubringen", bekennt die Kiga-Leiterin.

 Den katholischen Kindergarten in Geislingen gibt es seit 1903. Schon in den 1970er-Jahren kamen muslimische Kinder dorthin – eine städtischen Betreuung gab es damals noch nicht. Die Andersgläubigen waren unter der Ägide der Vinzentinerinnen Außenseiter – seither habe sich die katholische Kirche aber spürbar geöffnet, glaubt Daniela Hatzebühler: "Da hat ein komplettes Umdenken stattgefunden."

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