Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Geislingen Hochwertiges Lebensmittel statt Tierfutter

Von
Matthias (von links), Tina und Tobias Hölle sowie Tobias Vötsch bauen darauf, dass die Verbraucher auch ohne Bundesgesetz bereit sind, ein klein wenig mehr je Ei zu bezahlen, damit die "Bruderhähne" der Legehennen nicht einfach als Tierfutter "entsorgt", sonder als Lebensmittel genutzt werden können.Fotos: Schnurr Foto: Schwarzwälder Bote

Lange, bevor das Thema unlängst von der Bundes-Agrarpolitik ins Scheinwerferlicht gerückt wurde, war das Schicksal männlicher Küken für die regionalen Eierproduzenten bereits relevant.

Geislingen-Binsdorf. Der Binsdorfer Steinefurthof und der Danneckerhof haben schon vor geraumer Zeit begonnen, sich für die sinnvolle Nutzung frisch geschlüpfter Hähne einzusetzen: Bereits vor fünf Jahren haben sich der Geschäftsführer Matthias Hölle und die mit dem Steine­furthof zusammenarbeitenden Eierproduzenten auf dem Kleinen Heuberg der Initiative "Huhn und Hahn" der baden-württembergischen Erzeugergruppe 08 angeschlossen.

Deren Ziel ist es, den Wunsch der Konsumenten aufzugreifen und die eigentlich "unwirtschaftlichen", männlichen Hühner aufzuziehen. Anders gesagt: Statt die Hahnküken unmittelbar nach dem Schlüpfen zu töten, sollen diese aufwachsen und dann einer sinnvollen Verwertung zugeführt werden. "Wir gehen damit dem Wunsch der Verbraucher und der Politik voraus", sagt Matthias Hölle.

Das Vorgehen ist simpel: Der Steinefurthof kauft wie gehabt seine Legehennen ein – fast 30 000 davon gakeln in der Hochsaison in den Binsdorfer Ställen –, doch die zuvor in der Brüterei mit gelegten Hähne werden nicht mit Kohlendioxid getötet, sondern von ihren Schwestern getrennt, als Nutztiere aufgezogen und letztlich zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet.

Tobias Hölle, Mit-Geschäftsführer des Warnberghofs, erklärt: Die quasi als Nebenprodukt der Legehennenzucht schlüpfenden Hähnchen werden antibiotikafrei gefüttert, brauchen aber gut zweieinhalb mal so lange bis zur Schlachtreife wie ein Masthahn. Auch werden sie nicht so schwer wie ihre auf Hochleistung gezüchteten Verwandten und bringen entsprechend weniger beim Fleischverkauf. Die Differenz muss über die Eierproduktion querfinanziert werden.

Dank der Initiative "Huhn und Hahn" werden die Hähne aber sinnvoll genutzt: Beispielsweise verarbeitet die Firma Bürger sie in Geflügelmaultaschen, Biohähnchen werden unter anderem von der Firma Hipp in deren Babyprodukten verwendet.

Im Kern geht es wie so oft ums Geld: Die Aufzuchtbetriebe werden durch die Eierhöfe unter Vertrag genommen und erhalten feste Beträge dafür, die Hähne bis zur Schlachtreife großzuziehen. Hinzu kommen die Kosten für Transport, Schlachtung und Verarbeitung.

Das alles, so die Hoffnung der Erzeuger, soll mit etwas höheren Eierpreisen bezahlt werden. Heruntergebrochen sind die zur Kostendeckung erforderlichen Beträge indes überschaubar: Gerade einmal drei Eurocent je Ei mehr müssen die Verbraucher bezahlen, wenn sie einen anständigen Umgang mit den Legehennen-Brüdern wünschen.

Die eiererzeugenden Landwirte müssen von ihren Produkten leben können und der Kunde muss das bezahlen wollen. Aber: "Die Ernährung wird für die Menschen immer wichtiger", ist Tobias Hölle zuversichtlich.

Der Respekt vor den Tieren, statt diese als "Abfall" zu "entsorgen" oder als billiges Tierfutter zu verwenden, werde für die Verbraucher immer wichtiger, ist Matthias Hölle überzeugt: "Wir erkennen das an und sehen, was der Verbraucher will."

Bislang gibt es zwar noch kein verpflichtendes Gesetz. Trotzdem ziehen die Biobetriebe der 08er-Erzeuger, "Die Eierhöfe aus der Region BW", die Hähne bereits auf. Bis spätestens Ostern 2021 wollen die Landwirte ihre komplette Freilandhaltung entsprechend umstellen. Danach sollen die Bodenhaltungsställe folgen. Vorausgesetzt, die Verbraucher tragen das Vorhaben mit, das auf den beteiligten Höfen mitunter Investitionen im sechsstelligen Bereich erfordert.

Bis kommendes Jahr ist vieles im Aufbau und letztlich entscheiden die Verbraucher, ob sie mit einem gerfingfügig höheren Eierpreis die regionalen, am Tierwohl orientierten Erzeuger unterstützen wollen: Drei Cent mehr je Ei – mit diesem kleinen Betrag könnten alle Küken zu hochwertigen Lebensmitteln werden, statt sie buchstäblich unter Wert zu verfüttern. "Wir sind zuversichtlich, dass unsere Kunden diesen Weg mit uns gehen", sagt Matthias Hölle.

Weitere Informationen: www.huhn-hahn.de

Fotostrecke
Artikel bewerten
3
loading

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.