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Geislingen Gefährliche Flucht mit glücklichem Ausgang

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Für Samuel Kesete beginnt jeden Morgen um 4.30 Uhr der Arbeitstag im Binsdorfer Logistikzentrum der B2 Biopur GmbH. Foto: Steimer Foto: Schwarzwälder Bote

Samuel Kesete lacht im Gespräch viel und hat Grund dazu: Als Schüler ist er aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet. Inzwischen hat er eine abgeschlossene Ausbildung und einen Arbeitsplatz.

Geislingen-Binsdorf. Der inzwischen 23-jährige Samuel Kesete (mit Betonung auf dem zweiten E) gebürtig aus Tokombia im Landesinneren von Eritrea. Im Frühjahr 2015 machte er sich auf den Weg nach Europa.

Der Grund? Nach der zwölften Klasse stand eine schwierige Prüfung an. Hätte er diese nicht bestanden, berichtet er, hätte er im Militär des autoritären Präsidenten Isayas Afewerki dienen müssen.

Flucht sei seine Alternative gewesen – auch wenn es ein gefährlicher Weg gewesen ist: Vom nördlichen Nachbarland Sudan aus gelangte Samuel nach Libyen. Dazu fuhr er eine Woche lang auf einem Pick-up mit 25 Leuten auf der Ladepritsche quer durch die Sahara und gelangte in ein Flüchtlingslager bei Tripolis.

Zwei Monate verbrachte er dort – "zum Glück nur: "Es war immer knapp mit Wasser und Nahrung. Und es gab immer das Gleiche zu essen."

Schließlich ging es nachts mit einem Boot aufs Mittelmeer, in das rund 450 Leute gepfercht waren. Tags darauf wurden sie von einem großen Schiff aufgelesen und nach Sizilien gebracht. Das kleine Boot hätten die Schlepper beschossen und gesprengt, um ihre Spuren zu vernichten.

In Italien wurden Samuels Personalien aufgenommen und er wurde medizinisch untersucht. Mit dem Bus ging es zuerst nach Rom und drei Tage später weiter nach München, wo sein älterer Bruder Efrem bereits ein Jahr früher untergekommen ist.

Doch in der bayerischen Landeshauptstadt konnte Samuel nicht bleiben: Im Juni ging es nach Heidelberg, im November 2015 kam er schließlich nach Balingen.

Der erste Winter im Zollernalbkreis bereitete ihm ein frostiges Willkommen: Als Schnee fiel – der erste, den der junge Afrikaner unmittelbar erlebte –, traute er sich nicht aus dem Haus. Er rief im Sekretarität der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule an, an der er einen Deutschkurs belegte: Er könne nicht kommen.

Der Sprachkurs war für ihn trotzdem ein wichtiger Schritt: Sein Klassenlehrer Raffaele Vincenzi suchte gemeinsam mit den Schülern Praktikumsplätze. Samuel schlug er vor, sich doch beim Biomarkt B2 zu bewerben. Nicht ohne Grund: Samuels Vater betreibt in Tokombia einen Lebensmittelladen und er stand bereits als Kind an der Kasse – "als Marktleiter", sagt er lachend.

Im Mai 2016 kam Samuel so zum ersten Mal mit der Firma B2 in Kontakt: Er stellte sich bei Geschäftsführerin Sabine Franz vor, bekam eine Praktikumszusage und hatte bald danach einen Nebenjob dort. Bei den Stammkunden im Balinger Biomarkt war er aufgrund seiner freundlichen Art schnell beliebt, und nachdem er im Juli 2017 seinen A2+-Sprachtest bestanden hatte, bewarb er sich erfolgreich um eine Ausbildung.

Dass er bei einem vergleichsweise kleinen Unternehmen untergekommen ist, sei ein Glücksfall für ihn gewesen, findet der junge Eritreer: Er hatte direkt mit Chefin und Chef zu tun, und diese unterstützten ihn nach Kräften. Außerdem kam er mit vielen Menschen in Kontakt und lernte dadurch schneller und besser Deutsch als beispielsweise Kumpel, die eine Lehrstelle bei einem Industrieunternehmen fanden.

Im Juni 2019 hat er die Lehre zum Verkäufer erfolgreich abgeschlossen, seit Juli arbeitet er im Packteam des Binsdorfers Logistikzentrums von B2. Dort beginnt sein Arbeitstag bereits um 4.30 Uhr morgens. Außerdem liefert er einmal wöchentlich als Fahrer bestellte Waren aus. Den Führerschein hat er während seiner Lehrzeit neben wöchentlich zwei Tagen Berufsschule und drei Tagen im Betrieb auch noch gemacht – "mein großer Bruder ist stolz auf mich", freut er sich. Inzwischen hat er sich ein eigenes Auto gekauft. "Ich habe ein glückliches Leben", sagt Samuel und lächelt.

Wünsche für die Zukunft hat er trotzdem. Beispielsweise dass er dauerhaft in Deutschland bleiben darf. Seine Aufenthaltsbewilligung ist bislang auf drei Jahre befristet.

Irgendwann will er auch seine Eltern wieder treffen, die er seit fünf Jahren nicht gesehen hat: "Das ist schon lange. Am Anfang war das schwer, aber ich habe mich daran gewöhnt", sagt er und lächelt ausnahmsweise einmal nicht.

Das Problem: Weil er vor dem Militärdienst geflüchtet ist, darf er nicht mehr in sein Heimatland zurück, obwohl er einen Reisepass hat. Um Vater und Mutter zu sehen, müssten sie sich in einem anderen Land treffen – ein neues Ziel, auf das Samuel Kesete hinarbeiten wird.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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