Bis Ende Mai ist das Pfarramtssekretariat noch das kleine Reich von Brigitte Wolpert. Foto: Schnurr Foto: Schwarzwälder Bote

Kirche: Nach 28 Jahren hört Brigitte Wolpert Ende Juni als Pfarramtssekretärin von St. Markus auf

Spätestens seit die katholische Kirchengemeinde St. Markus in Binsdorf keinen direkt im Ort wohnenden Pfarrer mehr hat, ist Brigitte Wolpert für viele Gläubige oft die erste Ansprechperson. Zum 30. Juni hört sie als Pfarramtssekretärin auf.

Geislingen-Binsdorf. Der damalige Binsdorfer Pfarrer Beda Hammer hatte all seine Schreibarbeiten anfangs selbst erledigen müssen – bis es ihm zuviel wurde und die Kirchengemeinde 1990 die Sekretärinnenstelle ausschrieb.

Die Binsdorferin Gertrud Held schlug Wolpert vor, sich zu bewerben: "Des machsch du!" Diese zögerte zuerst, weil ihr erlernter Beruf als technische Zeichnerin doch etwas anderes gewesen war. Letztlich bewarb sie sich aber doch, setzte sich gegen zwei Mitbewerberinnen durch, und der 1. August 1990 war der erste Arbeitstag der ersten Binsdorfer Pfarrsekretärin.

Vielfältige Aufgaben, viele Kontakte

Mit ihrer freundlichen, offenen und verlässlichen Art sowie ihrem umfangreichen Aufgabenfeld wurde sie schnell zu einem Eckpfeiler des Gemeindelebens, umso mehr nach Bildung der Seelsorgeeinheit im Jahr 2000: Taufanmeldungen, das Führen der Kirchenbücher, Schriftverkehr wie die Briefe an die Familien der Erstkommunikanten und Firmlinge, Aushänge und Informationen im Mitteilungsblatt – all dies läuft über die Pfarramtssekretärin.

Einen Computer hat sie erst Ende 2000 bekommen: "Ohne PC geht heute nichts mehr." Vorher hat sie alles handschriftlich oder auf der Schreibmaschine erledigt.

Der Kontakt zu den Menschen habe ihr in all den Jahren immer am meisten Freude bereitet, sagt Wolpert. Bei vielen erkennt sie schon an der Telefonnummer, wer anruft.

Im Ort war sie ohnehin bekannt: Brigitte Wolpert, geboren in Geislingen und aufgewachsen in Frommern, lebt seit 1975 mit ihrem Mann Klaus in Binsdorf. Das führte allerdings dazu, dass früher häufig Gemeindemitglieder bei ihr zuhause anriefen, vorbeikamen oder sie sogar beim Einkaufen auf kirchliche Angelegenheiten ansprachen.

Ein Kuriosum am Rande: Als Wolpert ihre Arbeit im katholischen Pfarramt aufnahm, war sie noch Mitglied der evangelischen Kirche. Sie war getauft und konfirmiert worden, hatte aber schon seit ihrer Kindheit eher Interesse am katholischen Glauben gehabt, zu dem sie letztlich 1991 konvertierte.

Nach fast drei Jahrzehnten knipst sie Juni Mai zum letzten Mal das Licht in ihrem Büro aus. Ihre Nachfolgerin, Jacqueline Neher aus Rosenfeld, fängt bereits am 2. Mai an.

Die ersten beiden Monate wird Wolpert die neue Pfarramtssekretärin einarbeiten. Aus ihrem Amt verabschiedet wird sie dann im Sonntagsgottesdienst am 27. Mai ab 10.30 Uhr in St. Markus.

Langweilig wird es Wolpert danach nicht werden: Ab dem kommenden Jahr sei sie "Kindsmagd" für ihre vier Enkel, sagt sie schmunzelnd. Außerdem habe sie ja ihren "Krautgarten" im Binsdorfer Schuppengebiet. Dort konnte sie beim Anbau von Kartoffeln, Kraut, Salat oder Zwiebeln schon immer hervorragend abschalten, wie sie sagt. Und der Narrenzunft bleibe sie als Schriftführerin und Hästrägerin erhalten – auch wenn ihr Mann liebevoll spotte, sie wolle wohl unbedingt die Älteste im Ausschuss sein.

Noch fünf Jahre lang ist sie als Kirchenpflegerin tätig

Ganz von St. Markus lassen kann die 65-Jährige aber doch nicht: Seit 1. Juli 1999 ist sie auch Binsdorfs Kirchenpflegerin. 2017 wurde sie für weitere sechs Jahre erneut in dieses Amt gewählt – diese Wahlperiode will sie auch ordentlich zu Ende bringen.

Das ist gut für die Gemeinde: Wohl niemand im Ort weiß heute so gut Bescheid über das Pfarrhaus wie Brigitte Wolpert. Ihre Kenntnisse werden bei der anstehenden, aufwendigen Sanierung des Gebäudes in den kommenden Jahren wertvoll bleiben.