Start der Abriss- und Maurerarbeiten für Erlaheimer Kulturscheune. Verein H15 sieht großes Potenzial Kulturschaffender im Ort.
Geislingen-Erlaheim - Baulärm klingt seit Mitte vergangener Woche aus dem alten Bauernhof in der Erlaheimer Hühlestraße 15. Dort haben die Umbauarbeiten für die neue Kulturscheune begonnen.
Das freut nicht zuletzt Rainer Schattenkirchner, den Vorsitzenden des Vereins H15 Kulturscheune: "Es wird etwas ganz Neues, Anderes, aber auch eine Herausforderung", sagt er. Für die meisten Beteiligten seines Vereins sei es Neuland, einen kulturellen Treffpunkt aufzubauen.
Er selbst hofft darauf, in diesem Rahmen alte Traditionen wiederaufleben zu lassen. Daran gebe es auch bei der jüngeren Generation Interesse, glaubt er. So habe etwa Fred Weckenmann bei der "Genuss-Tour" des Vereins mit seinen Enkeln das Erlaheimer Lied gesungen. Schattenkirchner kann sich deshalb vorstellen, dass das gemeinsame Lernen und Vortragen alter Volkslieder in der Kulturscheune einen Platz findet.
An Einfällen für die Zeit, wenn die Räume endlich fertig sind, mangelt es dem Verein Kulturscheune nicht: "Im Gremium haben wir viele kreative Köpfe, die vor Ideen übersprudeln", sagt der Vorsitzende.
Musik- und Tanzdarbietungen hiesiger Künstler sind vorgesehen, vielleicht auch Zauberdarbietungen, Kinderbuchlesungen oder Auftritte regionaler Bands. In Erlaheim gebe es ein großes Potenzial Kulturschaffender, sagt der Vorsitzende, nicht zuletzt viele gute Sänger.
Namhafte Künstler von weiter her zu engagieren, ist nicht generell ausgeschlossen, aber letztlich eine Frage des Geldes: Deren Gage müsste man mit den nur 100 Plätzen einnehmen, die in der Scheune vorgesehen sind. Immerhin: Die Bühne ist von allen Plätzen einsehbar. Das sei im Kleinkunstbereich nicht immer selbstverständlich. Außerdem wird es einen Vorhang für den "Aha-Effekt" geben.
Bis zu konkreten Veranstaltungen werden aber noch einige arbeitsreiche Monate vergehen. Bis zum 15. Juni 2014 haben Stadtverwaltung, Architekt und ausführende Unternehmen Zeit, dieses mit LEADER-Mitteln geförderte Vorhaben abzurechnen.
Acht Wochen arbeiten vier Firmen gleichzeitig
"Im Rahmen unserer Möglichkeiten" will sich der Verein laut Schattenkirchner bei der Fertigstellung der Kulturscheune einbringen. Bereits Anfang August hatten Mitglieder des Vereins H15 Kulturscheune die Pflastersteine vor dem Scheunentor entfernt, ebenso hölzerne Deckenverkleidungen im Innern. Und zum Abschluss der Bauarbeiten will man beim Bodenlegen und der Endreinigung Hand anlegen.
Begonnen haben inzwischen die Maurerarbeiten mit der Unterfangung der nördlichen Giebelwand, freut sich Geislingens Stadtbaumeister Anton Fußnegger: Maurermeister Daniel Kleiner sei nicht in den Urlaub gegangen, sondern habe früher als erwartet losgelegt. Abschnittsweise wird nun das Fundament rund ums Gebäude unterbetoniert.
Die kommenden acht Wochen werden vier Firmen gleichzeitig an der Kulturscheune arbeiten. Holzbau-Rückbau, Teilabbruch im Innern, Maurerarbeiten und neue Wände für eine sichere Statik sind die dringlichsten der anstehenden Arbeiten.
Der unveränderte Zeitdruck wird eine Bewährungsprobe für alle Beteiligten: Bis Mitte Mai, schätzt Fußnegger, sollten alle Umbauarbeiten fertig sein. Dann bliebe noch ein knapper Monat, um alle Rechnungen für die Gewerke bearbeitet zu haben. Lediglich die Möblierung und Innenausstattung kann nach dem 15. Juni erfolgen – dafür gibt es ohnehin keine Fördergelder.
Eine Einweihung vor den Sommerferien 2014 erscheint damit realistisch. Die Wartezeit bis dahin will der Verein H15 Kulturscheune mit Aktionen wie der "Genuss-Tour" überbrücken. Für den Herbst ist die nächste geplant, bei der es um Most gehen soll. Nicht ohne Hintergedanken: Direkt an die künftige Kulturscheune grenzt die alte Moste, die reaktiviert werden könnte. In der Vorweihnachtszeit soll es etwas Adventliches geben. Pläne für die Eröffnung haben die Aktiven schon: Es soll dann einen Tag der offenen Tür sowie einen Heimatabend mit örtlichen Künstlern geben.
Nicht alle Erlaheimer sind von dem Vorhaben begeistert. Manche Einwohner kritisieren, dass die Scheune nicht für private und Vereinsfeiern genutzt werden darf. Diese Kritik rührt nach Einschätzung des Vorsitzenden Schattenkirchner daher, dass es im Ort einige Leerstände gebe. Doch die Kulturscheune sei ein Beitrag zur Bereicherung und zum Ausbau des Vereinslebens. "Wir wollen auch die letzten Kritiker überzeugen und in die neuen Räume bringen." Gelingen soll das mit einem vielfältigen Programm, das für jeden etwas bietet. Und dass dieses zustande kommen wird, daran zweifelt der Vorsitzende nicht. Schließlich setze sich schon das Gremium aus sehr verschiedenen Persönlichkeiten zusammen.