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Geislingen "Der Tod gehört mit zum Leben"

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Jeden ersten Dienstag im Monat kommt das Trauercafé zusammen, das Veronika Killmayer (von links), Adelbert Braun und Reiner Dehner vor zehn Jahren ins Leben gerufen haben. Foto: Breisinger Foto: Schwarzwälder Bote

Seit zehn Jahren laden Diakon Reiner Dehner, Veronika Killmayer und Adelbert Braun Menschen, die ihre Angehörige verloren haben, jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 15 Uhr und 17 Uhr zum Trauercafé ins Gemeindehaus St. Ulrich ein.

Geislingen. Dehner erinnert sich noch gut an die Anfänge: "Auf dem Weg zum Diakon sollten wir uns ein sinnvolles Projekt überlegen, welches es bei uns in dieser Form noch nicht gab."

Das erste Jahr sei schwierig gewesen: "Zum Teil kamen nur einer oder zwei oder wir drei waren sogar ganz allein. Aber als wir kurz vor dem Aufgeben standen, sind plötzlich sechs Leute gekommen." Mittlerweile seien es zwischen sechs und 15 Trauernde. Das Einzugsgebiet sei groß. Stammgäste kämen zum Teil schon seit sechs Jahren. 80 Prozent seien Frauen, berichtet Dehner.

"Unser Trauercafé ist die angemessene Form und Gelegenheit für die Trauer um einen Mensch und sich mit anderen auszutauschen", findet Braun. "Es wäre das Ende, nur noch in Schweigen zu verfallen."

Es sei wichtig, dass der Trauernde aus seiner Einsamkeit herauskomme, so Braun weiter. "Die Trauer wird hier von jedem akzeptiert. Jeder kann, aber keiner muss seine Geschichte erzählen und sich näher vorstellen. Manche hören auch einfach nur zu."

"Neulich kam eine Besucherin auf mich zu und sagte, dass es das erste Mal seit dem Verlust ihres Partners war, dass sie wieder irgendwo hingegangen ist", berichtet Killmayer. "Wir möchten gemeinsam Trauer überwinden, möchten aber auch aufzeigen, dass der Tod zum Leben dazu gehört und akzeptiert werden muss."

Zu Beginn des Trauercafés gibt Diakon Dehner einen geistlichen, gedanklichen Impuls mit auf den Weg. Im Anschluss werden Kaffee und Kuchen serviert, alle kommen miteinander ins Gespräch.

Geschichten werden von Killmayer oder Braun vorgelesen. Gemeinsam wurden auch schon Filme geschaut, in denen der Tod thematisiert wird. Gemeinsame Unternehmungen wie eine kleine Andacht, ein Besuch auf dem Friedhof, eine Stadtführung sowie Besuche in der Sternwarte oder Schlossparkhalle werden zusammen unternommen.

"Verlust nie vergessen"

Immer wieder greift das Organisatoren-Trio in seinen Ausführungen auf die vier Phasen der Trauer zurück, die mit dem Nicht-Wahrhaben-Wollen beginne. Im Anschluss würden Gefühle wie Angst, Wut und Hilflosigkeit ausbrechen, ehe langsam die Neuorientierung beginne, das Selbstwertgefühl zunehme und wieder Aktivitäten unternommen würden.

In der vierten Phase werde das innere Gleichgewicht wiedergefunden. "Zum Teil sind die Leute aber nach einem halben Jahr immer noch in der ersten Phase", gibt Killmayer zu bedenken.

"Von der Trauer wird immer etwas zurückbleiben. Den Verlust eines nahestehenden Menschen kann man nie ganz vergessen", ergänzt Dehner. Und Killmayer ergänzt: "Wir lachen und wir weinen gemeinsam. Die meisten unserer Treffen enden jedoch in Freude und nicht in Trauer."

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