Stadt plant Maßnahmen gegen Dauerlärm. Ortsdurchfahrt in höchster Kategorie. Umweltzone unwahrscheinlich.
Geislingen - Die Geislinger Ortsdurchfahrt könnte auch "Krachmacherstraße" heißen: Eine aktuelle Studie des baden-württembergischen Umweltministeriums zeigt, dass die Landesstraße 415 tagsüber in die höchste Lärmkategorie fällt.
Täglich fahren in Geislingen rund 17.000 Autos auf den zwei Kilometern zwischen Friedhofskapelle und Beinleshalde, der Rosenfelder, Brücken- und Vorstadtstraße. Für 321 direkte Anwohner bedeutet das: Tagsüber umspült der Verkehr mit einem Geräuschpegel von mehr als 65 Dezibel ihre Ohren – fast soviel wie ein laufender Staubsauger. Nachts sind es durchschnittlich mehr als 55 Dezibel. Das ist nunmehr amtlich belegt, und das Verkehrsaufkommen nimmt stetig zu. Doch eine schnelle Lösung für das Problem ist nicht in Sicht.
Bau- und Betriebskosten für Tunnel zu teuer
Schon seit Jahrzehnten wird in Geislingen über eine Nord- oder Südumfahrung diskutiert. Das hat sich in der Vergangenheit wegen verschiedener Naturschutzgebiete rund um die Kernstadt als kompliziert erwiesen: Das Braunkehlchen und der Schutz weiterer Vogelarten behindern die Planungen für eine Ortsumgehung. Zudem sieht der Koalitionsvertrag der Landesregierung vor, dass der Bau von Umgehungsstraßen erschwert, die "Ertüchtigung von Ortsdurchfahrten" hingegen gefördert wird.
Sogar von einer möglichen Untertunnelung Geislingens war schon die Rede. Doch diese Idee krankt an den Bau- und Betriebskosten.
Aufgrund der Ergebnisse der Lärmkartierung besteht aber Handlungsbedarf. Nicht zuletzt, weil Dauerlärm wie entlang der Geislinger Ortsdurchfahrt das Risiko um 20 Prozent erhöht, an Herz- und Kreislaufleiden zu erkranken.
Das Umweltministerium empfiehlt jenen Gemeinden, die eine sehr hohe Lärmbelastung und Pegelwerte von mehr als 70 Dezibel tagsüber beziehungsweise mehr als 60 Dezibel nachts aufweisen, dringend, einen Aktionsplan aufzustellen, mit dem diese Geräuschbelastung reduziert werden soll. Auch in Geislingen soll zum Schutz der Gesundheit der Anwohner ein solcher "Lärmaktionsplan" entstehen.
Das wird noch im Gemeinderat beraten, voraussichtlich aber Hand in Hand gehen mit einer Konzeption zur baulichen Weiterentwicklung der Ortsdurchfahrt.
In der Vergangenheit wurden laut Stadtbaumeister Anton Fußnegger Ortsdurchfahrten so gebaut, dass man schnell von A nach B kommt – "in unserem Falle von R nach B, nämlich von Rosenfeld nach Balingen beziehungsweise umgekehrt". Mittlerweile würden auch die Bedürfnisse der Anlieger sowie von Radfahrern, Fußgängern und querendem Verkehr berücksichtigt: "Eben diese Bedürfnisse sollen in die Planung einfließen. Es soll auf jeden Fall zu einer Verkehrsberuhigung kommen."
Doch bauliche Maßnahmen könnten lediglich zu einer geringen Verbesserung beitragen. Höchstens ein besonderer Fahrbahnbelag würde den Lärm direkt vermindern.
Eine Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit innerorts auf Tempo 40 ist aus Sicht von Bürgermeister Oliver Schmid denkbar. Einem entsprechenden Antrag des Gemeinderats müsste zwar die Verkehrsbehörde zustimmen – das wäre aber kein aussichtsloses Anliegen. Deutliche Verbesserungen bei Lärm und Abgasen sind jedoch aus Sicht der Geislinger Verwaltung erst bei Tempo 30 zu erwarten, wie es etwa nachts in Endingen gilt.
Eine Umweltzone ist in Geislingen hingegen wenig wahrscheinlich: Es gibt in ganz Deutschland keine Kommune von der Größe der Sonnenstadt, die eine solche eingerichtet hätte. Realistischer erscheint da der Bau eines Kreisverkehrs an der Kreuzung von Vorstadt-, Schloss- und Dammstraße.