Stefan Schneider hat ein Faible für alte Autos. In dritter Generation führt er das Autohaus Schneider in Geislingen, das sein Großvater bereits 1938 gegründet hat. Und noch heute wird in Geislingen hauptsächlich mit dem legendären Citroën DS, der "Göttin", gehandelt. Foto: Klebitz Foto: Schwarzwälder-Bote

Stefan Schneider liebt die französische Lebensart / In dritter Generation handelt er mit dem Klassiker Citroën DS

Von Julia Klebitz

Geislingen. Bei Stefan Schneider in der Werkstatt riecht es nach Motoröl und nach Metall, nicht nach diesem eigenartigen Geruch, wie ihn neue technische Geräte an sich haben. "Ich fange nichts an mit der ganzen Elektronik in den modernen Autos", sagt Schneider, als er den Schraubenzieher am Motor eines Oldtimers ansetzt.

In dritter Generation führt Schneider das gleichnamige Autohaus direkt am Kreisverkehr in Geislingen. Bis vor ein paar Jahren standen auf dem Parkplatz noch einige Neuwagen. "Das war von Anfang an nicht mein Ding", sagt Schneider. "Die heutigen Autos, das ist alles ein Einheitsbrei. Die sehen doch alle gleich aus".

Den Vertrag mit Citroën hat Schneider schnell wieder gekündigt. Jetzt gibt es im Autohaus nur noch Oldtimer. Der französischen Marke aber, der ist Schneider treu geblieben. Schließlich haben auch sein Vater Julius und dessen Vater Joseph Schneider schon französische Autos in Geislingen verkauft.

In Beige und Grau steht der legendäre Citroën DS derzeit gleich in doppelter Ausführung vor der Werkstatt. Auf ihn hat Schneider sich spezialisiert. "Es ist die Freude an alter Technik, das französische Lebensgefühl, das mich begeistert", sagt er. Stress würden DS-Fahrer nicht kennen.

Über das Internet, am Telefon und über seine vielen persönlichen Kontakte zu Oldie-Händlern ist Schneider ständig auf der Suche nach Bauteilen oder ganzen Autos. Am liebsten aus den Jahren 1955 bis 1975.

Kunden kommen aus halb Europa

Es kommt schon auch mal ein alter Renault 4 auf die Hebebühne des Oldtimerfans oder ein 2CV, eine "Ente". Der DS aber, der ist schon immer Schneiders Liebling. "Es ist ein Klassiker, der noch heute alltagstauglich ist".

Viele von Schneiders Kunden – sie kommen aus ganz Deutschland, der Schweiz, Österreich und sogar Frankreich – würden ihren DS täglich fahren. Zur Arbeit, zum Einkaufen und natürlich auf den Wochenendtrip.

Andere kommen wegen eines besonderen Anlasses zu Stefan Schneider nach Geislingen: Jörg-Dieter Klatt aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis biegt mit einem Kleinbus auf den Parkplatz ein. Sein Sohn heiratet kommende Woche und möchte mit einem Citroën-Oldtimer von der Kirche ins Gasthaus fahren.

Schneider hat einen schönen, beigefarbenen DS für diesen Anlass auf Hochglanz gebracht. "Das gute Stück ist Baujahr 1965" sagt er, und legt die Hand auf die Motorhaube des Oldies. "Wahnsinn", sagt Klatt, als er die "Göttin", wie das Fahrzeug auch genannt wird, sieht. Klatt schmunzelt. "Ich glaube die Hochzeit wird auch ein bisschen wegen des Autos ein ganz besonderer Tag", sagt er.

Zu einer ersten Probefahrt im DS darf er gleich starten. "Das Schaltschema ist hier über dem Lenkrad aufgezeichnet", erklärt Schneider, nachdem die Hydraulik sich hochgepumpt hat. Erst Choke ziehen, Starter-Knopf drücken und dann geht es los – unerwartet sanft.

Bundesweit als Experte des "DS" geschätzt

Es sitzt sich gut auf den Ledersitzen, eigentlich sind es auch eher Sessel. Der Fußraum ist riesig, am Armaturenbrett glänzen nur ein paar wenige Chromhebel und Knöpfe.

Der 48 Jahre alte DS hat keinerlei Probleme mit der Steigung Richtung Rosenfeld. Und auch Klatt, der bald Hochzeits-Chauffeur ist, hat keine Probleme damit, den Oldtimer sicher über einen Feldweg zu steuern – Ausweichmannöver wegen eines Baggers inbegriffen. "Sehr übersichtlich, das Auto", sagt er. "Ja und auch die Bremsen, von diesen Bremswerten können Neuwagen nur träumen", ergänzt Schneider und gerät wieder ins Schwärmen.

Zurück in der Werkstatt läuft der Autoliebhaber ins Büro um den Zweitschlüssel der "Göttin" zu holen. Der liegt schon auf der neusten Ausgabe der "Oldtimer Praxis" bereit.

Oft kommen Redakteure der großen Fachmagazine zu ihm nach Geislingen, erzählt Schneider. Bundesweit gilt er mittlerweile als Experte für den Citroën DS. "Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf", sagt Schneider. Auch darauf, dass er schon Oldtimer für die Schauspieler Sigmar Solbach und Günther Maria Halmer restauriert hat. "Schöne Autos waren das, eins sogar ein Cabrio", sagt Schneider, und schwärmt schon wieder.

Sein Sohn Linus hat die Begeisterung für Autos vom Papa geerbt. Regelmäßig hilft der 13-Jährige in der Werkstatt beim Schrauben an den Oldies. Ob er das Geschäft mal übernimmt, steht noch nicht fest. "Schaun wir mal", sagt Papa Schneider. Vorstellen könnten es sich beide.