Handbehauenes Pflaster, Schilfsandstein aus Binsdorfer Steinbrüchen und Eichenholz aus dem heimischen Wald – die Neugestaltung des Platzes am Stadtbrunnen schreitet voran. Fotos: Schnurr Foto: Schwarzwälder Bote

Ortsbild: Örtliche Garten- und Landschaftsbauer gestalten derzeit den Platz am Binsdorfer Stadtbrunnen um

Der Platz am Binsdorfer Stadtbrunnen soll künftig wieder mehr Anreiz bieten, sich dort aufzuhalten. Seit 15. Oktober arbeiten Kathrin Kanniga und Matthias Klose-Kanniga an dessen Neugestaltung.

Geislingen-Binsdorf. Im Septemer 2018 hatten die beiden Garten- und Landschaftsbauer dem Ortschaftsrat ihrer Vorschläge für dieses Vorhaben vorgestellt (wir haben berichtet). Jetzt werden diese Pläne in die Tat umgesetzt.

"Schauen Sie mal her." Matthias Klose-Kanniga zeigt einen nach unten hin schräg zulaufenden Pflasterstein aus Granit: "So hat man die früher von Hand behauen", weiß er. Heutzutage würden die Steine in aller Regel maschinell geschnitten und seien damit exakt rechteckig.

Doch bei der Neugestaltung des kleinen Platzes, wenige Schritte neben dem Dorfladen, gilt nicht zuletzt eine Vorgabe: Möglichst viele einheimische Materialien sollen verwendet werden.

Das gilt für die Pflastersteine, die in einem Halbrund den Brunnen säumen und dessen "Schwung" fortsetzen. Sie waren teils bereits vorher an dieser Stelle eingebaut, teils hat der Binsdorfer Landschaftsbauer sie im Natursteinpark hinter dem Tübinger Sudhaus besorgt.

Das gilt aber ebenso für die Schilfsandsteine, aus denen jetzt eine Kombination aus Mauer und Hochbeet entsteht, die den Brunnen von dem begrünten Platzteil trennt: Die Steine bildeten mehr als 100 Jahre lang den Sockel des ehemaligen Lehrerwohnhauses in der Beethovenstraße. Im Frühjahr 2019 wurde dieses abgebrochen. Wie vom Ortschaftsrat gewünscht hat Klose-Kanniga die Sockelsteine gereinigt und zugeschnitten, sodass sie eine neue Verwendung finden.

Ebenso einheimischen Ursprungs sollen die Sitzmöglichkeiten aus Eichenholz und Sandstein werden. Diese sind für die begrünte Fläche jenseits der halbrunden Mauer vorgesehen.

"Es ist schön, dass wir Materialien von hier verwenden können", sagt Kati Kanniga. Ein Ortshistoriker wie Horst Berner könnte Interessierten von außerhalb vieles über deren Herkunft und Bedeutung für Binsdorf erzählen.

In den Fugenmörtel sollen kleine, goldfarbene Fliesensteine verteilt werden, die an die örtliche Legende vom "Goldloch" erinnern – noch ein Hinweis auf die Ortsgeschichte. Und das gilt auch für die Weinrebe, die am Rande des Platzes die Hauswand empor ranken soll: Entlang der heutigen Loreto-Straße wurde einst Weinbau betrieben.

Details der Planung sind auf einem provisorischen Schild nachzulesen, das das Ehepaar links der neu platzierten Tafel mit den Wanderrouten aufgestellt hat. Manch ein Passant lasse sich auch mündlich erklären, was sie vorhaben, berichtet Kati Kanniga. Die Reaktionen der Binsdorfer seien positiv: "Das wird toll!", sei nur ein freundlicher Kommentar unter vielen gewesen.

Möglicherweise werden die Hauptarbeiten bereits kommende Woche abgeschlossen sein. Genau ist das schwer zu sagen, da jeder Stein einzeln angepasst und aufgemauert werden muss.

Was dann noch fehlt, sind zwei Apfeldornbäume auf dem Rasen, die im Sommer Schatten spenden, Humus für das geteilte Hochbeet sowie dessen Bepflanzung mit Kräutern und Blumen, die sich an jener des Klostergartens orientiert. Diese Blumenmischung habe dem Ortschaftsrat so gut gefallen, dass sie nun auch im Beet vor dem "Paradies" ausgesät werden soll.

Auch der Plan eines "Ausleih-Bücherregals" mit aufgesetztem Wildbienenhotel ist nicht unter den Tisch gefallen: Dieses soll an der Wand des Dorfladen-Gebäudes aufgestellt werden. Eine Zeichnung, wie dieses aussehen kann, hat Kati Kanniga bereits angefertigt – es müsste nur noch jemand bauen, am besten ein einheimischer Schreiner.

Apropos Bienen: Die Insekten benötigen nicht nur Blüten mit Nektar als Nahrung, sondern auch Wasser. Deshalb soll auf dem Stadtbrunnen eine schwimmende Bienentränke angeboten werden. Denn der seit langem lecke Metallbrunnen soll nun endlich repariert werden. Einen Lösungsvorschlag hat die Geislinger Stadtverwaltung inzwischen dem Landesdenkmalamt geschickt.

Kathrin Kanniga und Matthias Klose-Kanniga leben seit 33 Jahren in Binsdorf. Man merkt im Gespräch, dass sie das Ziel, ihre Wahlheimat schöner zu machen, mit großer Motivation verfolgen: "Wir kommen ja täglich selbst hier vorbei und freuen uns, wenn es blüht", sagt Kati Kanniga. Das Schönste wäre für sie, wenn ab kommendem Frühjahr Kunden von Birgit Englerts "Dorflädle" ihren Kaffee auf den Bänken am neuen, schönen Dorfplatz trinken würden.