"Es war immer schön, mit den Leuten zu schwätzen": Achim Knäpple in seinem Verkaufswagen. Es ist das letzte Mal, dass er die Eier des Steinefurthofs direkt an Privatpersonen verkauft. Foto: Wagener Foto: Schwarzwälder-Bote

Nach fast 60 Jahren stellt der Steinefurthof Lieferung an Privathaushalte ein / "Mit Entscheidung furchtbar geplagt"

Von Fabian Wagener

Geislingen-Binsdorf. Die letzte Fahrt des Eiermanns: Der Steinefurthof stellt seine Eierlieferungen an private Haushalte ein. Damit geht eine Ära zu Ende.

Freitagmorgen auf dem Steinefurthof in Binsdorf: Achim Knäpple startet den Motor seines Dreieinhalbtonners. Pünktlich um kurz vor 7 Uhr fährt er vom Hof. Und er hat einiges aufgeladen: Tomaten, Salat, Zwiebeln und Brezeln. Vor allem aber: Eier, mehr als 2000 Stück, graue, weiße, bunt bemalte.

Knäpple ist eine Institution. Der 55-Jährige mit dem dunklen Schnauzbart und der Brille fährt seit mehr als 20 Jahren durch den Kreis und verkauft Eier und andere Lebensmittel – direkt an der Straße, in Geislingen, Balingen, Rosenfeld oder Zillhausen. Für viele seiner Kunden ist er schlicht: "der Eiermann".

Doch jetzt ist Schluss für den Binsdorfer Eiermann. Knäpple begibt sich gewissermaßen auf seine letzte Fahrt. Der Grund: Der Steinefurthof stellt die Belieferung privater Haushalte ein – nach fast 60 Jahren. "Ich habe die letzten zwei Wochen nicht mehr richtig geschlafen", sagt Knäpple, der zwar nicht aufhören wird für den Hof zu arbeiten, aber von nun an nur noch Supermärkte und Geschäfte mit den Eiern beliefern wird. Und Matthias Hölle, der Eigentümer des Steinefurthofs, sagt: "Wenn man sich nach so langer Zeit von einem Geschäftszweig trennt, dann ist das schon sehr traurig. Damit geht auch eine Ära zu Ende."

1957, erzählt Hölle, haben seine Oma und seine Eltern mit dem Eierverkauf begonnen. Damals seien sie noch mit Fahrrad und Mofa ausgefahren. Später habe man dann Autos und ab den 90er-Jahren einen Verkaufswagen verwendet. Mit der Zeit erweiterte man das Sortiment um Nudeln, Gemüse und Fleisch und andere Dinge. "In den Hochzeiten", sagt Hölle, "haben wir mehr als 2000 Haushalte beliefert."

Warum aber stellt der Steine­furthof den Verkauf an Privatpersonen jetzt ein? Dieser, erläutern Knäpple und Hölle, lohne sich heutzutage nicht mehr. Der Umsatz gehe zurück, weil die Kundenzahl deutlich sinke. "Allein in Roßwangen gab es vor zehn Jahren zehn Kunden mehr", sagt Knäpple. Der Rückgang bei der Kundschaft hänge auch damit zusammen, dass sich das Kaufverhalten der Menschen verändert habe: "Die jungen Leute gehen in den Supermarkt." Außerdem würden insgesamt nicht mehr so viele Eier verwendet. "Früher haben die Leute ihre Nudeln selber gemacht und mehr gebacken als heute", sagt Hölle.

Als vergangene Woche der 16 Jahre alte Verkaufswagen wegen eines Getriebeschadens den Geist aufgab, war die Entscheidung für die Einstellung des Verkaufs an Privathaushalte bereits gefallen, auch wenn man noch einen kleineren Wagen zur Verfügung hat. "Einen neuen Wagen anzuschaffen, rechnet sich nicht", sagt Hölle, der seine Kunden darüber in einem langen Brief informierte.

Leicht fiel ihm das freilich nicht: "Nach wie vor gehört der Eiermann für viele Leuten einfach dazu. In kleinen Ortschaften, wo keine Läden sind, ist er auch heute noch ein gerngesehener Lieferant."

Gerade für ältere Leute, die nicht mehr so mobil sind, sei die Lieferung ans Haus natürlich sehr gut gewesen. "Wir haben uns mit der Entscheidung furchtbar geplagt. Aber wir müssen uns dem Wandel der Zeit anpassen", sagt Hölle, der gleichwohl darauf verweist, dass es für diejenigen, die weiterhin eine Direktbelieferung wünschten, mit der Fischermühle in Rosenfeld eine Ausweichmöglichkeit gebe.

Für die Kunden von Achim Knäpple dürfte das allerdings erst mal ein schwacher Trost sein. "Wir haben uns immer gefreut, wenn er kommt", sagt eine Frau in Roßwangen, während sie einen Zehnerpack Eier in ihren Einkaufskorb steckt. Und auch Knäpple wird wehmütig, jetzt auf seiner letzten Fahrt: "Es war immer schön, mit den Leuten zu schwätzen."