Bob Hanning inszeniert sich gerne selbst – dieses Foto prangt auf dem Cover seines neuen Buchs. Foto: Sascha Klahn/Sascha Klahn

Bob Hanning ist der streitbare Paradiesvogel des deutschen Handballs, der keinem Konflikt aus dem Weg geht. Auch sein am Freitag erscheinendes Buch birgt viel Zündstoff. Wir präsentieren Teile des brisanten Inhalts.

Stuttgart - Bob Hanning kann dieses Wochenende kaum erwarten. Am Freitagvormittag präsentiert er in Berlin sein Buch, am Abend feiert er mit ein paar Freunden in einem italienischen Restaurant. „Ich werde das Kapitel DHB bei dem einen oder anderen Glas Rotwein ad acta legen“, sagt der 53-Jährige. Mit dem DHB-Bundestag am Sonntag in Düsseldorf endet seine Amtszeit als Vizepräsident beim Deutschen Handballbund (DHB). „Ich gehe mit einem Lächeln im Gesicht“, sagt der eigenwillige und streitbare Funktionär. Ein solches wird einigen Größen aus der Handballszene schnell vergehen, wenn sie von bestimmten Inhalten seines 240 Seiten starken Buches erfahren.

 

„Hanning. Macht. Handball.“ heißt der Titel. „Geheimnisse aus dem Innersten eines faszinierenden Sports“ lautet der Zusatz. Und klar ist: Dieses Buch birgt Zündstoff, es wird für Aufsehen sorgen – genauso wie es Hanning gerne tut. „Mir liegt es fern, dieses Buch als Abrechnung zu nutzen, vielleicht wird sich aber im Anschluss der eine oder andere mal hinterfragen müssen“, sagt der gebürtige Essener. Sein grenzenloser Mut zu Meinung, Konflikten und Konfrontation wird speziell in einigen Passagen deutlich, in denen es um langjährige Weggefährten geht.

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Heiner Brand Das Kapitel über die Ikone des deutschen Handballs ist überschrieben mit: „(M)eine Lichtgestalt hört auf zu leuchten.“ Aus guter Kollegialität – Hanning war Assistent von Bundestrainer Brand – wurde Feindschaft. Brand warf seinem ehemaligen Co-Trainer eine „sehr narzisstische Persönlichkeitsausprägung“ vor, „Eigeninszenierung stehe im Vordergrund“. Als Hanning davon erfuhr, beschloss er sich emotional von Brand zu trennen. Wörtlich schreibt er in seinem Buch: „Und so gab ich am Totenbett meiner Mutter Layla ein Versprechen: Ich werde nicht auf seine Beerdigung gehen.“

Ex-Nationalspieler Nicht nur mit Brand überwarf sich Hanning. Auch sein Respekt vor der alten Garde um frühere Nationalspieler wie Martin Schwalb, Daniel Stephan und Christian Schwarzer schwand im Laufe der Jahre. „Nach seiner aktiven Zeit war Stephan ein glücklicher Privatier. Er hat als solcher nie etwas auf die Beine gestellt, was den Handball voranbringt“, schreibt Hanning. Und dem ehemaligen Weltmeister und DHB-Jugendtrainer „Blacky“ Schwarzer spricht er schlicht und ergreifend das nötige Fachwissen ab und bringt dies in drastischer Form zu Papier: „Es klingt hart, es macht mich wirklich traurig, aber er hat beim DHB eine Lücke hinterlassen, die ihn vollständig ersetzt hat.“

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Bernhard Bauer „Dolchstoß aus dem Hinterzimmer“ hat Hanning die Seiten über den ehemaligen DHB-Präsidenten aus Leonberg überschrieben. Sie seien ein perfektes Team gewesen, aber die Beziehung ging komplett in die Brüche, da Bauer Hannings Alleingänge satt hatte. „Bauer kam mir vor wie ein Kapitän, der von Bord ging, vorher aber noch unbedingt seine Offiziere anpinkeln wollte. Bauer stilisierte sich zum Opfer. Das fand ich frech“, schreibt Hanning, der den ehemaligen Bundesligatorwart von Frisch Auf Göppingen eigentlich für den richtigen Präsidenten hielt: „Schade, denn wir hätten uns auf lange Sicht wunderbar ergänzen können. Doch er hat sich überschätzt. Und mich und die anderen unterschätzt. Auch beim Schachspielen wird es gefährlich, wenn der Bauer sich für eine Dame hält.“

Christian Prokop Der 42-Jährige war „Hannings Bundestrainer“. Gegen viele Widerstände hatte er ihn durchgesetzt. „In der Rückschau betrachte ich die Geschichte mit Christian als persönliche Niederlage. Ich habe ein Rennpferd ins Rennen geschickt, für das er nicht geboren war. Daher nehme ich das auch auf meine Kappe.“ Am Ende war auch ihr Verhältnis zerrüttet. Hanning zitiert Prokop nach der überbrachten Trennungsnachricht in seinen Buch mit den Worten: „Bob, ich bin immer vor dir gewarnt worden. Das hat sich nun bestätigt.“

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Diese Auseinandersetzungen stechen heraus, da sie die Allerwenigsten so offen in der Öffentlichkeit äußern würden. Doch im größten Teil des Buches geht es nicht um persönliche Abrechnungen, sondern um Hannings durchaus beeindruckenden Weg vom 1,68 Meter kleinen Torwart zu einem der einflussreichsten Funktionäre der Handballwelt, der den Tanz auf der großen sportpolitischen Bühne liebt, aber mit genauso großer Leidenschaft fast täglich morgens um 7.30 Uhr Jugendteams coacht und Werte vermittelt. Manche sehen in ihm nur den Egoisten, der sich mit schrillen Pullis in brüllenden Farben selbst in den Mittelpunkt stellt und für Erfolg und Ruhm über Leichen geht. Für andere ist er der Motor einer ganzen Sportart, oder wie es Hanning selbst formuliert „ein riesiger Stromkasten, in den jeder bei Bedarf den Stecker reinhalten kann“.

Daran wird sich auch nach dem Ende seiner achtjährigen Zeit beim Handballbund nichts ändern. Als Geschäftsführer der Füchse Berlin und Fan der Nationalmannschaft bleibt er dem Handball erhalten: „Man wird mich punktuell hören. Da, wo es wichtig ist. Und vielleicht auch mal da, wo es wehtut.“ Falls es daran jemals Zweifel gab, nach Lektüre des Buches sind diese endgültig verflogen.

Bob Hanning: Hanning. Macht. Handball. Geheimnisse aus dem Innersten eines faszinierenden Sports. Edel Books. 240 Seiten, 19,95 Euro