Nico Pfisterer und Bruno Thiery sind ein erfahrenes Duo. Foto: Wagner

Das Rätsel um das beeindruckende hölzerne Bauwerk vor der Werkstatt von Nicolas Pfisterer in der Oberndorfer Sägewerkstaße ist gelöst.

So viel sei gleich zu Beginn verraten: Bei dem großen kunstvollen Gebilde aus Holz handelt es sich nicht um ein Schiff, mit dem Nicolas Pfisterer in See stechen will.

 

Es ist ein Piratenschiff, das seinen Platz auf dem neuen Abenteuerspielplatz zwischen Deißlingen und Lauffen finden soll. Es soll dort die Nachfolge des in den 70er- und 80er-Jahren bei Familien, Ausflüglern und Wanderern sehr beliebten Piratenschiffs im Buchenwald antreten.

Dieses Schiff wurde von Vandalen zweimal zerstört und seither nicht mehr aufgebaut. Im Jahr 2021 machte sich der Förderverein „Piratenschiff“ um die Vorsitzenden Bernd Krause und Harald Buhlinger zum Ziel, diese Attraktion zurückzubringen.

Ein besonderes Projekt

Der Oberndorfer Zimmerermeister Nico Pfisterer hat bei der Vergabe den Zuschlag für dieses Projekt bekommen. Der weit gereiste Zimmermann möchte nun etwas erschaffen, das dieselbe Begeisterung hervorruft wie das frühere Schiff.

Zusammen mit seinem französischen Kollegen Bruno Thiery ist er an die Aufgabe herangegangen, und das Duo, das die Leidenschaft für Holz teilt, widmet sich seit Wochen mit Hingabe und Begeisterung diesem Projekt.

35 Jahre Freundschaft

Die Baustellensprache sei Französisch erklärt Nico Pfisterer, als wir ihn vor Ort treffen. Aber er und Bruno verstünden sich auch ohne Worte. Mit Thiery verbinde ihn seit 35 Jahren eine tiefe Freundschaft.

Sie bei den „Compagnons du Devoir“ in Chinon zusammen das Zimmererhandwerk gelernt, waren zusammen auf dem Jakobsweg unterwegs und hatten sogar schon eine Audienz bei Papst Johannes Paul II. Das schweißt zusammen. Die Fortschritte sind täglich in der Sägewerkstraße zu beobachten.

25 Meter lang wird das Schiff

Heimische Douglasie aus dem Nordschwarzwald ist der Baustoff für das Skelett des Schiffs, das mit Planken aus Akazie versehen wird. Stolze 25 Meter lang soll das Schiff werden, 7,50 Meter hoch und vier Meter breit.

Durch hoch aufragende Baumstämme wird es zum Dreimaster und bietet dem Betrachter ein imposantes Bild. Es ist aber nicht nur ein Hingucker, sondern birgt auch echten Spielspaß.

Treppen, ein Ausguck, die Takelage, ein kleines Labyrinth, eine Kletterwand und eine Seilbahn laden zum Entern des Piratenschiffes ein. Infotafeln werden über die Flora und Fauna informieren, und so wird ein Besuch auch für manche Schulklasse zum Erlebnis.

Kenntnisse im Schiffsbau

Ein Modell, das von Nico Pfisterer aufwendig hergestellt wurde, dient als Vorlage, und selbstverständlich sind auch Statiker und der TÜV mit im Boot, damit die Sicherheit der späteren Gäste gewährleistet ist.

Nico Pfisterer kennt sich aus im Schiffsbau, hat er doch im Rahmen eines internationalen Handwerkerprojekts in Italien bereits viele Erfahrungen gesammelt.

Ende des Jahres wird das Schiff zwar nicht in See stechen, aber auf dem Landweg – auf einem Tieflader – den Weg in die Gemeinde Deißlingen antreten. Dort wird es vor Anker gehen und bei der feierlichen Einweihung im Frühjahr 2026 vom Förderverein und der Gemeinde an die Allgemeinheit übergeben.