Andreas Dingler ist der Herr über das Wasser des Badeparks. Foto: Fritsch

Tausende planschen im Sommer im Nagolder Freibad. Damit sie das tun können, gibt es unter der Erde ein eigenes Reich aus Röhren, Kanistern und Becken.

Oben strahlt die Sonne, amüsieren sich die Kinder und Erwachsenen im kühlen Nass der Becken des Nagolder Freibades. Doch das interessiert Andreas Dingler, Betriebsleiter des Badeparks, an diesem Morgen nur wenig. Denn es geht um die Sauberkeit des Wassers, in dem sich die Menschen gerade so unbeschwert vergnügen.

 

Sich um diese Sauberkeit zu kümmern, gehört zu Dinglers wichtigsten Aufgaben. Dabei geht es um riesige Mengen Wasser. Allein das Sportbecken hat ein Fassungsvermögen von 1,5 Millionen Liter Wasser, ins Spaßbecken daneben passen 600 000 Liter Wasser. Und dann sind dann ja noch etliche weitere Becken, auch im Innenbereich.

„Unter jedem Becken oben haben wir hier ein weiteres Becken“

Beinahe jede Sekunde verlässt Wasser diese Becken. Springt ein Mensch in eines der Becken, verdrängt er Wasser, das dann über den Rand schwappt und dann über eine Leitung in den Untergrund geleitet wird, in eines von vielen unterirdischen Becken des Badeparks. „Unter jedem Becken oben haben wir hier ein weiteres Becken“, erklärt Dingler. In denen wird das Wasser erst einmal gesammelt. Diese Behälter sind ganz unterschiedlich groß: Das kleinste fasst acht Kubikmeter, das größte 50 Kubikmeter, also 50 000 Liter. Vermischt wird das Wasser nicht, jedes Becken hat einen eigenen Kreislauf.

Von den Rohrgewirr unter der Erde merken die Freibad-Besucher nichts. Foto: Fritsch

Und diese Kreisläufe liegen alle unter der Erde. Über eine kleine unauffällige Wendeltreppe im Schwimmbadgebäude kommt man in den Schwimmbad-Untergrund. Auf den ersten Blick sieht es so aus wie in einem Schiffsmotor. Rohre, Tonnen und Leitungen überall – ein für Laien komplett unübersichtliches Labyrinth. Doch für Dinglers Team ein komplett logisches System.

„Der Chlor-Anteil liegt bei einem halben Millionstel“

Eine Reinigungsfunktion hat das Chlor, das dem Wasser zugesetzt wird – allerdings in verschwindend geringen Mengen. „Der Anteil liegt bei einem halben Millionstel“, berichtet Dingler, der den Chloranteil so gering wie möglich halten will. „Ich tue alles, damit die Leute hier nicht mit roten Augen aus dem Bad gehen.“

Das Chlor, das flüssig in Flaschen geliefert und gelagert wird, kommt in Gasform ins Wasser. „Das pure Chlor hat die Eigenschaft, sich chemisch neu binden zu wollen. Und das tut es auch“, erklärt der Technische Leiter. „Es greift sich die Schmutz-Moleküle. Und diese Kombination aus Schmutz und Chlor wird in den Sandtonnen ausgesiebt.“

100 000 Liter pro Tag gehen Richtung Kläranlage

In diesen riesigen blauen Tonnen wird das Wasser gereinigt. Die Tonnen enthalten eine zwei Meter hohe Sandschicht – oben eine Schicht feiner Sand mit einem Durchmesser von 0,5 Millimeter, unten gröberer Sand mit einem Durchmesser von bis zu drei Millimeter. Durch diese Schichten fließt das verunreinigte Wasser, wird dadurch erst einmal mechanisch gereinigt.

Und es wird intensiv gereinigt. Pro Badegast und Tag werden 60 Liter frisches Wasser – vorgeschrieben sind 30 Liter – den Becken wieder zugeführt. An einem normalen Badetag sind das 120 000 Liter Wasser. Doch der Badepark muss auch Wasser, das nicht gereinigt werden konnte, Richtung Kläranlage schicken – 100 000 Liter am Tag.

„Die riecht, schmeckt und fühlt das Wasser“

Um die Qualität des Wassers zu prüfen, hat jeder Beckenkreislauf eine eigene Sensoranlage. „Die riecht, schmeckt und fühlt das Wasser, steuert im Sekundentakt Chlorgehalt und ph-Wert“, erzählt Dingler stolz über die fast neue Anlage, die erst vor kurzem eingebaut wurde.

Die Anlage ist so neu, dass sich die Mitarbeiter unter die Kontrollbildschirme Fotos der einzelnen kontrollierten Becken geklebt haben. Noch ist das nicht in Fleisch und Blut übergegangen. Aber das wird nicht lange dauern.