Gehaltscheck: In welchen Berufen sind die Gehälter in Baden-Württemberg besonders hoch? Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbi/Monika Skolimowska

Baden-Württemberg profitiert vom „Länder Pay Gap“: In vielen Berufen liegen die Gehälter deutlich höher als im Rest von Deutschland. Nur ein Beruf schneidet im Vergleich mit anderen Bundesländern schlecht ab.

Es ist kein Geheimnis, dass Gehälter in Baden-Württemberg im Vergleich zu anderen Bundesländern meist hoch sind. Doch in welchen Berufen verdient man im Südwesten eigentlich besonders gut und gibt es auch Berufe, in denen das Gehalt schlechter ist als im Rest der Republik?

 

Die Bundesagentur für Arbeit hat unserer Redaktion eine Liste der 50 Berufe mit den meisten Vollzeitbeschäftigten deutschlandweit zur Verfügung gestellt. Für diese 50 Berufe haben wir analysiert, wie hoch die Gehälter in Baden-Württemberg sind und sie mit den bundesweiten Gehältern verglichen.

Beschäftigte der 50 häufigsten Berufe verdienen in Baden-Württemberg brutto im Mittel 215 Euro mehr als ihre jeweiligen Kolleginnen und Kollegen in ganz Deutschland. Am größten ist der Unterschied bei Kfz-Technikern, deren Gehalt in Baden-Württemberg im Mittel bei knapp 4000 Euro liegt – deutschlandweit sind es etwas weniger als 3250 Euro. Zur Gruppe der Kfz-Techniker gehören zum Beispiel Kfz-Mechatroniker und Fahrzeugbaumechaniker. Auch Projekt- und Gruppenleiter, Metallbearbeiter und technische Produktionsplaner und -steuerer verdienen in Baden-Württemberg im Mittel über 600 Euro mehr als bundesweit. Mittleres Gehalt meint in unserer Analyse dabei nicht den Durchschnitt, sondern den sogenannten Median: die Hälfte der Beschäftigten in diesem Beruf verdient mehr, die andere Hälfte weniger. Dadurch wird der Wert weniger durch die Gehälter derer verzerrt, die besonders viel oder besonders wenig verdienen.

Viele der Berufe, in denen man in Baden-Württemberg besonders gut verdient, sind Berufe aus der verarbeitenden Industrie, zu der zum Beispiel Autoindustrie und Maschinenbau gehören. Dass diese Branche in Baden-Württemberg so stark vertreten ist, ist für Jan Simon Wiemann, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen, der Hauptgrund für die hohen Gehälter: „Im verarbeitenden Gewerbe sind die Löhne häufig höher als zum Beispiel im Dienstleistungsbereich“, sagt Wiemann.

Was Baden-Württemberg attraktiv macht

Nicht nur bestimmte Branchen sind für die Höhe von Gehältern wesentlich, auch die Größe von Unternehmen kann entscheidend sein. Große Firmen wie Mercedes, Porsche oder Bosch seien häufig in der Lage, deutlich höhere Löhne zu zahlen als kleinere Unternehmen. Durch die gute Bezahlung ziehen diese Unternehmen auch die qualifiziertesten Beschäftigten aus anderen Regionen an.

Auch die Infrastruktur Baden-Württembergs sei ein Einflussfaktor, so Wiemann. Verschiedene Unternehmen seien untereinander gut vernetzt, was deren Geschäft fördere. Davon profitieren letztlich auch die Beschäftigten in Form höherer Löhne. Gegenden mit größeren ländlichen Gebieten, etwa Teile Ostdeutschlands, seien nicht so vernetzt, was ein Teil der Erklärung für die dort niedrigeren Löhne sei, sagt Wiemann.

In nur drei Berufen sind die Gehälter in Baden-Württemberg vergleichsweise niedrig. Während die Unterschiede bei Dozenten an Hochschulen und Akademien und Fachangestellten in der Verwaltung gering sind, fällt die Differenz bei Bankkaufleuten höher aus: 168 Euro unter dem bundesweiten Mittelwert liegt das mittlere Gehalt in Baden-Württemberg.

Bankkaufleute zieht es nach Frankfurt

Die relativ niedrigen Gehälter der Banker sind laut Wiemann auf ähnliche Faktoren zurückzuführen wie die hohen Gehälter in Berufen des verarbeitenden Gewerbes. „Banken sind vor allem in Frankfurt sehr stark konzentriert“, sagt Wiemann. So wie Mercedes und Porsche in Baden-Württemberg besser bezahlen als kleinere Firmen im verarbeitenden Gewerbe, zahlen auch große Banken in Frankfurt höhere Löhne als zum Beispiel kleine Sparkassenfilialen. Dadurch ziehe es vor allem die höchstqualifizierten Bankkaufleute dorthin. Ein Blick auf die Statistik der Bundesagentur für Arbeit bestätigt diese Schlussfolgerung: Mit einem Bruttomediangehalt von über 6800 Euro verdienen Bankkaufleute in Frankfurt im Mittel fast 1800 Euro mehr als in Baden-Württemberg.

Noch größer sind die Gehaltsunterschiede, wenn man statt ganz Baden-Württemberg nur Stuttgart mit Deutschland vergleicht. Auch in der Landeshauptstadt sind es vor allem die Industrie-Berufe, die große Gehaltsvorsprünge gegenüber dem Rest des Landes haben. Kfz-Techniker verdienen in Stuttgart satte 3080 Euro mehr als im bundesweiten Mittel.

Auch Geräte- und Maschinenzusammensetzer, eine Berufsgruppe, zu der unter anderem Fertigungsmechaniker, Metall- und Montagetechniker gehören, können in Stuttgart auf ein deutlich höheres Gehalt hoffen. Im Mittel sind es etwas mehr als 2800 Euro, die man in Stuttgart in diesen Berufen zusätzlich verdient.

„Wenn Menschen nur von der Höhe der Löhne ausgehen würden, müssten sie eigentlich dorthin ziehen, wo sie die höchsten Löhne erwarten“, sagt Wiemann. Warum ist Stuttgart dann nicht längst eine Millionenmetropole? Weil Bruttogehälter eben nicht der einzige Faktor sind, von dem Menschen die Wahl ihres Wohnsitzes abhängig machen. „Wenn man sich das verfügbare Einkommen nach Mieten anschauen würde, würden die regionalen Unterschiede deutlich geringer ausfallen, als wenn man nur die Löhne betrachtet“, sagt Wiemann. Auch abseits von Gehältern und Lebenshaltungskosten gibt es Dinge, die Wohnorte attraktiv machen können. Wiemann verweist zum Beispiel auf die Kinderbetreuung, die in Ostdeutschland in der Regel deutlich besser sei als in Westdeutschland.

In welchen Berufen die meisten Baden-Württemberger arbeiten

Die größte Berufsgruppe in Baden-Württemberg bilden Sekretärinnen und Sekretäre. Über 111 000 Personen arbeiten Vollzeit in diesem Beruf, mehr als in jedem anderen. Beim Gehalt liegt die Gruppe aber knapp unter dem Mittelwert der 50 häufigsten Berufe, der in Baden-Württemberg bei 3867 Euro brutto im Monat liegt. Industriekaufleute etwa, die drittgrößte Berufsgruppe, verdienen im Mittel knapp 4300 Euro – etwa 500 Euro mehr als Sekretäre.

Wer in einem Unternehmen Führungsaufgaben und Personalverantwortung übernimmt, verdient oft sehr gut. Projekt- und Gruppenleiter verdienen brutto im Mittel über 6500 Euro monatlich. Auch die beiden bestbezahlten Berufsgruppen nehmen Führungspositionen in Unternehmen ein. Geschäftsführer und Vorstände und Bereichs- beziehungsweise Betriebsleiter haben ein Brutto-Mediangehalt von über 7050 Euro – deutlich über dem Mittelwert der 50 häufigsten Berufe in Baden-Württemberg.

Die tatsächlichen Mediangehälter in diesen Berufsgruppen liegen höher als 7050 Euro. Wie hoch genau, geht aus den Daten der Bundesagentur für Arbeit nicht hervor. Das liegt daran, dass die Arbeitsagentur ihre Daten aus der Statistik der Sozialversicherung bezieht. Dort liegt die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze, bis zu der Beiträge zur Rentenversicherung erhoben werden, bei 7050 Euro. Das heißt: In der Realität verdienen viele in diesen Berufen deutlich mehr.

Zu den am schlechtesten bezahlten Berufen der 50 häufigsten Berufe zählen einige sogenannte Helferberufe, die relativ niedrige Anforderungen an die Ausbildung der Beschäftigten stellen. Es gibt zum Beispiel einen Unterschied zwischen Altenpflegern und Altenpflegehelfern: Während Altenpflegehelfer eine ein- bis zweijährige Ausbildung absolvieren müssen, dauert sie bei Altenpflegern drei Jahre.

Das macht sich auch im Gehalt bemerkbar, das bei Altenpflegehelfern in Baden-Württemberg im Mittel bei 2742 Euro brutto liegt und damit unter den 50 häufigsten Berufen den fünftletzten Platz belegt. Auch Reinigungskräfte gelten als Helferberufe. Sie stehen mit einem mittleren Bruttomonatsverdienst von 2258 Euro im Gehaltsranking Baden-Württembergs auf dem letzten Platz.

Doch auch eine längere Ausbildung ist keine Garantie für das große Geld. Wer Koch werden will, muss zum Beispiel eine dreijährige, duale Ausbildung absolvieren. Zumindest finanziell lohnt sich dieser Aufwand nicht immer: Unter den häufigsten Berufen belegen Köche in Baden-Württemberg mit einem Brutto-Mediangehalt von 2725 Euro den drittletzten Platz.