Gegen Gewalt gegen Frauen und für mehr Gerechtigkeit pilgerte Birgit Pfersich von Meßstetten bis nach Spanien.
Gerechtigkeit ist das, was Birgit Pfersich antreibt. Auch zehn Jahre nachdem sie ihre Beziehung zu ihrem Mann endgültig beendete mit ihren Kindern zurück in ihre Heimat floh, ist sie noch nicht geschieden. Gemeinsam hatte sie mit ihrem Mann einen Landwirtschaftlichen Betrieb aufgebaut, auf dessen Wertanteil sie nicht verzichten möchte.
Dass der Konflikt nach so langer Zeit noch immer nicht geklärt ist, versetzt Pfersich in Unglauben. „Warum soll ich alles verlieren, was ich mir aufgebaut habe?“, fragt sie. „Das ist doch nicht gerecht. Ich habe dafür viele Jahre hart gearbeitet.“
Sie will weiter für eine gerechte Scheidung kämpfen. Doch sie hat Schwierigkeiten einen Anwalt zu finden, der sich der Aufgabe annimmt. Pfersich fühlt sich vom Deutschen Staat im Stich gelassen.
Pilgerausweise bezeugen jeden Kilometer
Um dennoch zumindest emotional mit ihrer Vergangenheit abschließen zu können, hatte sie sich Anfang des Jahres ein großes Ziel gesetzt. „Ich will nach Santiago de Compostela und zum Cap Finistere wandern, ans Ende der Welt“, erzählte sie damals im Gespräch mit unserer Redaktion. 2300 Kilometer, 80 Etappen, zwei paar Schuhe, ein kaputter Wanderrucksack und viele Erfahrungen später hat sie es geschafft. Stolz zeigt sie ihre beiden Pilgerausweise gefüllt mit vielen bunten Stempeln. „Ich habe so viele schöne bekommen“, freut sie sich. In Klöstern, Kirchen, Pilgerherbergen und in Gemeindezentren legte sie auf ihrer Reise Rast ein. „Dabei habe ich so viele nette Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt.“
Über Erlebnisse gesprochen
Mit vielen sprach sie über das, was sie erlebt hat. „Die meisten waren schockiert, dass einem so was in Deutschland passiert“, berichtet sie. Die Politik müsse mehr tun, um Frauen vor häuslicher Gewalt zu schützen.
Dass jetzt die elektronische Fußfessel eingeführt werden soll, findet sie gut. Diese soll von Familiengerichten angeordnet werden können, um Abstands- und Kontaktverbote wirksam durchzusetzen. „Aber es sollte grundsätzlich gleich von der ersten Anzeige an Strafen für Ersttäter geben“, findet sie. „Oder, dass überhaupt etwas gemacht wird, wenn jemand auffällig ist.“
Mit ihrer Aktion wollte sie auf das Thema häusliche Gewalt aufmerksam machen. Aber sie ging den Weg auch für sich selbst. „Am Anfang habe ich viel darüber nachgedacht, was mir passiert ist“, erzählt sie. Doch das verging. „Dann habe ich dann überlegt, wo ich als nächstes schlafe und was ich essen soll.“
Selbsthilfegruppe läuft wieder an
Wieder zurück in Deutschland geht der Kampf für sie direkt weiter. Als Leiterin der Selbsthilfegruppe für Frauen, die häusliche Gewalt erleben oder erlebt haben, will sie Hilfe und Unterstützung anbieten. Die Treffen finden an jedem vierten Montag im Monat im Schlosssaal des Balinger-Zollernschlosses statt. „Man kann einfach vorbeikommen, gerne auch mit einer Freundin oder Vertrauten, wenn einem das lieber ist“, so Pfersich.
Selbsthilfegruppe
Das nächste Treffen der Selbsthilfegruppe Häusliche Gewalt gegen Frauen
findet am 22. Dezember im Schloßsaal des Balinger-Zollernschlosses statt. Los geht’s um 19 Uhr. Weitere Informationen sind bei bei Birgit Pfersich und Karin Wolf unter Telefon 0177/8070304 oder per Mail an haeusliche.gewalt.gegen.frauen@gmx.de erhältlich.