Karl Maier (links) und Hermann Muth werben für die Aktion des Weißen Rings. Foto: Hauser

"Wir sind an der Seite der Opfer." Dies hat sich der Weiße Ring auch im Zollernalbkreis auf die Fahnen geschrieben. Anlässlich des Tags der Kriminalitätsopfer will er ein Problem in den Mittelpunkt stellen, unter dem viele Menschen zu leiden haben: Hass und Hetze. Und Hilfe anbieten.

Zollernalbkreis - Werben will der Weiße Ring für "Zivilcourage im Netz", wie der Außenstellenleiter im Zollernalbkreis, Karl Maier, erklärt. Denn einzelne Personen und Gruppen seien von Hass und Hetze, vor allem mittels Handy und Internet, betroffen. Auf diese Weise werde etwa bei Beziehungsproblemen gedroht und Angst eingejagt, was zum Teil so weit ginge, dass Betroffene nicht mehr vor die Türe gingen. Sie seien psychologisch angeschlagen, weil auch Bekannte und Freunde mit einbezogen würden.

Hass und Hetze richte sich auch gegen Menschen mit Behinderung, anderer Hautfarbe oder anderer Glaubensrichtung, gegen Minderheiten ganz allgemein, ergänzt Weißer-Ring-Mitarbeiter Hermann Muth. Die Bedrohungen treten seinen Worten nach in vielen Facetten, in verschiedenen Stufen auf, auch in Form von "rechter Gewalt", weshalb er fordert, dass vor einer Eskalation zur Gewalt eingeschritten werde müsse.

"Hinschauen,hinhören und reagieren"

"Das unglaubliche Vorgehen muss unterbrochen werden", fordert Muth: "Hinschauen, hinhören, und dann reagieren." "Jeder kann seinen Möglichkeiten nach handeln", ist Maier überzeugt. Wie das Handeln aussehen kann, soll mit eine Flyer veranschaulicht werden, den die Mitarbeiter des Weißen Rings ab Montag in verschiedenen Einrichtungen auslegen und unter anderem auf Wochenmärkten verteilen, so weit dies möglich ist. Sensibilität soll entstehen, nennt Maier, der froh ist, dass der Weiße Ring Hass und Hetze zum Jahresthema gemacht hat, die Zielsetzung der Aktion. Damit ein offener, demokratischer Dialog entsteht, ergänzt Muth. Dieser sei notwendig, "denn wenn es ihn gibt, ist schon viel gewonnen".

"Wer sich gegen Hass und Hetze stellt, betreibt aktiven Opferschutz", betont Maier, der außerdem darauf verweist, dass die größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer in Deutschland Betroffenen und Opfern noch auf vielfältige Weise helfen könne.

Diese hätten zum Beispiel die Möglichkeit, persönliche Gespräche mit Mitarbeitern zu führen, die für diese Aufgabe bei der eigenen Akademie ausgebildet werden. Sie würden außerdem zu Anwälten und Gerichten begleitet und bekämen Hilfe bei der Ausfüllung von Anträgen.

Schließlich gebe es finanzielle Unterstützung auf verschiedene Weise, so für die Erstberatung für eine Therapie.

Mit Handy-App Informationen sammeln

Und mittels der speziellen No-Stalk-App sei es möglich, alles zu dokumentieren, was für eine Anzeige in Betracht komme. Diese sei dann oftmals wie eine Befreiung für Betroffene. "Diese werden so lange begleitet, wie es notwendig ist. Die Tür geht nicht zu", halten Maier und Muth fest: "Der Weiße Ring ist wie ein Lotse durch das Verfahren."

Dem Weißen Ring im Zollernalbkreis gehören fünf ehrenamtliche Mitarbeiter an. Die Hilfsorganisation ist nicht bei der Strafverfolgung tätig, sondern sie geht die Auswirkungen einer Straftat an. Die Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbeiträge, Spenden und Geldzuweisungen durch die Gerichte. Es wird eng unter anderem mit der Polizei, dem Frauenhaus und dem Verein Feuervogel zusammengearbeitet. Das Opfertelefon hat die Nummer 11 60 06, Gespräche werden darüber hinaus unter Telefon 0151/55164632 entgegen genommen. Vertraulichkeit und Anonymität werden zugesichert.

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