Gewohntes Bild: Seit Jahren heißt der deutsche Fußballmeister stets FC Bayern München. Foto: Martin Hangen/hangenfoto/Poolfot/Martin Hangen

Der FC Bayern dominiert die Liga. Also schließt die DFL-Chefin Donata Hopfen Reformen wie Play-off-Spiele nicht mehr aus. Aus Sicht des VfB-Meistermanagers Horst Heldt sollte man über derweil eine Umverteilung der Einnahmen nachdenken.

Stuttgart - Der Konter aus München saß: Es war die bayerische Abteilung Attacke namens Uli Hoeneß, die im Herbst 2018 den Slogan vom „schlauen Herrn Reschke“ prägte. Denn Michael Reschke, damals Sportvorstand beim VfB Stuttgart, hatte als Erster die Einführung von Play-off-Spielen am Ende der Bundesligasaison öffentlich in Erwägung gezogen. Mit dem Ziel, angesichts der erdrückenden Dominanz des Rekordmeisters FC Bayern München mehr Spannung ins Titelrennen zu bringen.

 

Inzwischen steuern die Bayern als Spitzenreiter mit neun Punkten Vorsprung auf den Zweiten Borussia Dortmund unaufhaltsam auf ihre zehnte Meisterschaft in Folge zu, und Michael Reschke, der derzeit als Spielerberater arbeitet, hat seine Forderung nach Play-off-Spielen erneuert: „In zehn Jahren werden sie so vielleicht nur achtmal Meister“, sagt der 64-Jährige: „Vielleicht auch zehnmal – aber dann wenigstens mit einem interessanten Saisonfinale.“

Play-off-Spiele werden diskutiert

Würden aber K.-o.-Spiele um den Meistertitel, möglicherweise unter den ersten acht Teams der Bundesligatabelle, tatsächlich mehr Spannung garantieren? Klar ist, dass in der Liga über das Thema Play-offs als eine Alternative bereits ernsthaft diskutiert wird. Sei es in Gesprächen der Clubs untereinander – oder im Dialog mit der Spitze der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Hier sitzt seit Jahresbeginn die Geschäftsführerin Donata Hopfen als Nachfolgerin von Christian Seifert auf dem Regiestuhl. Angesichts der Langeweile im Titelrennen erscheint auch bei der DFL nichts mehr ausgeschlossen – auch wenn vieles bisher nur Gedankenspiele sind.

„Wenn uns Play-offs helfen, dann reden wir über Play-offs“, sagte Donata Hopfen zuletzt in einem Interview. „Die Liga wäre natürlich attraktiver, wenn sie mehr Wettbewerb an der Spitze hätte“, ergänzte die 45-Jährige, die als Chefin der Dachorganisation der 36 Clubs der ersten und zweiten Bundesliga auf die Branche vor allem pandemiebedingt ein Minus von 1,6 Milliarden Euro zukommen sieht: „Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass die Bayern in den letzten Jahren einen Superjob gemacht haben.“

Mehr Abwechslung auf der Insel

Tatsächlich aber begründet sich etwa der Vorsprung der englischen Premier League in der internationalen Vermarktung auch in der Spannung, da mehrere Teams ins Titelrennen eingreifen. In den neun Spielzeiten, in den der FC Bayern inzwischen am Stück dominiert, sahen die Anhänger auf der Insel fünf unterschiedliche Champions.

„Man muss immer offen sein, um Diskussionen zu führen. Die Erfahrung zeigt aber, dass Veränderungen in der Fußball-Welt nicht ganz so schnell vonstattengehen“, sagt der Münchner Cheftrainer Julian Nagelsmann zu möglichen Play-off-Plänen, die nach einer Umfrage des Internetportals Ran.de 71 Prozent der Fußballfans ablehnen.

„Leistung muss sich im Fußball weiterhin lohnen“, sagt Horst Heldt, der Sportchef aus der VfB-Meistersaison 2007: „Die Platzierung nach 34 Spieltagen einer Saison ist das Resultat dessen, was sich die Teams hart erarbeitet haben. Mögliche Play-off-Spiele würden nur die Ergebnisse in vielen Bereichen verzerren.“ Etwa die eines Teams auf einem Champions-League-Platz, das diesen womöglich durch ein verlorenes K.-o.-Spiel wieder abgeben müsste.

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„Vermutlich würde Bayern ja trotzdem Meister – Play-off-Spiele brächten also nicht grundsätzlich mehr Spannung“, ergänzt Heldt: „Das sehen wir ja in Österreich, wo es eine Meisterrunde der besten sechs Team gibt und trotzdem Red Bull Salzburg Serienmeister ist.“

Doch wie ist die Monotonie im Titelrennen dann zu stoppen in Zeiten, in denen die finanzielle Schere zwischen den Bundesligisten immer weiter auseinandergeht? So werden die Bayern in dieser Spielzeit rund 100 Millionen Euro im internationalen Geschäft verdienen. Andere Vereine wie der VfB Stuttgart gehen hier komplett leer aus.

Play-off-Spiele wären daher für Horst Heldt lediglich ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein, denn es müssten für mehr Spannung weitaus grundsätzlichere Reformen her. „Weil sich beim Verteilerschlüssel der nationalen TV-Gelder nicht mehr viel drehen lässt, wäre die Verteilung der Einnahmen aus der Champions League auf alle Bundesligisten der größte Hebel“, sagt Heldt, der allerdings auch weiß: „Natürlich wehren sich die teilnehmenden Topclubs mit den Bayern an der Spitze zu Recht gegen solche Vorschläge.“

Ist der US-Sport ein Vorbild?

Diese sind aber bereits diskutiert worden. So wie auch eine mögliche Reform des Transfersystems, etwa nach dem Vorbild der US-Sportligen wie der NFL oder NBA, wo das schlechteste Team bei der Talentbörse (Draft) die erste Wahl hat. Allerdings gibt es da keine Absteiger. Dass die Bayern-Dominanz ein ernsthaftes Dilemma für die Bundesliga darstellt, sieht auch der ehemalige Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der sagt: „Für das Thema Emotion im Fußball und in der Bundesliga sind zehn Meisterschaften in Serie nicht gut.“