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Gegen Corona-Regeln "Freiheitsboten" demonstrieren in Calw

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Ganz in Schwarz gekleidet "betrauern" die Demonstranten das Grundgesetz. Foto: Strauß

Eine schwarz gekleidete Menschenmenge pilgert durch Calw, vorneweg ein Mann mit einem Sarg. Was wie ein Trauerzug aussieht, ist in Wirklichkeit eine Demonstration der "Freiheitsboten Calw-Heimsheim". Ähnlich wie die "Querdenker" sind sie der Ansicht, dass wegen der Corona-Pandemie die Grundrechte begraben werden. 

Calw - Die Passanten zeigen sich verwundert und entsetzt, als am Samstagmittag eine vermeintliche Trauergemeinde durch die Calwer Innenstadt zieht - denn die schwarz gekleideten Demonstranten betrauern keinen Angehörigen, sondern das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

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Die Veranstaltung, die, passend zum Anlass, von Trauermusik begleitet wird, wurde von den sogenannten "Freiheitsboten Calw-Heimsheim", einer Ortsgruppe des Vereins "Freiheitsboten" organisiert. Dieser Verein, der auf seiner Homepage ausdrücklich auf die Querdenken-Bewegung verweist, habe es sich zur Aufgabe gemacht, Informationen in Form von Flugblättern und Infobriefen zu verteilen, heißt es auf deren Internetseite.

Und ganz im Stile der bundesweiten Querdenker-Proteste verhalten sich auch die meisten Anwesenden in Calw. Keiner der Anwesenden trägt eine Mund-Nasenbedeckung. Eine Rednerin verkündet zu Beginn des "Trauermarsches", dass alle Demonstranten, laut Polizei, von der Maskenpflicht befreit worden seien, solange sie den notwendigen Abstand einhielten. So starten die Demonstranten ihren Rundgang, angeführt von einem schwarzen Sarg, vom Unterem Ledereck bis zum Marktplatz und wieder zurück.

30 bis 40 Demonstranten

Außer der Musik hört man kaum ein Geräusch aus der Menge der 30 bis 40 Demonstranten, die große Schilder mit sich tragen, auf denen sie das Ende grundlegender Bürgerrechte anprangern. Vereinzelt werden ihnen Sympathiebekundungen zugerufen, doch die Stimmung der Calwer gegenüber den "Freiheitsboten" scheint überwiegend negativ zu sein. Der Trauermarsch wird beschimpft, ausgelacht und mit Rufen wie "Dummheit steckt an" kommentiert. Jeweils am Marktplatz und am Unteren Ledereck hält Nadja Frohnauer eine Trauerrede, die den Anschein hat, sie stünde gerade wirklich am Grab eines geliebten Menschen und nicht am imaginären Grab des Grundgesetzes. Im Gespräch aber korrigiert sie diese Übertreibung – die Einführung des Infektionsschutzgesetzes vergangene Woche sei nur eine Grundgesetzbeschneidung gewesen. Trotzdem sei der Vergleich zum nationalsozialistischen Ermächtigungsgesetz wichtig, denn ein derartiges Eingreifen in das persönliche Entscheidungsrecht sei der erste Schritt in Richtung Diktatur, betonte Frohnauer. Sie wünsche sich allgemein mehr Diskurs über gewisse Coronaregeln, beispielsweise der Quarantänebestimmungen für Kinder in Calw. Sie sieht die Verhältnismäßigkeit der Regeln zur Gefahr der Krankheit nicht.

Keine Gewalt

Ähnlich geht es auch zwei weiteren Freiheitsbotinnen, die sich vor allem Sorgen um die Langzeitfolgen des ­Maskentragens bei Kindern zu machen scheinen. Auch die Rolle der Presse scheint ihnen Sorgen zu machen – sie sei regierungskonform und würde Hetzen und Lügen verbreiten.

Doch vor allem in einem Punkt sind sie sich einig: Sie wollen frei sein, doch gestehen auch jedem anderen seine Freiheit zu und lehnen selbstverständlich alle Formen der Gewalt ab. Sorgen bezüglich der starken Rolle von Rechtsradikalen in der Bewegung haben sie nicht. Denn die Teilnehmer der Demos, besonders in Calw, kämen aus der Mitte der Gesellschaft und seien zum großen Teil Ärzte, Eltern und Selbstständige. Eventuelle Gewalt auf Bundesebene würde nie von ihnen ausgehen, sondern wenn, dann von "der Antifa".

Auch die Vorwürfe, die Darstellung als Trauergemeinde sei geschmacklos in Anbetracht der mittlerweile 36 Corona-Toten im Kreis Calw, bereite den Demonstranten keine Sorgen. Denn natürlich sei jeder einzelne Tote tragisch. Aber dazu gehörten eben auch diejenigen, die durch die Corona-Regeln und die damit einhergehende Einsamkeit von der Regierung zum Selbstmord gebracht worden seien.

Update vom 30. November 2020: eine Richtigstellung der Rednerin finden Sie unter diesem Link.

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